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Gasteiner Bergbahnen AG

Gäste als Investoren

Immer häufiger wird das Finanzierungsmodell Crowdfunding, bei der die Bevölkerung zum Geldgeber wird, eingesetzt. Zu den erfolgreichsten Kampagnen in Österreich gehört unter anderem das Darlehensmodell der Schlossalmbahn Neu.

 

Etliche Skigebiete, mit minimalen finanziellen Mitteln, haben Crowdfunding für sich entdeckt. Bei dieser Art der Gruppenfinanzierung werden viele Investoren zur Verwirklichung eines Projektes oder einer Geschäftsidee gesucht, wenn das nötige Eigenkapital fehlt.

 

Aufgrund der schwierigen Schneebedingungen in tieferen Lagen setzen vor allem kleinere Skigebiete immer häufiger auf diese Form der Finanzierung, um sich nötige Modernisierungen leisten zu können. Darunter ist auch die Forsteralm bei Waidhofen an der Ybbs, der nur dann eine Länderförderung in Aussicht gestellt wurde, wenn auch Eigenmittel vorhanden seien.

 

 

„Dieses Geld hatten wir nicht, weil die Leute im Skigebiet eh schon ehrenamtlich arbeiten“, sagt Thomas Wagner, ein Werber aus der Region, der die Aktion „Schifoahn dahoam“ ins Leben rief. Bei der Crowdfunding-Kampagne kamen über 460.000 Euro zusammen, die den Skibetrieb auf der Forsteralm vorerst aufrechterhalten.

 

Im Chummenbühel in Obersaxen in der Schweiz konnte man dank einem Crowdfunding Aufruf genug Geld für das neue Kinderland sammeln und auch bei der Finanzierung der Schlossalmbahn in Österreich kam dieses Mittel äußerst erfolgreich zum Einsatz.

Das Zusammentragen der Unterlagen für die Umweltverträglichkeitsprüfung nahm aufgrund der Dokumentenmenge viel Zeit in Anspruch. Fotos: GASTEINER BERGBAHNEN

Bürgerbeteiligung in Gastein

1946 ging die alte Schlossalmbahn in Betrieb und war somit für Stammgäste und Einheimische gleichermaßen schon lange Teil des Gastein-Erlebnisses. Bei der Reinvestition wollte man sich deshalb bewusst von dem alten Konzept lösen und stellte sich dagegen die Frage, wie ein Skigebiet ohne Altlasten aussehen würde – eines das heute erst geplant und gebaut wird.

 

Mit diesen Überlegungen ging man dann in die UV (Umweltverträglichkeitsprüfung). Die Bergbahnen wollten einen großen Schritt in Richtung modernes Angebot machen und eine weltcupfähige Piste bis ins Tal anlegen. Damit es aber dazu kommen konnte, musste bei der UV viel beachtet und geprüft werden.

 

Am Ende waren drei Autofahrten nötig, um Mensch und Unterlagen zur Prüfung zu bringen. Sieben unterschiedliche Projektversionen wurden bei Bürgerversammlungen mit bis zu 100 Personen diskutiert.

 

„Es war natürlich sehr anstrengend mit so vielen Menschen zu diskutieren, aber wir wollten, dass die Bevölkerung von Anfang an Teil des Projek- tes ist und dadurch war auch der Zuspruch in der Bevölkerung hoch“, so Franz Schafflinger von den Gasteiner Bergbahnen.

Für das Crowdfunding war es möglich aus drei unterschiedlichen Modellen zu wählen.

 

Bei dem Partiarischen Darlehen wurde ein Mindestbeitrag von 10.000 Euro verlangt, da sonst der Aufwand zu groß geworden wäre.

Finanzierung

Nach der Genehmigung der UV kam der schwierigste Teil, nämlich die Finanzierung. „Für den Bau und die geplante Umsetzung waren rund 25 Millionen Euro notwendig und bei so einem Betrag muss die Finanzierung stehen, bevor man mit dem Bau beginnt.

 

Deshalb haben wir uns auch nach alternativen Finanzierungsformen umgesehen. Das Crowdfunding durch geringe Beträge aus der Bevölkerung war für uns eine super Möglichkeit unser Projekt Schlossalmbahn Neu zu finanzieren und gleichzeitig einen Eindruck von der Unterstützung der Bevölkerung zu erhalten,“ berichtet Schafflinger.

 

„Wir haben drei mögliche Finanzierungsmodelle angeboten und diese wurden über eine online Plattform abgewickelt, deshalb kam es auch zu keinem Mehraufwand für die Bergbahn.

 

Es sollten alle Alterskohorten angesprochen werden. Investitionen waren von Kleinbeträgen im Wert von 100 Euro bis hin zum gesetzlich vorgeschriebenen Höchstbetrag von 5.000 Euro möglich. Überraschend für die Gasteiner Bergbahnen war, dass der Maximalbetrag die beliebteste Investitionssumme (42 %) darstellte.

„Wir haben gehofft ein wenig Geld zusammen zu bekommen. Insgesamt haben wir uns ein Maximum von utopisch scheinenden 1,5 Millionen Euro gesetzt. 72 Stunden, nachdem wir das Crowdfunding Projekt erstmals offiziell nach außen kommunizierten, waren die Pakete im vollen Ausmaß der 1,5 Millionen ausgeschöpft.

 

Es war auch ein Postwurf angedacht, aber da bereits alles „verkauft“ war musste dieser noch aufgehalten werden. An einige Aspekte haben wir auch gar nicht gedacht. Senioren brauchten für die Teilnahme die Hilfe ihrer Enkel, weil alles über E-Mail abgewickelt wurde und manche keine E-Mail-Adresse hatten.

 

Sie hätten uns das Geld lieber persönlich gegeben, was bei so vielen Menschen natürlich nicht machbar ist,“ berichtet Schafflinger über den großen Zuspruch. Weil nach nur drei Tagen das gesamte Kontingent erschöpft war, blieb die Botschaft über die Finanzierungsmöglichkeit der Schloassalmbahn Neu anfangs wie gewünscht in der Region.

 

 

Doch auch Stammgäste wollten „ihre“ Bahn unterstützen und wanten sich an die Gasteiner Bergbahnen. Diese beschlossen aufgrund der großen Nachfrage der Ursprungskampagne eine weitere zu starten. Diese wurde ebenfalls mit ei- nem Maximum, dieses Mal in Höhe von 1,6 Millionen Euro fixiert.

 

Bei diesem Zusatzfunding setzte man nun gezielt auf die Breitenkommunikation. Bei der Neuauflage der Finanzierung kamen so viele Stammgäste zum Zug. Insgesamt wurden 3.1 Millionen Euro durch Crowdfunding gesammelt.

 

Durch das Projekt hat sich auch die Stimmung in der Bevölkerung gewandelt, anfangs waren sie traurig, weil die alte Anlage abgerissen wurde und standen einer neuen eher skeptisch gegenüber, doch nach der Crowdfunding Aktion überwog die Neugier.

 

Die Vorfreude über die neue Anlage war im ganzen Ort zu spüren und in den Sommermonaten kam es schon fast zu einem Baustellentourismus,“ sagt Schafflinger lachend.