In der französichen Grossstadt Toulouse fährt nun eine 3S-Seilbahn

Toulouse forciert mit der längsten Seilbahn Frankreichs eine leistungsstarke und nachhaltige Mobilität. Die südfranzösische Metropole betreibt seit Mai 2022 die erste urbane Dreiseilumlaufbahn (3S) Europas.

Die 500.000-Einwohner-Stadt im Süden Frankreichs setzt – wie bereits andere Metropolen wie New York, Mexiko-Stadt oder Barcelona – auf die Seilbahn als umweltfreundliches, effizientes und nachhaltiges öffentliches Verkehrsmittel.

Die Anlage namens „Téléo“ wurde dabei als besonders platzsparende Dreiseilumlaufbahn (3S-Bahn) umgesetzt und ist mit drei Kilometern nicht nur die längste urbane Seilbahn Frankreichs, sondern zugleich die längste urbane 3S-Bahn in Europa.

Die durchdachte Streckenführung schafft dabei eine leistungsstarke Verbindung hochfrequentierter Hotspots in der Stadt und fügt sich dank reduzierter Stützenanzahl harmonisch in die Umgebung ein. Verantwortlich für das Projekt ist der französische Seilbahnhersteller POMA.

Die Integration in das Verkehrsnetz

Im Spätsommer 2019 begannen in Toulouse die Bauarbeiten, im Mai 2022 wurde die Seilbahn eröffnet.

„Der Zeitrahmen für eine Anlage dieser Größe war sehr kurz, insbesondere, da wir laufend auf Kundenwünsche reagiert haben“, berichtet Philippe Laville, Projekt Manager bei POMA.

Ein Beispiel ist die Neupositionierung einer Station auf Wunsch der Anwohner. Generell ist die Anlage vollständig in das öffentliche Verkehrsnetz integriert und verbindet bei einer Fahrzeit von nur zehn Minuten gleich drei wichtige Verkehrsknotenpunkte in der Metropole im Südwesten Frankreichs:

das Hochschulinstitut für Krebsforschung „Oncopole“, das Krankenhaus „Rangueil“ und die „Universität Paul Sabatier“ mit ihren 30.000 Studierenden. Bisher dauert hier eine Autofahrt über 30 Minuten.

Die Seilbahn in Toulouse beginnt am Institut Oncopole überquert den Fluss Garonne und den Pech David Hill zum Krankenhaus Ranguell. Anschließend führt die Trasse hinab zur Universität Paul Sabatier.

Die Lage des künftigen Bahnhofs in unmittelbarer Nähe zur Universität schafft zudem eine einfache Anbindung an den Knotenpunkt zwischen U-Bahn und Bus und macht die neue Seilbahn damit auch zum Verkehrsmittel für Reisende.

Dementsprechend erwarten die Seilbahnbetreiber täglich bis zu 8.000 Fahrgäste. Für höchste Effizienz im städtischen Verkehr sorgt bei der „Téléo“ die intensive Taktung: Zu den Hauptverkehrszeiten startet alle 90 Sekunden eine Kabine und sorgt damit zwischen fünf und 24 Uhr für maximale Kapazität bei der mit drei Kilometern längsten Seilbahn Frankreichs.

Die Geschwindigkeit und Förderleistung der Seilbahn kann an das Passagieraufkommen angepasst werden (Stoßzeiten versus Randzeiten).

Der Effekt von drei Seilen

POMA setzt beim Projekt auf die bewährte Dreiseiltechnik mit zwei Tragseilen und einem Zugseil. Diese Technologie sorgt auch bei widrigem Wetter für maximale Stabilität und gewährleistet den zuverlässigen Betrieb selbst bei Windgeschwindigkeiten über 100 Kilometern pro Stunde.

Zudem ermöglicht die spezielle Bauweise eine besonders harmonische Einbettung in das Stadtbild und versiegelt nur wenige Flächen. Auf der gesamten Länge von drei Kilometern wurden nur fünf Stützen errichtet! Zugleich reduzieren sich die Lärmemissionen in deren unmittelbaren Umgebung auf ein Minimum.

„Ein großer Vorteil, da in Großstädten freier Grund oft rar und der Lärm groß ist“, betont Philippe Laville. Die Kabinen selbst haben keinen Antrieb, der Motor befindet sich in einer einzigen, schallisolierten Station.

Da ein Fluss und bebaute Gebiete überqueren werden, kann ein integriertes Bergesystem die Kabinen im Notfall in die Stationen holen.

Das Design der Kabinen

Auch optisch sorgt die neue Anlage für zusätzliche Attraktivität. So zeichnen sich die Kabinen durch das einzigartige Design von Pininfarina aus, das Technologie, Ästhetik und Funktionalität miteinander verbindet.

Die mit DirectDrive betriebene Anlage ist mit insgesamt 15 urban ausgestatteten Symphony Kabinen bestückt, die jeweils 34 Personen Platz bieten. Wie im gesamten öffentlichen Verkehrsnetz ist auch in den Kabinen der neuen 3S-Bahn ein eigener Platz für Personen mit eingeschränkter Mobilität ausgewiesen.

Die Stationen

An den Haltestellen tragen breite Türöffnungen und der stufenlose Zugang zum barrierefreien Einstieg bei. In Sachen Lokalisierung, Infotainment und Sicherheit sorgen Bildschirme, akustische Durchsagen und ein CCTV-System für zeitgemäße Standards.

Die drei Stationen sind durch das 3S-System sehr geräumig konzipiert und wurden von der Bâtiment de France (französische Architektenkammer) als perfekt in die Umgebung integrierte Gebäude genehmigt.

Der Betrieb

Das städtische Verkehrsunternehmen Tisseyo Voyageurs wird für den Betrieb und die Sicherheit der Seilbahn verantwortlich sein. In den ersten drei Jahren wird Altiservice – ein Betreiber von zwei Skigebieten in den Pyrinäen – das komplette Personal stellen, um einen reibungslosen Start zu ermöglichen.

Denn Tisseyo Voyageurs hat bisher „nur“ Erfahrung mit U-Bahnen,Tram und Bussen. Die Verkehrsbetriebe behalten jedoch die Gesamtverantwortung, das Ticketing die Kontrolle, die IT-Sicherheit und -Verwaltung, die Gebäudewartung und die Sicherheit im Allgemeinen (Mitarbeiter, Systeme).

„Für den Betrieb werden nur ein Fahrer und zwei Maschinisten benötigt – bei vier Ein- und Ausstiegen. Wir sind sehr stolz auf diesen geringen Bedarf an  Personal“, freut sich Tanguy Lansard, Leitung Betrieb & Wartung bei POMA.

Dafür sorgt die Videoüberwachung in der Zwischenstation. Fallweise werden noch ein Betriebsleiter, ein Wartungstechniker und eine Reinigungskraft benötigt.

Die Wartung

Für den Unterhalt ist Tisseyo Voyageurs mit POMA und Altiservice einen pauschalen Wartungsvertrag für 20 Jahre eingegangen. POMA liefert Wartungstechnik und Ersatzteile für Bahn und Seile. Altiservice stellt Techniker und weitere Hilfsmittel bereit.

„Wir versprechen eine strafbewehrte monatliche technische Verfügbarkeit der Seilbahn von 99,35 Prozent. Das bedeutet, dass ‚Téléo‘ im Durchschnitt weniger als acht Minuten pro 20 Betriebsstunden pro Tag ausfällt“, betont Lansard.

Dazu bildet POMA seit Juli 2021 die bereits gut geschulten Altiservice-Techniker mit dem firmeneigenen Tool UPilot noch weiter fort, so Lansard:

„Wir sind stolz, mit unseren alpinen Kunden Altiservice gemeinsam im urbanen Markt erfolgreich zu sein!“

TÉLÉO TOULOUSE

Länge 3 km
Höhenunterschied 100 m
Förderleistung 1500 (2000)
Stationen 3
Kabinen 15 (20)
Fassungsraum Kabine 34 P.
Stützen 5
Max. Geschwindigkeit 27 km/h
Betriebsgeschwindigkeit 20 km/h
Fahrzeit 10 Min
Investitionskosten 82 Mio. €
Wartungskosten 20 Jahre 38 Mio. €