Stimmvolk lehnt Kredit für Seilbahn ab

Keine neue Seilbahn für Chur: Die Stimmberechtigten haben dem 40,6-Millionen-Projekt für den Hausberg Brambrüesch eine Absage erteilt. Damit kippte die Stimmung im Vergleich zu 2017 deutlich; damals war ein günstigerer Kredit über 24,4 Millionen Franken noch befürwortet worden.

Das Projekt für eine neue durchgehende 10er-Gondelbahn auf den Churer Hausberg Brambrüesch ist vorerst gescheitert. Trotz der Empfehlung von Stadt- und Gemeinderat lehnte die Stimmbevölkerung den Kredit mit 53,8 % Nein-Stimmen ab, bei einer hohen Beteiligung von 57,19 %. Das berichten die Medien Blick und SRF.

Hauptgrund für das Scheitern dürften die massiv gestiegenen Kosten sein: Teuerung, detailliertere Planungen und zusätzliche Areal-Kosten hatten das Budget im Vergleich zur ursprünglichen Vorlage stark belastet.

Die Stimmberechtigten hatten 2019 einen Kredit von etwas mehr als 24 Millionen Franken genehmigt – mit einem Unsicherheitsfaktor bei den Kosten von rund 25 Prozent. Im Laufe der Planung stiegen die Kosten jedoch auf rund 40 Millionen Franken an.

Die Stadt ließ deshalb ein zweites Mal abstimmen – und scheiterte nun. Dabei ist die Bahn auf das Geld der Stadt Chur angewiesen. Der Stadtrat nahm das Ergebnis „zur Kenntnis“, bleibt jedoch dabei, dass die geplante Direktverbindung die zukunftssicherste Lösung gewesen wäre.

Unten sieht es gut aus:

Die ersten 600 Höhenmeter bis zur Mittelstation bewältigt eine moderne Pendelbahn.

Die Folgen

Das Scheitern der Abstimmung zwingt die Verantwortlichen zurück zum Status quo: einer zweigeteilten und technisch überholten Anbindung an Brambrüesch. Während die moderne erste Sektion zuverlässig läuft, bleibt das Teilstück ab der Mittelstation ein Unsicherheitsfaktor.

Der obere Teil, die Verbindung Känzeli-Brambrüesch, ist seit 26 Jahren in Betrieb. Zuvor beförderte sie in Flims 30 Jahre lang Skifahrerinnen und Skifahrer. Die Bahn sei am Ende ihrer Lebensdauer angekommen, so die Betreiber. Ersatzteile für die alte 4er-Gondelbahn zu finden, sei praktisch ein Ding der Unmöglichkeit.

„Wir haben sieben Jahre verloren“, zitiert der SRF Peter Engler, Verwaltungsrat der Bergbahnen Chur-Dreibündenstein AG, nach der Abstimmungsniederlage.

Nun müssten Alternativen her. Die Planung beginnt praktisch wieder bei null. Engler spricht von einer „Herkulesaufgabe“. Zeitlich und finanziell. Ein Ersatzbau benötige sicher „vier bis fünf Jahre“.

Im Fokus steht der Ersatz der oberen Bahn. Zwar wurde dieses Szenario vor Jahren schon mal diskutiert, dann aber zugunsten einer neuen Direktverbindung vom Tal auf den Berg verworfen.

Die Priorität liegt nun beim Erhalt der Betriebsbewilligung durch Bundesbehörden. Die Stadt räumte jedoch ein, dass bei einem technischen Defekt der zweiten Sektion die gesamte Erschließungsstrategie neu überdacht werden müsste.