
Planen & Bauen, SI 4/2026, SI-Alpin
Salzmann: 13 Kilometer lange 3S-Bahn geplant
Kedarnath im indischen Bundesstaat Uttarakhand ist einer der wichtigsten hinduistischen Wallfahrtsorte des ganzen Subkontinents – zum Tempel auf 3.500 Metern Seehöhe pilgern täglich bis zu 40.000 Menschen.
Die rund 15 Kilometer lange letzte Teilstrecke vom knapp 2.000 Meter hoch gelegenen Ort Gaurikund nach Kedarnath ist bisher jedoch nur mittels eines Helikopter-Services, auf dem Rücken von Maultieren oder zu Fuß zu bewältigen.
Körperlich eingeschränkte Personen werden sogar mittels Sänfte oder Korbträger nach oben gebracht. Alles in allem dauert ein Besuch mehrere Tage.

400 Millionen Euro Budget
Um den Besuch des Tempels schneller, komfortabler und barrierefrei zu gestalten, hat die Regierung im Rahmen des Nationalen Seilbahnplans beschlossen in Kedarnath eine fast 13 Kilometer lange 3S-Bahn zu errichten – der dann längsten Seilbahn in ganz Indien.
Den Auftrag für Bau und 29 Jahre Betrieb hat der heimische Baukonzern Adani erhalten, der die Seilbahn als lukrative Investition versteht. Adani hat dazu die Bernard Gruppe als Geologie-Experten und die Salzmann Ingenieure als Seilbahnprofis an Bord geholt.
Die österreichischen Spezialisten fungieren als Proof-Check-Consultants – von der Ausschreibung über die Planung bis zur Realisierung, berichtet Geschäftsführer Stephan Salzmann:
„Wir vertreten den Bauherrn Adani gegenüber dem Seilbahnhersteller POMA – der die Ausschreibung gewonnen hat – und begleiten die seilbahntechnischen Planungen. Ziel ist die bestmögliche Umsetzung des Großprojekts!“
Mammutprojekt
Die geplante 3S-Bahn mit fast 13 Kilometern Länge in vier Sektionen.

Halbe Stunde statt halber Tag
Konkret soll eine 3S-Seilbahn in vier Teilstrecken entstehen – mit einer Förderleistung von bis zu 2.200 Personen pro Stunde und Richtung. Dabei werden in 32-Personen-Kabinen 13 Kilometer und 2.000 Höhenmeter in 36 Minuten überwunden – anstatt neun Stunden wandern zu müssen.
Tal- und Bergstation werden als größere Komplexe geplant, die zahlreiche Angebote für Pilger bereithalten; die beiden Zwischenstationen dienen dagegen technischen Zwecken.
Stützenstandorte sind rar
„Die geologische Situation fordert uns heraus: Es ist schwer, geeignete Standorte für Trasse und Stützen zu finden, da Hangrutsche durch den Monsunregen häufig sind und instabile Bodenverhältnisse vorherrschen“, erläutert Salzmann.
Die Folge sind große Spannweiten, die – neben der Windstabilität und der gewünschten Verfügbarkeit – den Ausschlag für die Dreiseiltechnik geben.


Um den Weg zum Tempel Kedarnath zu bewältigen, lassen sich Pilger bisher per Korb oder Sänfte auf den Berg tragen – und bald mit der Seilbahn?
Logistik wird Mammutaufgabe
Die zweite große Herausforderung wird die Baustellenlogistik sein. Das beginnt bei schlecht ausgebauten Straßen, setzt sich mit schwachen Brücken fort und endet damit, dass starke zivile Transporthubschrauber in Indien nicht verfügbar sind.
„Allein für den LKW-Transport bis zur Talstation werden wir wohl Spezialfahrzeuge aus Europa organisieren müssen, um die über 100-Tonnen schweren Seile bei jeder Brücke auf- und abwickeln zu können“, so Salzmann.
Materialseilbahn mit längerem Nutzen
Am Berg wird eine aufwendige Materialseilbahn nötig sein, die jedoch langfristig als Transportseilbahn für die Tempelstadt dienen könnte – über die Baustelle hinaus.
„Man muss verstehen: Alles, was bisher in der Tempelstadt errichtet wurde, wurde per Maulesel oder per Hand nach oben getragen“, betont Salzmann.
Zeithorizont
Generell wird viel Know-how aus Europa nötig sein, um die Seilbahn zu realisieren, ebenso viel Zeit: So fordert etwa eine Streckenbegehung mit An- und Abreise eine ganze Woche von jedem Beteiligten, schließt Salzmann:
„Dennoch bin ich zuversichtlich, dass 2027 mit dem Bau der Materialseilbahn begonnen werden kann. Insgesamt rechne ich mit einer Projektlaufzeit von sechs Jahren und einer Eröffnung 2031 oder 2032!“
Technische Daten:
Seilbahn Kedarnath
| System | 3S |
| Bahnlänge | 12,9 km |
| Teilstrecken | 4 |
| Höhe Talstation | 1.752 m |
| Höhe Bergstation | 3.513 m |
| Höhenunterschied | 1.761 m |
| Förderleistung Anfangsausbau | 1.800 P/h |
| Förderleistung Endausbau | 2.350 P/h |
| Fahrzeuggröße | 30 P |
| Anzahl Stützen | 15 |
| Hersteller | Poma |
| Projektkosten gesamt | ca. 400 Mio EUR |
| Konzessionär | Adani group |
| Seilbahntechnische Beratung | Salzmann |