Mountaincarts auf der Skipiste

Image- und Gästegewinn in Dorfgastein: Als Pionier im deutschsprachigen Alpenraum setzen die Bergbahnen Dorfgastein Mountaincarts auch im Winter ein. Das Angebot wird stark nachgefragt. Neben dem Imagegewinn zielen die „Early Winter Mountaincarts“ darauf ab, Skifahrer zu gewinnen, die ansonsten anderswo fahren.

Ute ist 80 Jahre alt – und damit ab sofort die Fahrerin mit dem bislang höchsten Alter, die bisher die Pisten am Fulseck im „Early Winter Mountaincart“ herabfuhr.

Seit vergangener Saison bietet die Dorfgasteiner Bergbahnen AG ihre Mountaincartflotte auch im Winter an – und ist damit Pionier im deutschsprachigen Raum. Heuer haben Silvretta Montafon und das Kaunertal nachgezogen.

„Über die Skipisten geht es über 500 Höhenmeter hinab – mit einem Feeling wie beim Videospiel Mario Cart“, berichtet Franz Naturner, Marketingleiter der Dorfgasteiner Bergbahnen AG.

Franz Naturner

Marketing BB Dorfgastein

Die Touren in der Praxis

In einer Gruppe von maximal 30 Personen wird morgens vor Öffnung des Skigebiets mit der Gipfelbahn Fulseck auf den Berg gefahren – gemeinsam mit dem Gastropersonal. Oben warten bereits die Mountaincarts, die Einweisung der Gäste erfolgte bereits im Tal.

Vom Fulseck wird dann bis zur Mittelstation abgefahren – angeführt von einem Bergbahnmitarbeiter oder gar durch Bergbahn-Vorstand Matthias Egger selbst. Denn die Strecke wechselt je nach Schnee- und Witterungsverhältnissen. Ein weiterer Mitarbeiter bildet auf Ski die Nachhut.

Je nach Nachfrage wird täglich eine Tour durchgeführt, mindestens jedoch jeden Dienstag. Passen die Pistenverhältnisse – das ist zu 80 Prozent der Fall – wird sogar bis ins Tal gefahren – was noch einmal 500 Höhenmetern entspricht.

Mountaincarts benötigen eine kompakte Pistenstruktur, weshalb auch ein Abendbetrieb auf weichen Schnee für die Bergbahnen nicht sinnvoll erscheint.

Eine räumliche Trennung von Piste und Mountaincartstrecke – und damit ein unbegleiteter Betrieb – ist am Fulseck nicht möglich; die Güterwege sind schwachen Skifahrern vorbehalten. „Das Abfahren auf der Piste ist zudem ein USP mit großem Spaßfaktor“, betont Naturner.

Matthias Egger

Vorstand BB Dorfgastein

Morgenskilauf rechnete sich nicht

Auslöser für den Winterbetrieb der Mountaincarts war das mäßig laufende „Early Morning Ski“ so Egger:

„Wie auf den anderen Gasteiner Bergen konnten Gäste auch bei uns vor dem offiziellen Betriebsstart Ski fahren und dann ein Frühstück genießen. Der Zuspruch war jedoch zu gering, um das kostenintensive frühe Aufsperren zu rechtfertigen.“

Deshalb kam zur Saison 2024/2025 die Idee auf, stattdessen Mountaincart-Fahrten anzubieten. „Wir testeten das Angebot im Dezember ohne Risiko – mit Freunden und Vereinen. Rasch erkannten wir, welche Bereifung, Steigungen und Schneeverhältnisse für einen sicheren Fahrspaß notwendig sind“, schildert Naturner.

Zum Jahreswechsel war der Start mit 14 Personen einmal pro Woche vorgesehen. „Die Nachfrage hat uns jedoch überrollt, sodass wir teilweise täglich die Mountaincarts anboten. Insgesamt fuhren wir im Winter 2024/2025 über 50 mal mit insgesamt 500 Personen“, freut sich Egger.

Exklusives Angebot:

Bis zu 30 Gäste befahren in der Gruppe die Pisten am Fulseck mit den Mountaincarts – ein echter USP für Dorfgastein.

Social-Media-Hype und Tourismuspreis

Daher wird die Mountaincart-Tour ab diesen Winter mindestens vier bis fünfmal pro Woche für bis zu 30 Personen offeriert.

„Wir haben in Dorfgastein nur 1.800 Gästebetten. Durch die Carts möchten wir Vereine, Gruppen und Einzelpersonen zu uns zu lenken, die nicht (nur) Skifahren wollen. Oder, die wir mit den Mountaincarts zu uns locken und die dann erkennen, dass sie bei uns auch gut Skifahren können“, sagt Naturner.

Eine weitere Folge der „Early Winter Mountaincarts“ ist die enorme Aufmerksamkeit in den sozialen Medien. Videoclips über das Angebot erreichen über 20 Millionen Views.

Und auch die Gäste filmen mit Helmkameras gerne die Social-Media-tauglichen Fahrten. Zudem erhielt die Dorfgasteiner Bergbahnen AG den ersten Platz des Zipfer Tourismus Preises im Land Salzburg.

Drift auf Schnee:

Im Winter gilt bei Mountaincarts: „Wer bremst, gewinnt!“

Überschaubare Investition

Grundlage für den Erfolg der Mountaincarts im Winter ist das Geschäft im Sommer. Gestartet haben die Bergbahnen 2024 mit zunächst 15 Fahrzeugen, für den Winter ist mittlerweile eine schrittweise Aufstockung auf derzeit 33 Mountaincarts erfolgt.

„Wir haben aus zwei Gründen mit den Mountaincarts begonnen: Weil sie eine überschaubare Investition mit geringem Risiko darstellten und weil wir ein Angebot schaffen wollten, welches nicht in Konkurrenz mit den anderen Erlebnisbergen des Tales tritt. Mit den Mountaincarts bieten wir als zertifizierter Sommer-Familienberg einen sicheren Aktionspaß für alle Altersgruppen“, berichtet Franz Naturner.

Morgenstund' hat Schnee im Mund:

Mountaincarts benötigen eine kompakte Pistenstruktur, weshalb auch ein Abendbetrieb auf weichen Schnee für die Bergbahnen nicht sinnvoll erscheint.

Boomendes Sommergeschäft

Die Strecke im Sommer führt direkt von der Bergstation hinab über 4,8 Kilometer lange Güterwege und über mehr als 550 Höhenmeter mit zahlreichen Kurven zur Mittelstation der Gipfelbahn Fulseck.

Im Sommer sind an den Kabinen Vorrichtungen montiert, um die Mountaincarts wieder nach oben zu transportieren.

„Bereits im Premierensommer 2024 erzielten wir mit 15 Fahrzeugen 9.000 Gästeabfahrten, also rund 600 Abfahrten je Mountaincart“, freut sich Egger.

Das machte sich auch in einer entsprechenden Steigerung der Erstzutritte am Erlebnisberg Fulseck bemerkbar. Von Vorteilen in Positionierung und Angebotsqualität ganz zu schweigen.

Gewinnbringende Tests:

Rasch erkannten die Bergbahnen Dorfgastein, welche Bereifung, Steigungen und Schneeverhältnisse für einen sicheren Fahrspaß notwendig sind.

Ausblick: Eigene Mountaincartstrecke

Die Sommersaison 2025 konnte das Niveau von 2024 halten, obwohl sie durch den Steuerungstausch an der Gipfelbahn Fulseck verkürzt war.

„Deshalb planen wir spätestens 2027 eine eigene Mountaincartstrecke zu errichten – auch um mögliche Konflikte mit Wanderern und Bikern im Vorfeld auszuschließen“ berichtet Egger.

Denn ob Sommer oder Winter – das Mountaincart birgt noch viel Potential, davon ist auch Naturner überzeugt: „Es ist gut investiertes Geld, es erreicht alle Zielgruppen und es ist durch seinen tiefen Schwerpunkt, seine stabile Dreipunktauflage und hocheffizienten Bremsen sehr sicher.“

Womit wir wieder bei Ute wären – der ältesten Fahrerin der „Early Winter Mountaincarts“.