
Digitalisierung & Innovation, Management & Tourismus, SI 1/2026
Die digitale Kluft am Berg: Effizienz als Geschäftsmodell
In der Seilbahnbranche trägt heute nicht mehr nur die Technik am Seil zum wirtschaftlichen Erfolg bei, sondern vor allem die digitale Durchdringung der gesamten Organisation.
Während viele Betriebe noch in der Sackgasse reiner „Info-Apps“ stecken, zeigen Pioniere wie die Bergbahn AG Kitzbühel, wie man operative Exzellenz mit moderner Kommunikation verheiratet.
Mehr als nur Kommunikation
Die digitale Transformation der Bergbahnen ist längst kein Zukunftsszenario mehr, sondern eine tägliche Notwendigkeit. Doch wer den Begriff nur als die Einführung einer neuen Software versteht, greift zu kurz.
In einem Sektor, der wie kaum ein anderer von saisonalen Schwankungen, komplexen Sicherheitsbestimmungen und einer geografisch weit verstreuten Belegschaft geprägt ist, geht es um mehr: Es geht um die Verbindung von Menschen und Prozessen in Echtzeit.

August Schärli
CEO TMC Enluf
August Schärli, Gründer der TMC Enluf AG, beobachtet die Branche seit 2014 intensiv. Seine Erkenntnis: Viele Unternehmen investieren zwar in Technologie, erreichen aber nicht den erhofften Return on Investment (ROI).
„Kommunikation allein löst nur die halbe Gleichung“, so Schärli. „Ein System, das nur Informationen sendet, ist wie eine Seilbahn ohne Gondel – die Station sieht gut aus, bringt den Gast aber operativ nicht wirklich ans Ziel“.

Die drei Pfeiler des Wandels: Strategie statt Stückwerk
Um echten Wandel voranzutreiben, müssen drei fundamentale Pfeiler ineinandergreifen: die Einbindung aller Mitarbeitenden, die Optimierung der Kommunikation und – als entscheidender Hebel – die Digitalisierung operativer Abläufe.
- Mitarbeitende im Zentrum: In der Seilbahnbranche arbeitet der Großteil der Belegschaft nicht am Schreibtisch. Pistenretter, Mechaniker und Servicekräfte sind mobil. Erreicht man diese Menschen nicht digital, bleibt eine „digitale Kluft“ bestehen, die Effizienz und Sicherheit gefährdet.
- Strukturierte Kommunikation: Es reicht nicht, E-Mails durch Chat-Gruppen zu ersetzen. Wahre Effizienz entsteht, wenn wichtige Informationen – von Pistenkontrollen bis zu Sicherheitshinweisen – in Echtzeit und rechtssicher dort ankommen, wo sie gebraucht werden.
- Der digitale Arbeitsplatz: Dies ist der Bereich, in dem der ROI laut Schärli um den Faktor 10 steigt. Wenn täglich wiederkehrende Aufgaben wie das Onboarding neuer Mitarbeiter, Checklisten, Unterhaltsarbeiten an Anlagen, Unfallmeldungen oder Materialbestellungen direkt auf dem Smartphone erledigt werden können, spart das nicht nur Zeit und Papier, sondern reduziert massiv die Fehlerquote.

Die Sackgasse der „Billig-Lösungen“
Ein häufiger Fehler bei der Systemwahl ist der Fokus auf den reinen Anschaffungspreis einer Kommunikations-App. „Die Annahme, dass eine Mitarbeiter Messaging-Lösung günstiger ist, mag anfangs stimmen“, erklärt Schärli.
Doch sobald das Projekt Fahrt aufnimmt und das Unternehmen den Wunsch entwickelt, auch operative Prozesse wie Schlüsselübergaben, wiederkehrende Unterhaltsarbeiten, Tank- und Abrechnungsvorgänge, Urlaubsanträge oder Dienstpläne einzubinden, stoßen diese isolierten Tools an ihre Grenzen.
Das Resultat ist oft eine fatale Fragmentierung: Das Unternehmen muss eine zweite, spezialisierte Lösung anschaffen. Die Mitarbeitenden müssen dann mit zwei oder drei verschiedenen Apps hantieren. Das führt zu Frustration, Fehlern und am Ende zu höheren Kosten, da die Integration fehlt. Oft muss das gesamte Projekt noch einmal neu gestartet werden.


Kitzbühel: Effizienz als Markenzeichen
Ein Paradebeispiel für eine erfolgreiche, ganzheitliche Strategie ist die Bergbahn AG Kitzbühel. Als einer der weltweit führenden Bergbahnbetriebe stand KitzSki vor der Herausforderung, eine hohe Anzahl an Mitarbeitenden an unterschiedlichsten Standorten nicht nur zu informieren, sondern operativ zu vernetzen.
In der Zusammenarbeit mit TMC-Enluf wurde Beekeeper als zentrale Plattform gewählt – die einzige Lösung, die laut Schärli sowohl die interne Kommunikation als auch die Digitalisierung komplexer Arbeitsabläufe in einem System vereint.
Für Kitzbühel war dies eine strategische Entscheidung: Effizienz ist hier kein Selbstzweck, sondern die Grundlage, um den hohen Qualitätsstandard des Skigebietes bei gleichzeitig steigendem Kostendruck zu halten.
Seit dem Rollout hat sich die Plattform in Kitzbühel stetig weiterentwickelt. Es geht heute nicht mehr nur darum, „dass“ man kommuniziert, sondern „wie“ die digitale Interaktion den Alltag einfacher und produktiver macht.
Interview mit KitzSki:
„Wir brauchen kein zweites WhatsApp, sondern viel mehr!“

Christian Wörister
Vorstand KitzSki
SI Magazin: Warum haben Sie die App Beekeeper eingeführt?
Wörister: Auslöser war eine Seilbahnbergung, bei der die interne Kommunikation eine Herausforderung war und wir nicht alle unserer Mitarbeiter im Skigebiet in Echtzeit erreichen und alarmieren konnten. Wir haben daher ab 2024 ein Kommunikationstool gesucht. August Schärli von TMC Enluf öffnete uns jedoch den Geist dazu, ganze Prozesse im Personalmanagement digital abzuwickeln – denn wenn es nur um Kommunikation ginge, hätten wir gleich bei WhatsApp bleiben können.

Stefan Niedermühlbichler
IT-Leiter KitzSki
Inwieweit wurde das Personalmanagement daher digital transformiert?
Niedermühlbichler: In drei Workshops mit TMC Enluf haben wir wichtige Info- und Verwaltungsaufgaben digital durchgedacht. Nun läuft nicht nur die Kommunikation und Information der Mitarbeiter über Beekeeper, sondern auch Urlaubsanträge, Krankmeldungen und Dienstpläne. Hier müssen keine PDF gescannt werden, die Prozesse gehen direkt in den Personalakt. Auch die An- & Abmeldung erfolgt in Beekeeper vollautomatisiert.

Wie bringen Sie die Mitarbeitenden dazu, die App Beekeeper zu nutzen?
Wörister: Das Tool bietet derart überzeugende Benefits und Informationsvorsprünge, dass 90 Prozent der Belegschaft Beekeeper freiwillig nutzen. Anders gesagt: Wer es nicht nutzt, hat einen Nachteil. Die App ist unser eigenes Social Media, jeder kann mit jedem kommunizieren – auch wenn derjenige kein Diensthandy oder Dienstmail hat. Die klassischen Kommunikationswege wurden intern komplett durch Beekeeper ersetzt. Die Abteilungen organisieren sich über die App selbst – von der Kommunikation über To-Do-Listen bis zu darin abgelegten Handbüchern. Ein großer Vorteil ist zudem, dass jeder Nutzer die Inhalte in seine Muttersprache übersetzen kann. Zusammengefasst werden so Missverständnisse und Ineffizenzen vermieden.
Welche Rolle spielt Gamification?
Wörister: Die soziale und informelle Funktion von Beekeeper ist nicht zu unterschätzen. In der App werden Firmenevents geplant, private Kleinanzeigen erstellt, Bergfotos geteilt oder kollaborative Spiele durchgeführt. Die Personalabteilung nutzt Beekeeper auch dazu, Tippspiele oder Adventkalender zu organisieren – inklusive Preise. Diese Gamification ist oft ein zusätzlicher Booster für die Nutzung von Beekeeper.

Apropos Personalabteilung, diese profitiert wohl am meisten von der App?
Niedermühlbichler: Die digitalisierten und teilautomatisierten Prozesse erleichtern die Arbeit der HR-Verantwortlichen tatsächlich sehr stark. Hier wären technisch noch viele Schnittstellen von uns selbst programmierbar – wie Arbeitszeiterfassung, digitale Lohnzettel oder kleinere Schulungen. Generell profitiert jeder bei KitzSki, allen voran die Geschäftsführung, von mehr Effizienz und besserer interner Kommunikation.
Man denke nur an unsere Ausgangslage eines Notfalls, wo nun per Pushnachricht alle in Echtzeit informiert werden. Wir haben zudem Zugang zur Beekeeper-Community, wo sich Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen über neue Ideen und Lösungen austauschen, mit denen die digitale Transformation weiter vorangetrieben werden kann.
Bergnetzwerk-Webinar „Digitale Transformation“
Dienstag, 17. März 2026, 08 bis 09 Uhr
Um Erfahrungen für die gesamte Branche zugänglich zu machen, veranstaltet das SI Magazin am Dienstag, 17. März 2026 von 08 bis 09 Uhr im Umfeld des BergNetzWerks ein Webinar mit August Schärli von TMC Enluf sowie Christian Wörister (Vorstand) und Stefan Niedermühlbichler (IT-Leiter) von KitzSki.
Im Fokus stehen die harten Fakten der digitalen Transformation:
- Herausforderungen: Welche spezifischen Probleme führten zur Entscheidung für eine Plattform-Lösung?
- Umsetzung: Wie gelang es, die Akzeptanz bei den Mitarbeitenden im Gebiet von Tag eins an sicherzustellen?
- ROI in der Praxis: Wo wurden die größten Effizienzgewinne erzielt – strategisch wie operativ?
- Zukunft: Wie hat sich die Zusammenarbeit seit dem Rollout entwickelt und welche neuen Potenziale wurden erschlossen?
- Anmeldung unter bergnetzwerk.com/webinare#aktuellewebinare
