Branchen-Austausch auf neuem Level

Ob gemeinsam LEGO bauen oder im Barcamp selbst die Themen setzen: Das BergNetzWerk 2026 in Alpbach hob den Branchenaustausch mit innovativen Formaten auf ein neues Level. Inhaltlich ging es um Gewinn am Berg, die 130 Teilnehmer sprachen über Geld, Gäste und Technik.

Vorträge, Werkstätten, ein interaktives Barcamp und gemeinsames LEGO-Bauen prägten das BergNetzWerk 2026 im Congress Centrum Alpbach, Tirol – moderiert von Marina Herzmayer.

Die rund 130 Bergbahner, Touristiker und Industrievertreter genossen zudem ungezwungenes Netzwerken, regionale Kulinarik, zwei Exkursionen sowie einen Gipfel-Sundowner.

Denny Bräuniger von Ohaey war für die interaktiven Formate am BergNetzWerk verantwortlich.

Das BergNetzWerk wurde seinem Namen durch neue Formate und Zeit für Austausch gerecht.

Moderatorin Marina Herzmayer führte sympathisch durch das Programm.

Lego im Tal und Gewinn am Berg

Das Event startete ungewöhnlich: In Gruppen wurde gemeinsam LEGO gebaut. Die Skepsis der Gäste wich rasch der Erkenntnis, dass man mit den Spielsteinen schnell thematisch und persönlich in den Austausch trat.

Spielleiter Denny Bräuniger (Ohaey) musste die Teilnehmer sogar bremsen. Gastgeber Reinhard Wieser (Bergbahnen Alpbach) leitete anschließend das Eventthema „Gewinn am Berg“ ein, indem er den Wert langfristigen Wirtschaftens betonte.

Bürgermeister Markus Bischofer verwies in seinem Grußwort darauf, dass es die Branche nötig habe, über Geld zu reden – insbesondere da sie großteils auf fremdem Grund wirtschaftet. Veranstalter Gerald Pichlmair (SI Magazin) rief alle dazu auf, Netzwerken tatsächlich zu leben.

Gerald Pichlmair, Veranstalter des BergNetzWerks und Herausgeber des SI Magazins, sieht in Reinhard Wieser den „großen Motor“ des diesjährigen Events.

Reinhard Wieser (Bergbahnen Alpbach) freute sich als Gastgeber, kluge Köpfe in Alpbach versammelt zu wissen.

Alpbachs Bügermeister Markus Bischofer war vom Lego-Netzwerken begeistert und riet den Teilnehmern dazu, das maximale aus dem Event herauszuholen.

Reden wir über Geld

Die erste Keynote übernahm der Ökonom Rahim Taghizadegan. Er sprach darüber, was moderne Unternehmer und Investoren von der Geld- und Wirtschaftsgeschichte des Alpenraums lernen können. Er betonte die Relevanz des Kapitalaufbaus und warnte davor, dass wir uns oft in falschen Idyllen befinden und vor allem von der Substanz leben.

Finanzmarktexperte Peter Brezinschek, Ex-Chefanalyst der Raiffeisen Research, dröselte auf, welche Rahmenbedingungen für Kapitalmärkte, Zins- und Geldpolitik herrschen.

Er kritisierte die EU-Bürokratie sowie die hohen Staatsquoten in der Wirtschaft. Trotzdem ermunterte er die Bergbahnen dazu, jetzt zu investieren, denn nach der aktuellen Gewittergefahr an den Kreditmärkten wird sich die Situation wieder entspannen.

Rahim Taghizadegan sieht im wohlhabenden Alpenraum ein wirtschaftliches Wunder, da Bergregionen eigentlich zur Armut tendieren.

Laut Peter Brezinschek werden die Unterschiede zwischen kurz- und langfristigen Zinsen größer und riet daher, Investitionen jetzt zu tätigen.

Das Hotel „Zur Post“ war Schauplatz eines mehrgängigen Netzwerk-Dinners.

Praxis in Invest, KI und Effizienz

Nach den beiden Keynotes teilte sich das Publikum in drei Gruppen. In der Invest-Werkstatt erarbeiteten Oliver Hedl (s Leasing) und Alexander Steiner (Findustrial) mit den Bergbahnern Pay-per-use-Modelle entlang der Ski-Journey.

„Gewinn am Berg beginnt im Einkauf“ lautete hingegen das Motto der ­Effizienz-Werkstatt von PoolAlpin mit Roland Niedermayr und Günther Ritter. Sie gingen vor allem auf Chancen und Grenzen der Künstlichen Intelligenz (KI) im Einkauf ein.

Apropos KI: Nahed ­Hatahet von ki-trainings.at baute gemeinsam mit seiner Gruppe einen Seilbahn-Agenten. Den Abschluss des ersten Tages bildete ein mehrgängiges Dinner im Hotel „Zur Post“ in Alpbach, das in geselligen Runden an den Tischen und an der Bar ausklang.

Invest-Werkstatt: Financing the Mountain: Pay-per-use entlang der Ski-Journey

Effizienz-Werkstatt: Gewinn am Berg beginnt im Einkauf

KI-Werkstatt: Wir bauen uns einen Seilbahn-Agenten

Reden wir über Gäste

Der nächste Vormittag widmete sich dem Thema Gäste. Passend dazu verwies Frank Kostner (Alpbach Tourismus) auf das ausgewogene Verhältnis von Einheimischen zu Gästebetten sowie auf den Ortsbildschutz: In Alpbach sind fast ausschließlich traditionelle Baustile zugelassen.

Reinhard Klier (Stubaier Gletscher) sprach als Obmann der Tiroler Seilbahnen über Gästegruppen, die sich weniger über das Alter definieren als vielmehr über Reiseanlässe, Interessen, Aktivitäten und Lebenssituationen.

Das Umsatz-Verhältnis von Alpbach Tourismus liegt bereits bei  50-50 (Sommer/Winter), angepeilt werden laut Obmann Frank Kostner 70-30.

Tirols Seilbahner-Obmann Reinhard Klier sieht die saisonale Abgrenzung als überholt an und riet dazu, Sommer- und Winter-Aktivitäten zu verzahnen.

ÖW-Chefin Astrid Steharnig-Staudinger will den Sonnenskilauf als „Winter Extended“ neu positionieren.

Debatte über No-Ski-Instructor

Eine Generation, die abschalten will, aber es nicht schafft: Darüber sprach Astrid Steharnig-Staudinger, Geschäftsführerin der Österreich Werbung. Ihre Kampagne mit dem „No-Ski-Instructor“, der Winterurlaub abseits der Piste propagiert, stieß im Branchenpublikum jedoch auf Kritik.

Zustimmung erhielt sie für mehr Chor- statt Solo-Denken in der Branche, denn der Gast denkt nicht in Zuständigkeiten. Akteure müssen sich auf eine Geschichte einigen, ansonsten bleiben Hotels und Bergbahnen in den Alpenländern für KI-Systeme schlecht auffindbar.

Beim Barcamp-Format konnte jeder Teilnehmer ein Thema pitchen. Über die Vorschläge wurde demokratisch abgestimmt. Die beliebtesten Fragen kamen auf das Eventprogramm und wurden anschließend in zehn Gruppen behandelt (zweimal fünf Sessions mit Wechselmöglichkeit).

Interaktives Barcamp

Nach den Keynotes stand mit dem Barcamp ein interaktives Format auf dem Programm. Jeder Teilnehmer durfte ein Thema pitchen, und gemeinsam wurde abgestimmt, welche der Vorschläge in einer Werkstatt behandelt werden. Folgende Fragen wurden in Gruppen diskutiert:

Session 1

  • Wie schaffen wir ein tragfähiges ­Geschäftsmodell 2040?
  • Welche Grenzen und Chancen gibt es bei Speicherteichen und Bikeparks?
  • Braucht es eine Ausbildung für mehr Gastfreundschaft?
  • Wie gelingt Dynamic Pricing mit ­Reiseveranstaltern?
  • Wie können wir aus jeder Gondel einen Windsensor machen?

Session 2

  • Wie wird Mobilität im Tal Teil der ­Wertschöpfungskette?
  • Wie reduzieren wir die Abhängigkeit von Ferienzeiten?
  • Was können wir von Freizeitparks, Thermen und Kreuzfahrten lernen?
  • Wie müssen wir mit der jungen ­Generation im Team umgehen?
  • Wie gelingt eine einheitliche Kommunikation zum Thema Nachhaltigkeit?

MyGusto sorgte mit seiner Convenience-Lösung SiSiSi für leckere Bowls zu Mittag.

„Mr. Koralmbahn“ Klaus Schneider zog mit seiner Keynote die Zuhörer in den Bann.

Erich Egger (Schmittenhöhe) wird Venue Partner für das BNW 2027 von Gerald Pichlmair (r.).

Megaprojekt Koralmbahn

Nach dem Mittagessen – gekocht mit der Convenience-Lösung SiSiSi von MyGusto – hingen die Teilnehmer regelrecht an den Lippen von Klaus Schneider (ÖBB ­Infra), dem Gesamtprojektleiter der ­Koralmbahn: Fast 30 Jahre lang führte er den Bau der Eisenbahnstrecke mit Tunneln, Brücken, Bahnhöfen und vielem mehr. Dabei konnte sein Team den Kostenrahmen nahezu exakt einhalten.

Betriebs-​​​Werkstatt: Gewinnen mit Daten: Wie die tägliche Arbeit im Skigebiet datengestützt weiterentwickelt werden kann.

Pitch für die Antriebs-Werkstatt: Der Antrieb, um Berge zu versetzen. Über Moleküle und Elektronen – was auf der Piste wirklich zieht.

Personal-Werkstatt: Mitarbeiter-Kommunikation: Die perfekte Saison? Information ist ALLES!

Preise-Werkstatt: Daten als Umsatztreiber: Wie LAAX E-Commerce, Pricing und Customer Engagement gezielt kombiniert

Reden wir über Technik

Anschließend ging es wieder in Gruppen zu den Werkstätten. In der Betriebs-Werkstatt zeigten Sebastian Rüdisser und Reinhard Fitz (Doppelmayr), wie die tägliche Arbeit im Skigebiet datengestützt weiterentwickelt werden kann.

Andreas Muigg, (PistenBully), diskutierte die Antriebe für Pistenfahrzeuge – was sagt die Physik und was der Markt?

Über gelungene Mitarbeiterkommunikation sprachen Thomas Mörth und Anna Umfahrer von Lolyo.

Wie LAAX E-Commerce, Pricing und Customer Engagement gezielt kombiniert, erläuterten Marc Bless (Weisse Arena Gruppe), Jonas Meuli ­(Pricenow) und Silvan ­Schuppisser (Inside Labs).

Die blinde Para-Athletin Elina Stary inspirierte die Teilnehmer beim Sundowner am Berg.

Mit VW als Mobility Partner ging es zu den Exkursionen (Verbindungsbahn/Beschneiung).

Einige der Teilnehmer fanden sich zu einem Gruppenfoto vor dem Congress Centrum Alpbach ein.

Closing Keynote und Exkursionen

Nahed Hatahet, Digital- & AI-Transformationsexperte, setzte thematisch den Schlusspunkt: Er schilderte, warum das Skigebiet 2040 mehr Vertrauen braucht als Technologie, da durch KI Deepfakes und Co. massiv zunehmen und wir digitale Kollegen haben werden.

Darauf anknüpfend klang der Donnerstag im Bergrestaurant Heuboden aus. Die nahezu blinde Para-Athletin Elina Stary und ihr Guide Stefan Winter inspirierten die Teilnehmer mit ihrem Podiumsgespräch über sprichwörtlich „blindes“ Vertrauen, wenn man gemeinsam mit 100 km/h die Piste runterbrettert.