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Wirtschaftskammer

,,Wir Wirte sind bessere Arbeitgeber als manche danken"

Alois Rainer ist Fachgruppenobmann der Gastronomie bei der Wirtschaftskammer Tirol und Wirt des Gasthof Post bei Strass im Zillertal.

 

SI: Wie schätzen Sie die Personalsituation in der Berggastronomie ein?

 

Alois Rainer: Grundsätzlich ist auch die Berggastronomie von der Knappheit an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – sowohl Fach- als auch Hilfskräfte – betroffen. Da besteht de facto kaum ein Unterschied zu den anderen Gastronomiebetrieben. Im besonderen werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Küchen, im Service, aber auch als Abwäscher und Abräumer. gesucht.

Wurden in der Personalpolitik in der Vergangenheit Fehler gemacht?

 

Ich bin der Meinung, dass wir einen ehrlichen Umgang pflegen müssen. In der Vergangenheit wurden natürlich auch Fehler begangen, es wäre Ironie hier etwas anderes zu behaupten. Arbeitsbedingungen haben sich in den letzten Jahren allerdings massiv verändert und entsprechen schon lange nicht mehr den Bildern, die vielfach in den Köpfen der Menschen verankert sind.

 

Welche positiven Schritte wurden bereits gesetzt?

 

Um am hart umkämpften Mitarbeitermarkt bestehen zu können, ist jeder Betrieb gefordert auf die Bedürfnisse der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einzugehen. Insbesondere bei den Arbeitszeiten ist Flexibilität gefragt – bei Mitarbeitern wie auch bei Betrieben. Im zu bezahlenden Lohn unterscheiden sich die Betriebe nur minimal – den Unterschied macht das Gesamtpaket. Da geht es um Betriebsklima, Führungskompetenz und Sozialverhalten aber auch um Mitarbeiterunterkünfte.

 

Welchen Herausforderungen stehen Mitarbeiter in der Berggastronomie gegenüber?

 

Die Berggastronomie – darunter verstehe ich Skihütten, Schutzhäuser, Almen oder Jausenstationen – arbeiten noch wesentlich witterungsabhängiger als die klassische Gastronomie, mal abgesehen vom Gastgartengeschäft.

 

Betriebe und Mitarbeiter können zwar auf Basis von Ferienzeiten den Geschäftsgang voraussehen, wenn es aber bis auf 3.000 Meter Seehöhe regnet, kommt auch niemand. Denke ich an Betriebe in sehr exponierten Lagen, haben deren Mitarbeiter wieder Schwierigkeiten „ins Tal“ zu kommen.

Welche Vorteile haben sie dafür?

 

Denke ich an viele Skihütten, so ermöglichen diese beispielweise vielen einheimischen Fachkräften einen „9 to 5 – Job“ und eine gute Vereinbarkeit mit Familienleben. Auch der Sommertourismus wird für die Berggastronomie immer interessanter.

 

Was muss die Branche tun?

 

Die Branche hat darauf zu schauen, dass es den vielen fleißigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Betrieben gut geht. Motivierte Mitarbeiter bleiben im Regelfall wesentlich länger bei den Betrieben und sind die besten Botschafter der „Arbeitgebermarke“. Rekrutierung von Mitarbeitern über Mitarbeiter ist der absolut effizienteste Weg.

 

In den Köpfen der Menschen stecken nach wie vor Bilder von touristischen Arbeitsbedingungen vor 30-40 Jahren. Da hat sich viel getan, das gehört auch kommuniziert – denn wir sind besser als so manche denken!

 

Welchen Beitrag hat die Politik zu leisten?

 

Natürlich beschäftigen alle Gastronomiebetriebe am liebsten einheimische Mitarbeiter. Wir stehen aber nicht nur untereinander in einem Wettbewerb, unser größter Mitbewerber ist die Gesamtwirtschaft. Wir verzeichnen in Tirol gottlob eine defacto-Vollbeschäftigung. Wir werden also nicht umhin kommen uns auch am ausländischen Markt zu behelfen.

 

Hier haben wir als Wirtschaftskammer der Politik klar aufgezeigt was wir brauchen. Anpassung der Saisonierkontingente für Hilfskräfte auf den tatsächlichen Bedarf, praxisgerechte Kriterienüberarbeitung der Rot- Weiß-Rot-Karte für Fachkräfte in Mangelberufen.

 

Beides findet sich im jüngsten Regierungsprogramm wider. Jetzt gilt es aber vom Ankündigen ins Umsetzen zu kommen – zur Sicherung von betrieblichem Erfolg und damit gesellschaftlichem Wohlstand.