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Bonn: Aktuelle Kosten und neuer Zeitplan für die Seilbahn
In Bonn haben Stadt und Stadtwerke zusammen mit dem Programmsteuerer Drees & Sommer die Trasse für die neue Seilbahn fast fertig geplant. Auch der Nutzen-Kosten-Index und der Zeitplan wurden aktualisiert.
Ab 2032 soll die Seilbahn als Teil des öffentlichen Nahverkehrs vom rechtsrheinischen Beuel über den Rhein direkt zum Universitätsklinikum auf dem Venusberg fahren.
Die Trasse und die Stationen
Die gesamte Seilbahnstrecke wird rund 3,8 Kilometer lang sein, fünf Stationen umfassen und auf insgesamt 22 Stützen aufsetzen. Gegenüber der bisherigen Planung wird die Seilbahn den Rhein einige Meter weiter südlich queren.
Dank vertiefter Planung und dem Austausch mit den Grundstückseigentümern sowie den Arbeitgebern entlang der Trasse konnten für alle Stationen und Stützenstandorte Lösungen gefunden und folgende Optimierungen erreicht werden:
- Station Schießbergweg: Die Haltestelle wird um rund 35 Meter nach Nordwesten verschoben. Dadurch wird sie näher am geplanten Haltepunkt der S-Bahn-Linie 13 angeordnet, was das Umsteigen vereinfacht, und kann die angrenzenden Bürogebäude niedriger überfahren; dies verringert die Kosten. Am Schießbergweg werden die der Kabinen der ersten Sektion in einer Garagierung untergebracht.
- Station Rheinaue: Durch eine Verschiebung der Station in südöstliche Richtung kann auf Stützen auf dem Gelände der DHL Group verzichtet werden. Die bestehende Verkehrsinfrastruktur wird erhalten.
- Station UN Campus: Mit einer Verschiebung des Haltepunktes in östliche Richtung konnte eine Optimierung der Seilbahntrasse, der Zu- und Abgangssituation des Personenverkehrs erreicht sowie die Aufrechthaltung der verkehrlichen Situation vor Ort beibehalten werden.
- Station Loki-Schmidt-Platz: Die Haltestelle bleibt an ihrem bisher vorgesehenen Standort.
- Station Universitätsklinikum (UKB): Der Haltepunkt auf dem Gelände des UKB wird auf den Bereich der nordöstlich gelegenen Parkplatzfläche verschoben. Dadurch können die Station auf Bodenniveau errichtet, die Schallimmissionen reduziert und weniger Klinikgebäude überflogen werden. Zudem ist Platz für eine Garagierung der Kabinen der zweiten Sektion, und die Busanbindung wird verbessert.
Die Trasse der Seilbahn

Gute Tendenz beim Nutzen-Kosten-Index
„Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist die Seilbahn ein sinnvolles Projekt. Aktuelle Berechnungen ergeben eine Nutzen-Kosten-Tendenz von 1,79 und liegen damit deutlich über 1,0, dem Schwellenwert für eine Förderung im Rahmen des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes (GVFG)“, erläutert Stadtbaurat Helmut Wiesner.
Investitionsvolumen
Die Gesamtinvestition wird aktuell auf rund 155 Millionen Euro netto geschätzt. Der größte Anteil entfällt insbesondere auf die Seilbahntechnik, Stationen, Garagierungen und Streckenausrüstung.
Zusätzlich sind Baunebenkosten für Planung, Projektsteuerung, Gutachten und Genehmigungsverfahren sowie ein angemessener Ansatz für Projektrisiken und Unvorhergesehenes berücksichtigt.
Weitere projektbegleitende Maßnahmen betreffen unter anderem Leitungsverlegungen, Arbeiten im Umfeld der Trasse sowie Umwelt- und Lärmschutzmaßnahmen.
Im Vergleich zu früheren Kostenschätzungen ist der Investitionsrahmen gestiegen, da die Pläne an den heutigen Stand der Technik angepasst worden sind. Eine Rolle spielen zudem zusätzliche Anforderungen an Bauwerke und Lärmschutz und es liegen konkretere geologische Erkenntnisse vor.
Der Haltepunkt auf dem Gelände des Universitätsklinikums wurde verschoben.
Dadurch kann die Station auf Bodenniveau errichtet werden.

Fördermittel
Der Großteil der Investition kann durch Fördermittel, vor allem auf Basis des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes, erbracht werden. Für die Bundesstadt Bonn verbleibt ein Eigenanteil von etwa 17,6 Millionen Euro.
Die jährlichen Aufwendungen für die Seilbahn werden sich auf etwa 5,2 Millionen Euro belaufen: Sie setzen sich aus Betriebs- und Wartungskosten von rund 3,9 Millionen Euro sowie dem Kapitaldienst für den Eigenanteil von etwa 1,3 Millionen Euro zusammen.
Darin sind keine gegenläufigen Effekte wie beispielsweise Erlöse aus Fahrtgeldeinnahmen berücksichtigt.
Die Stadt plant die Ausgaben für 2027/28 ein
Laut Oberbürgermeister Guido Déus werden die Kosten in die Haushaltsplanung 2027/28 eingeordnet.
„Trotz steigender Preise bleibt die Seilbahn, die breite Unterstützung im Stadtrat genießt, dank hoher Förderquoten attraktiv – allerdings unter dem Vorbehalt einer dauerhaft tragfähigen Finanzierung. Deshalb führen wir die Planungen konsequent zu Ende und entscheiden erst nach der Planfeststellung und auf Basis aller Fakten über die bauliche Umsetzung“, berichtete der Oberbürgermeister.
Am Fuße des Post Towers in der Rheinaue
soll eine von insgesamt fünf Haltepunkten der Seilbahn entstehen.

Die nächsten Projektphasen
Im Herbst 2026 soll es eine weitere Dialogveranstaltung für die Öffentlichkeit geben. Nähere Informationen wird die Stadtverwaltung zu gegebener Zeit veröffentlichen.
Zudem wird bis Ende 2026 die Vorplanung abgeschlossen und eine funktionale Ausschreibung erstellt, mit der bis Ende 2027 ein Totalunternehmer beauftragt werden kann.
Hierauf folgt ab Mitte 2028 das Planfeststellungsverfahren durch die Bezirksregierung Köln. In diesem Verfahren werden die Interessen von Anliegerinnen und Anliegern entlang der Trasse und von Trägern öffentlicher Belange unabhängig geprüft und abgewogen.
Und der Bau?
Nach positivem Abschluss des Planfeststellungsverfahrens kann der Bau der Seilbahn beginnen. Hierfür werden nach jetzigem Stand rund zwei Jahre und eine Inbetriebnahme der Seilbahn im Jahr 2032 eingeplant.
Trotz der Zuschüsse von öffentlicher Seite müssen die finanziellen Auswirkungen von Bau und Betrieb der Seilbahn geprüft werden. Dies geschieht im Projekt zur Aufgabenkritik und im Zuge der Aufstellung des Haushaltsplanentwurfes 2027/2028 sowie der mittelfristigen Finanzplanung.
Mit Blick auf die prekäre Haushaltssituation der Bundesstadt Bonn wird zu prüfen sein, ob die Seilbahn im Rahmen eines genehmigungsfähigen Haushalts umgesetzt werden kann. Dies wird auch anhand der Ergebnisse der Neuaufstellung des Nahverkehrsplans zu beurteilen sein.
Bonn könnte die erste Stadt in Deutschland werden,
in der eine urbane Seilbahn in das öffentliche Nahverkehrsnetz integriert ist und mit einem regulären Ticket genutzt werden kann.

Innovationsprojekt
Die Bonner Seilbahn zählt zu den Pionierprojekten, da sie zu den ersten in Deutschland gehören wird, die eine vollständige Integration in den öffentlichen Personennahverkehr realisieren, betont SWB-Konzerngeschäftsführerin Anja Wenmakers.
„Die Seilbahn soll kein Tourismus-Gadget sein, sondern ein hochfrequentes Verkehrsmittel. Zum modernen Seilbahn-Fuhrpark gehören 95 barrierefreie Kabinen, die im 20 bis 40-Sekundentakt abheben, und auch Fahrräder, Kinderwägen sowie Rollstühle befördern werden. Voraussetzung dafür ist, dass sowohl der Bau als auch der Betrieb finanzierbar sind“, so Anja Wenmakers.
Die Seilbahn soll nach ihrer Inbetriebnahme bis zu 15.000 Fahrgäste pro Tag transportieren. Diese Prognose setzt sich aus 9.150 zusätzlich generierten Fahrten – zum Beispiel durch Umstieg vom Auto – sowie 6.000 Fahrten von ÖPNV-Bestandskunden zusammen.
Durch diese Verlagerung können Buslinien ausgedünnt bzw. verkürzt werden. Konkrete Untersuchungen zum möglichen Verzicht von Buslinien hinauf zum Venusberg werden bei der Neuaufstellung des Nahverkehrsplans folgen. Damit können dann Einsparpotenziale genauer beziffert werden.