Impulsgeber für die E-Mobilität am Berg

Mit der Initiative MyMountain Nature sind die Oberstdorf · Kleinwalsertal Bergbahnen Vorreiter für einen nachhaltigen Betrieb und wollen neue Wege gehen. Viel Potential hat für sie zukünftig die E-Mobilität am Berg. Die Vorstände Henrik Volpert und Johannes Krieg dazu im SI Interview.

Die Oberstdorf · Kleinwalsertal Bergbahnen engagieren sich seit Jahren mit ihrer MyMountain Nature Initiative für einen ökologisch nachhaltigen Betrieb. Im Rahmen der 2025 gegründeten Global Sustainability Ski Alliance (GSSA) – bestehend aus acht Skigebieten, die nachhaltiger wirtschaften wollen – hat das deutsch-österreichische Skigebiet seine Anstrengungen zur Elektrifizierung verstärkt, wie die beiden Vorstände Henrik Volpert und Johannes Krieg im SI Interview berichten.

SI Magazin: Warum setzen Sie auf E-Mobilität?

Volpert: Wir Bergbahnen sind doch seit jeher Pioniere einer nachhaltigen Elektromobilität. Da ist die Elektrifizierung des Fuhrparks der nächste logische Schritt. Verglichen mit anderen Branchen steckt aber die Alpintechnik – sprich vollelektrische Pistenraupen, Skidoos und Co. – noch in den Kinderschuhen.

Wir wollen das Thema aktiv pushen und als Partner der Industrie früh Erfahrungen sammeln und die Technik im betrieblichen Alltag in den Schnee bringen. Denn am Ende versprechen wir uns davon harte wirtschaftliche und betriebliche Vorteile.

Henrik Volpert

Vorstand der Oberstdorf · Kleinwalsertal Bergbahnen

Welche konkreten Schritte haben Sie gesetzt?

Krieg: Nach unserer 100-Prozent-Ökostrom-Initiative mit PV-Anlagen und Wasserkraftwerken sowie der Einführung von Diesel HVO bei unseren 38 konventionellen Pistenraupen, suchen wir nun aktiv nach vollelektrischen Lösungen für unseren gesamten Fuhrpark.

Hier sind andere Branchen schon deutlich weiter. Nach ersten erfolgreichen Versuchen im Winter 2024/25 haben wir jetzt erstmals drei vollelektrische Skidoos sowie drei Pistenraupen und Schneefräsen angeschafft, die im Regelbetrieb laufen.

Die Skidoos mussten wir dazu aus Nordamerika importieren, weil es hier kein vergleichbares Angebot gab. Bei den Pistenfahrzeugen haben wir dank der engen Zusammenarbeit mit TECHNOALPIN die Xelom Snow Cats im Einsatz.

Johannes Krieg

Vorstand der Oberstdorf · Kleinwalsertal Bergbahnen

Welche Erfahrungen haben Sie mit den E-Fahrzeugen gemacht?

Volpert: Betrieblich spricht natürlich eine Menge für den E-Antrieb: Das Drehmoment bzw. die schiere Schubleistung der vollelektrischen Fahrzeuge ist den Verbrenner-Modellen deutlich überlegen.

Zudem sind elektrische Fahrzeuge verschleißärmer und weniger wartungsintensiv, was nicht nur günstiger ist, sondern auch die Verfügbarkeit erhöht. Und vor allem sind sie leiser und emissionsfrei, was bei uns im Talskigebiet ein echter Vorteil ist.

Gleichzeitig steht aber die Entwicklung der Fahrzeuge noch am Anfang. So ist bei den Pistenraupen die Einsatzbreite beschränkt und es steht z. B. noch keine Seilwinde zur Verfügung.

Als Early Adopter nehmen wir die Herausforderungen aber bewusst an. Dabei freue ich mich sehr, dass unsere Teams am Berg so engagiert und experimentierfreudig sind. Auch, wenn es manchmal echt Nerven kostet (lacht)

Exoten am Berg?

Die vollelektrischen Skidoos importierten die OK-Bergbahnen aus Nordamerika, da sie in Europa nicht fündig wurden.

Wie sieht es mit der Reichweite aus?

Krieg: Mit der operativen Reichweite von fünf bis sechs Stunden haben wir kein Problem, die Fahrzeuge laden in der Pause der Fahrer an 300 kW-Superchargern wieder vollständig auf.

Durch Beschneiungs- und Seilbahnanlagen haben wir ja überall am Berg Trafostationen, sodass dort die Lade-Infrastruktur leicht umsetzbar ist. Gerade unsere E-Skidoos können flexibel an jeder Liftstation geladen werden.

Wir sind uns aber bewusst, dass bei der Reichweite noch Potenzial vorhanden ist. Hier werden wir in den nächsten Jahren große Leistungssprünge sehen. Die Kälte ist bis dato – ganz anders als man es vom E-Auto kennt – kein Problem.

Wir glauben fest an die batterieelektrische Lösung. Ein Blick über den Tellerrand und vor allem nach Asien zeigt, dass das Rennen um die richtige Technologie schon lange entschieden ist.

Power-Pause

Dank Supercharger können die Batterien der Fahrzeuge mit bis zu 300 kW in der Arbeitspause geladen werden.

Welche strategischen Vorteile sehen Sie in der E-Mobilität?

Volpert: Nehmen wir den Pistenraupen-Fuhrpark: Konventionelle Pistenraupen sind außerhalb der Wintersaison totes Kapital. Elektrische Fahrzeuge mit ihren 300+ kWh-Akkus lassen sich dagegen das ganze Jahr als Batteriespeicher nutzen, quasi Grid am Berg.

Die Anwendungsmöglichkeiten scheinen künftig schier unendlich: Als Energieversorger für die Wartung der Schneeerzeuger, als Stromspeicher, um Preisspitzen am Energiemarkt zu umgehen, als Zwischenpuffer für das Wasserkraftwerk oder als Notstromvorsorge, um keine Dieselaggregate vorhalten zu müssen.

Theoretisch könnten wir z. B. mit fünf Pistenraupen als Energiespeicher das Nebelhorn im Sommer fast einen ganzen Tag lang autark betreiben. Zudem entfällt die gesamte Kraftstoff-Logistik am Berg. Vom ökologischen Vorteil ganz zu schweigen.

Angebot je nach Modell:

Bei regulären PKWs haben die OK Bergbahnen teilweise bereits auf E-Antriebe gewechselt, bei Pick-ups sind sie noch auf der Suche.

Wie fügt sich die E-Mobilitätsoffensive in die GSSA ein?

Krieg: In der GSSA arbeiten wir in Working Groups an den verschiedenen Themen. Rund um die E-Mobilität kümmern sich vor allem der Kronplatz (Südtirol), SkiStar (Schweden, Norwegen) und wir. Zudem sind wir im engen Austausch mit Compagnie des Alpes (Frankreich).

Wichtig ist, dass wir markenunabhängig vorgehen und es jedem Hersteller ermöglichen wollen, mit uns seine Fahrzeuge zu testen und die Themen voranzubringen.

Wir wollen die Zulieferindustrie dazu bringen, die Bandbreite und Qualität ihrer E-Fahrzeuge zu erhöhen, und haben großes Interesse an einem gesunden Wettbewerb. Die nicht involvierten Branchenkollegen erwarten von uns, dass wir hier als Early Adopter vorangehen und Impulse setzen.

Alles schon vorhanden:

Durch das Stromnetz der Beschneiung ist der Aufbau einer Ladeinfratsruktur für E-Fahrzeuge kein Problem.

Welche weiteren Schritte werden Sie daher setzen?

Krieg: Bei Traktoren und anderen Spezialfahrzeugen sind ausgereifte vollelektrische Modelle bereits vorhanden, hier werden wir bald Anschaffungen tätigen.

Bei z. B. Pick-ups für unsere Wartungs- und Arbeitsteams sind wir noch auf der Suche nach passenden europäischen Lieferanten, denn die kurzen Fahrten bergauf und bergab wären prädestiniert für den elektrischen Antrieb.

Unterm Strich wird es aber sicherlich noch einige Zeit dauern, bis für alle Fahrzeugarten ausreichend und vollwertige elektrische Fahrzeugalternativen zur Verfügung stehen. Denn natürlich sind die technische Verfügbarkeit und die Qualität der Fahrzeuge beim harten Einsatz am Berg weiterhin das dominante Entscheidungskriterium.

Early Adopter:

Die Fahrer und Teamleiter gehen als Pioniere voran, um die zum Teil völlig neuen Fahrzeuge zu testen sowie an ihre Grenzen zu bringen.

Wie wird die E-Mobilität von Mitarbeitern und Gästen gesehen?

Volpert: Wir sind unseren Fahrern und Teamleitern sehr dankbar dafür, dass sie hier als Pioniere vorangehen, offen sind und die zum Teil völlig neuen Fahrzeuge testen sowie an ihre Grenzen bringen.

Schließlich sind wir durch die Herausforderungen am Berg von Natur aus eher eine sehr skeptische Branche. Gäste und Medien holen wir mit transparenter Kommunikation ab.

Die Resonanz zu weniger Lärm und Abgasen ist sehr positiv und auch der Laie erkennt die Vorteile des E-Antriebs am Berg. Der Tenor lautet: Wo, wenn nicht am Berg, macht E-Mobilität Sinn!