
Management & Tourismus, SI 4/2026, SI-Alpin
Fusionen im Tourismus: Der Schlüssel zu mehr Sichtbarkeit?
Die Fusion: Synergien optimal nutzen
SI Magazin: Herr Brandlehner, warum wurden sechs Verbände zusammengelegt?
Stefan Brandlehner: Es ist generell ein Trend in Tourismusorganisationen, sich größer aufzustellen und damit schlagkräftiger zu werden. Bei uns lag es auf der Hand: Es waren zuvor sechs Organisationen, die alle bereits unter der Marke Salzkammergut firmiert haben und sich unter diesem Dach wohlfühlen.
Welche organisatorischen Vorteile bringt die Zusammenführung?
Die einfachste Erklärung ist: Wir haben nicht mehr sechs Bilanzen und Lohnverrechnungen, sondern nur noch eine. Das bringt finanzielle Einsparungen, die wir dann besser für die Aufgaben einsetzen können, für die wir auch wirklich da sind.

Stefan Brandlehner
Geschäftsführer des TVB Salzkammergut
Was bringt das dem Tourismus?
Wir können uns intern viel besser abstimmen und entwickeln uns nicht mehr parallel in verschiedene Richtungen. Wir können beispielsweise unsere Kompetenz im Bereich Biken über die gesamte Destination ausbauen und vom Know-how einzelner Regionen gegenseitig profitieren.
Auch bei Veranstaltungen können wir darauf achten, dass wir uns nicht konkurrenzieren, sondern gegenseitig befruchten. Zudem können wir die Bekanntheit einzelner Highlights – ich nenne als Beispiel den Wolfgangseer Advent – nutzen, um auch anderen Orten im Advent eine größere Bühne zu verschaffen.
Sie haben schon in Kärnten Erfahrungen mit Fusionen gesammelt. Wie profitieren die Regionen Millstätter See und Bad Kleinkirchheim davon?
Bad Kleinkirchheim und der Millstätter See sind nur 15 Autominuten voneinander entfernt. Dennoch hat früher ein Seehotel im Sommer nie auf den nahen Bergort hingewiesen, und umgekehrt wurde am Berg nicht kommuniziert, dass ein See vor der Haustür liegt.
Durch die Fusion hat man gemerkt: Hoppala, da gibt es ja Synergien! Die einen können im Sommer, die anderen im Winter profitieren. Ein besonders erfolgreiches Projekt war „Nockbike“.
Das Mountainbike-Wegenetz in Bad Kleinkirchheim war schon vorher sehr gut, aber durch die Kooperation ist die gesamte Region unter dieser Marke aufgetreten.
Das bringt eine Fusion: Sie verschiebt Grenzen und löst imaginäre Barrieren auf.
Zukunftsvisionen: Saison verlängern, Gäste gewinnen
Welche Ziele haben Sie für das Salzkammergut gesetzt?
Mittelfristig wollen wir die Saisonzeiten ausdehnen – früher im Frühling starten und im Herbst länger fahren, um die schwächeren Monate zu beleben. Das wird stark mit Themen wie Kunst, Kultur, Wellness, Gesundheit und Longevity zu tun haben.
Zudem müssen wir unsere Ausflugsziele flexibler bespielen und uns mehr dem Wetter als dem Kalender anpassen – etwa bei der Frage, wann der Herbst endet und der Winter beginnt.
Hier arbeiten wir sehr eng mit Partnern wie den Bergbahnen zusammen. Langfristig ist es das klare Ziel, die ohnehin schon starke Marke Salzkammergut noch weiter aufzuladen und mit mehr Inhalten noch prominenter in die Auslage zu stellen.
Erwarten uns neue Projekte mit den Seilbahnen oder Skigebieten?
Was uns vom Markt unterscheidet: Wir haben gar keinen so stark ausgeprägten Winterfokus. Viele unserer Seilbahnen denken bereits intensiv an den Sommer oder verzeichnen in der warmen Jahreszeit sogar eine höhere Frequenz als im Winter.
Ein großes Highlight gibt es dennoch: In unserem Skigebiet Dachstein West im Salzkammergut werden wir im Dezember erstmals einen Damen-Ski-Weltcup veranstalten. Das ist sehr wichtig, um zu zeigen, dass wir trotz des starken Sommerfokus auch eine enorme Winterkompetenz besitzen.
Genau diese Botschaft wollen wir mit dem Weltcuprennen transportieren.

Sie haben das Workation-Projekt in Kärnten eingeführt. Inwieweit möchten Sie eine solche Initiative auch im Salzkammergut entwickeln?
Es gibt immer mehr Menschen, die von überall aus arbeiten können, und dieses Mindset verankert sich zunehmend in den Unternehmen. Wenn Unterkünfte diese Möglichkeit unkompliziert bieten, können sie punkten.
Das Salzkammergut wäre prädestiniert dafür. Wenn wir weit zurückdenken: Schon die Kaiserfamilie und viele Künstler kamen zur klassischen „Sommerfrische“ hierher. Früher reiste man nicht für drei Tage an, sondern für drei Monate.
Workation ist ganz ähnlich: Man könnte wieder längere Aufenthalte im Salzkammergut mit Arbeit und Urlaub verbinden. Das kann ich mir gut vorstellen. Es steht aber aktuell noch nicht ganz oben auf der Agenda, da wir zunächst andere Prioritäten abarbeiten müssen.
Authentische Veranstaltungen
zählen zu den wichtigsten Schwerpunkten im Marketing des Salzkammerguts.

Marketing der Zukunft: Authentizität und KI
Sie übernahmen als Geschäftsführer die Bereiche Marketing, Produktentwicklung und Strategie. Was wünschen sich die Gäste aktuell?
Authentische Erlebnisse. Wir haben zwar auch Gäste, etwa aus dem asiatischen Raum, die Europa in wenigen Tagen bereisen und hier nur für die absoluten Hotspots Zeit haben. Wir freuen uns über sie, aber unser Ziel ist es, Gäste für einen längerfristigen Aufenthalt zu begeistern.
Sie sollen das Salzkammergut in all seinen Facetten erleben können. Der Trend geht ganz klar zu echten Urlaubserlebnissen und weg von einer verkitschten, verkünstelten Welt. Das ist auch für die einheimische Bevölkerung extrem wichtig.
Was genau verstehen Sie unter authentischen Erlebnissen?
Das sind Brauchtumsveranstaltungen, die wirklich gelebt werden. Also keine Shows, für die man Darsteller engagiert und die ausschließlich für Touristen inszeniert werden, sondern Traditionen, die ohnehin für die Einheimischen stattfinden.
Ein gutes Beispiel ist das Maibaumaufstellen am 1. Mai. Wir haben über das ganze Jahr verteilt viele solcher Traditionen. Wenn wir diese so unterstützen, dass das Brauchtum gepflegt wird und weiterleben kann, dann zahlt das in beide Richtungen ein.
Welche internationalen Märkte stehen für Sie künftig im Fokus?
Großes Potenzial sehen wir in den CEE-Märkten (Central and Eastern Europe). Tschechien und Polen sind bereits starke Märkte für uns, bei denen wir auch aufgrund der geografischen Nähe noch mehr Gäste gewinnen können.
Ein weiterer Fokus liegt auf Übersee, insbesondere auf dem amerikanischen Markt. Aufgrund unserer Kulturkompetenz, der Nähe zur Stadt Salzburg und der Historie rund um „The Sound of Music“ wissen wir, dass wir dort mit unseren Hotspots enormes Potenzial haben.
Wie werden Sie den Fokus der Gäste von Hallstatt auf andere Regionen erweitern?
Durch die Fusionierung ist es in der Kommunikation deutlich leichter geworden, darauf hinzuweisen, welche anderen Orte ebenso einen Besuch wert sind. Wir werden in der Vermarktung künftig gezielt auch diese Orte in die Auslage stellen und uns nicht immer nur auf diesen einen Hotspot konzentrieren.
Mit einem KI-generierten Video
im Stil von Gustav Klimt macht das Salzkammergut Lust auf einen Besuch der Region.

Welche wichtigen Trends sehen Sie in der Bewerbung von Tourismusdestinationen?
Alles wird schnelllebiger, das Online-Marketing nimmt weiter zu, und Künstliche Intelligenz hilft uns extrem. Wir müssen kaum noch selbst Fotos machen, können Videos künstlich generieren lassen und dank KI plötzlich in allen Sprachen kommunizieren.
Ein aktuelles Beispiel: Wir haben ein KI-generiertes Video laufen, das im Klimt-Stil erscheint. Gustav Klimt ist quasi ein Synonym für das Salzkammergut, weil er hier oft auf Sommerfrische war und gemalt hat.
Wir haben unsere Landschaftsaufnahmen durch die KI so aussehen lassen, als hätte Klimt sie in seinem weltberühmten, goldenen Stil gemalt.
Wenn wir das auf einem Megascreen abspielen, überrascht es die Menschen. Man betrachtet das Video fasziniert und bekommt erst am Ende die Auflösung: Aha, Salzkammergut.
Der Erfolg gibt uns recht: Diese Kampagne funktioniert hervorragend. Ich bin überzeugt, dass wir dank KI in der Kommunikation künftig noch häufiger Dinge umsetzen können, die vorher schlichtweg unmöglich waren.
Interview: Ekaterina Zakharova

