WAS FEHLT ZUR REALISIERUNG URBANER SEILBAHNEN IN EUROPA?

Das System urbane Seilbahn wird von vielen Verkehrsexperten als Lösung für das anwachsende Verkehrsproblem gesehen. Mit einer schnellen Verfügbarkeit, einem kleinen baulichen Abdruck und einem umweltfreundlichen Antrieb bringt das System alles mit, was heute von Transportsystemen verlangt wird. Doch trotz all dieser Vorteile tut sich das Konzept Seilbahn gerade in Europa sehr schwer, sich gegenüber den altbekannten und erprobten Systemen wie Bus und Bahn durchzusetzen. Was wäre nun nötig, um die Seilbahn als Verkehrssystem zu etablieren?

Die Argumente gegen die Seilbahn von Seiten der Bevölkerung sind meist die gleichen, wobei der Eingriff in die Privatsphäre durch die vorbeischwebenden Kabinen das größte Problem darzustellen scheint.

Doch Fakt ist, dass eigentlich alle typischen Probleme durch gesetzliche oder technische Richtlinien zu lösen wären. Die urbane Seilbahn kämpft mit einem eigentlich ganz banalen Problem.

Sie stellt ein neues System für Städte dar und ist als solches erst einmal mit Skepsis zu betrachten. Die Menschen zur richtigen Zeit mit den nötigen Informationen zu versorgen ist dabei essenziell.

Nur wenn man die nötigen Informationen hat, kann man sich auch eine objektive Meinung bilden. Doch im ersten Schritt ist die Informationsvermittlung nebensächlich, zumindest wenn man sich die menschliche Natur genauer ansieht.

Sich mit neuen Themen auseinander zu setzen erfordert kognitive Arbeit. Diese wird nur eingesetzt, wenn man sich für ein Thema auch wirklich interessiert. Genau hier beginnt auch der Weg für die urbane Seilbahn.

In der Akzeptanz des Systems selbst. In den Bergen ist das System nicht nur akzeptiert, sondern sogar gewünscht. Die Alternative dazu wäre auch ein anstrengender Bergmarsch zu Fuß. In den Städten muss die Seilbahn noch ihren Wert beweisen, doch schaffen wird sie es nur mit Begeisterung. Bereits der römische Philosoph Augustinus von Hippo wusste: „Nur wer selbst brennt, kann Feuer in anderen entfachen.“

Genau das ist nun die wichtigste Aufgabe der Seilbahn, um im städtischen Raum erfolgreich zu sein. Es sind Fürsprecher nötig, die selbst voll und ganz von diesem System überzeugt sind und diese Begeisterung auch an andere weitergeben können.

Sabine Djahnanschaf, Referatsleiterin für Architektur und Bauwesen der Deutschen Bundesstiftung Umwelt, ist überzeugt, dass hier Leute mit einer hohen intrinsischen Motivation gefragt sind.

„Nur etwa fünf Prozent der Menschen haben Spaß an der Einführung einer neuen Innovation. Sie haben weder Angst vor dem Risiko noch wollen hier einen Vorteil für sich selbst erwirtschaften.

Lediglich der Spaß an etwas Neuem treibt sie an und begeistert sie. In diesen Menschen liegt auch das Potenzial, die Seilbahn im urbanen Raum zu integrieren und ein Pilotprojekt umzusetzen. Sobald diese Hürde genommen ist, kommen die etwa zehn Prozent der First User ins Spiel. Also jene, die Spaß an der Produkttestung vor der Massentauglichkeit haben. Erst dann startet wirklich der Break-Even-Point.“