Polen: Urbane Kompaktseilbahn revisiert

Mit mehr als 500.000 Fahrten in zwölf Jahren – also rund 114 Fahrten täglich – ist die Anlage im polnischen Breslau die höchstbelastete Kompaktseilbahn von INAUEN-SCHÄTTI. Der Hersteller durfte nun auch die sechs- und zwölfjährigen Revisionen durchführen. Ein Fakt erstaunt dabei.

Brücke oder Tunnel – das sind meist die einzigen Optionen, die beim Queren eines Flusses zur Debatte stehen. Nicht so im polnischen Breslau: Dort hat sich die Technische Universität für eine Kompaktseilbahn entschieden.

Seit 2013 verbindet die „Polinka“ den neuen Campus westlich des Flusses Oder mit dem „alten“ Universitätsgelände am Ostufer.

Höchstbelastete Kompaktseilbahn

Von den 32.000 Studenten und 4.200 Beschäftigten nutzen bis zu 2.100 täglich die Polinka, hinzu kommen rund 900 Touristen und Einwohner, welche die Fahrt in der Kompaktseilbahn des Seilbahnbauers INAUEN-SCHÄTTI in Anspruch nehmen.

Zwei 15er-Kabinen pendeln auf jeweils einem eigenen Seil zwischen den beiden Stationen, die Kompaktseilbahn besitzt eine Förderleistung von 360 Personen pro Stunde und überwindet eine Länge von 373 Metern in nur zwei Minuten.

So kamen in zwölf Jahren rund 500.000 Fahrten zusammen – das entspricht rechnerisch 114 Fahrten pro Tag.

„Die Polinka ist die höchstbelastete Kompaktseilbahn aus unserem Hause, entsprechend spannend war für uns der Revisionsauftrag 2025“, berichtet Johann Schiesser, Technischer Sachbearbeiter Service & Unterhalt Seilbahnen bei INAUEN-SCHÄTTI.

Das Schweizer Unternehmen hat sich darauf spezialisiert, sämtliche Lebensphasen von (Kompakt-)Seilbahnen abzudecken – von der Planung über Konstruktion und Bau bis zu Wartung, Service, Revision und gegebenenfalls Abbruch.

Sehr guter Allgemeinzustand

Ob der hohen Beanspruchung der Bahn war Schiesser von dem guten Allgemeinzustand beeindruckt: „Die Wartung wird seit dem Neubau durch DOPPELMAYR Polen übernommen, die Anlage war trotz der hohen Belastung sehr sauber und gepflegt und der Verschleiß hielt sich in Grenzen.“

Trotzdem waren natürlich die gängigen sechs- und zwölfjährigen Revisionen zu erledigen – und dafür wurde die INAUEN-SCHÄTTI AG als Kompaktseilbahnexpertin engagiert.

Johann Schiesser übernahm die Planung sowie Projektierung von der Schweiz aus: Er organisierte die Ersatzteillogistik, den Werkzeugtransport (etwa Seilwinde und Seilhaspel) sowie die Zollformalitäten.

Vor Ort leitete ein Servicemonteur als Supervisor einen Monat lang die Arbeiten. Unterstützt wurde er zwei Wochen lang von zwei Seilzugspezialisten.

Zu jeder Zeit halfen Mitarbeiter von DOPPELMAYR Polen und dem Anlagenbetreiber mit.

Der Seilbahnbetreiber, DOPPELMAYR Polen und INAUEN-SCHÄTTI arbeiteten Hand in Hand, um die Großrevision zu bewältigen.

Umfangreiche Revisionsarbeiten

Im ersten Schritt wurden die Laufwerke demontiert und in Einzelteile zerlegt. „Erfreulicherweise fanden wir ein polnisches Unternehmen, das die Teile für uns sandgestrahlt, magnetinduktiv geprüft und neu lackiert hat“, betont Schiesser.

Währenddessen revidierte das Team die Seilsättel auf den Stützen sowie die Seilscheiben in den Stationen und prüfte die Teile magnetinduktiv. Hierbei wurde ein polnischer Sachverständiger hinzugezogen.

Auch die Einlageschnüre der Seilscheiben wurden getauscht. Daraufhin wurden die Laufwerke wieder zusammengebaut.

Seilarbeiten inklusive

„Im Rahmen der Großrevision haben wir zudem die Tragseile geschoben und das Zugseil gewechselt. Letzteres war durch den starken Gebrauch am Ende seiner Lebensdauer angelangt“, sagt Schiesser.

Das neue 20-Millimeter-Zugseil spleißte ein Experte des Herstellers FATZER zusammen mit dem ganzen Team. Abschließend wurden die komplett überholten Kabinen montiert.

Deadline zum Semesterstart

„Trotz der umfangreichen Maßnahmen konnten wir zusammen mit allen Mithelfern die Revision innerhalb von vier Wochen abschließen – und hatten sogar noch Puffer“, berichtet Schiesser.

Die Deadline war mit Semesterstart der Universität vorgegeben, denn ohne Seilbahn müssten die Studenten und Mitarbeiter zu Fuß einen zwanzigminütigen Umweg über eine Brücke in Kauf nehmen, was den Lehr- und Forschungsbetrieb stören würde.

„Hier half uns das System der Kompaktseilbahn. Durch die kompakte Bauweise blieb auch der Wartungsaufwand kompakt“, freut sich Schiesser. Und mit der Großrevision ist INAUEN-SCHÄTTI einmal mehr eine wichtige Erfahrung reicher.

Technische Daten:

15-ATW Polinka Breslau

Höhe Antriebsstation: 119,00 m
Höhe Gegenstation: 119,70 m
Höhenunterschied: 0,70 m
Schräge Länge: 373,19 m
Stützen: 2
Kabinen: 2
Nutzlast Kabinen: 15 P/ 1.200 kg
Max. Fahrgeschwind.: 5 m/s
Fahrtzeit: 1,95 min
Förderleistung: 366 P/h
Investitionssumme 2013: 3 Mio. Euro