Erneuerbare Energie für Seilbahnen: Bolivien setzt auf Eigenproduktion

In der bolivianischen Hauptstadt La Paz sind die Kabinen von Mi Teleférico bereits mit Solarpaneelen ausgestattet. Nun entwickelt das Management ein Modell zur Eigenproduktion erneuerbarer Energie, um die Stromnetzabhängigkeit zu verringern. Was deckt die Solarenergie schon jetzt ab, und was ist noch geplant?

Die Seilbahn Mi Teleférico in der bolivianischen Hauptstadt La Paz führt derzeit Verhandlungen mit internationalen Organisationen, um ein Modell zur Eigenproduktion erneuerbarer Energien zu entwickeln.

Ziel ist es, die Abhängigkeit von Strom aus dem öffentlichen Netz zu verringern. Dies teilte der Geschäftsführer von Mi Teleférico, Christian Eduardo, mit.

Die Seilbahnkabinen von Mi Teleférico sind bereits mit Solarmodulen ausgestattet, die laut Betreiber genügend Energie erzeugen, um die Beleuchtung, Gegensprechanlagen und Sicherheitskameras zu betreiben.

„Mit Mi Teleférico zu fahren bedeutet heute nicht nur, sich schnell und bequem durch die Stadt zu bewegen, sondern dies auch auf eine umweltbewusste Weise zu tun“, sagte der Geschäftsführer von Mi Teleférico.

Darüber hinaus ist die Installation von Photovoltaikanlagen auf den Dächern verschiedener Stationen des Seilbahnsystems im Rahmen der Umsetzung der neuen Linie „Café“ geplant.

Mi Teleférico ist das weltweit größte urbane Seilbahnnetz.

Die größte urbane Seilbahn weltweit

Mi Teleférico gilt als das weltweit größte urbane Seilbahnnetz. Insgesamt zehn Linien mit einer Gesamtlänge von über 30 Kilometern verbinden die Städte La Paz und El Alto und befördern täglich rund 300.000 Menschen. Das System ging 2014 in Betrieb und wurde bis 2019 laufend erweitert.

Das Seilbahnnetz besteht aus kuppel­baren 10er-Gondelbahnen – insgesamt gleiten 1.396 Kabinen über die Stadt hinweg.

Solarenergie auch in Kolumbien

Auch in Kolumbien fahren Seilbahnen mit Solarpaneelen auf den Kabinen.

Mit jeweils zwei Solarpaneelen auf jeder Kabine transportiert TransMiCable täglich etwa 20.000 Einwohner des südlichen Stadtteils Ciudad Bolívar in weniger als 15 Minuten den Berg hinauf und hinunter.

Die Kabinen der Seilbahn TransMiCable in Kolumbien sind ebenfalls mit Solarpaneelen ausgestattet.

Das Instituto de Desarrollo Urbano (IDU), das den Bau von TransMiCable leitete, berichtet, dass die von den Solarpaneelen auf jeder Kabine erzeugte Energie es ermöglicht, die Seilbahn fünf bis sechs Stunden am Tag ohne zusätzliche Stromquelle zu betreiben.

Kombiniert mit konventionellem Strom – etwa 70 Prozent in Kolumbien stammen aus Wasserkraft – tragen die Seilbahnen laut IDU dazu bei, Emissionen aus fossilen Brennstoffen im Transportwesen zu vermeiden.