Toulouse: Effizientere Wartung für maximale Verfügbarkeit

Zeit und Sicherheit – das sind die kritischen Faktoren bei der Wartung von urbanen Seilbahnen. Die Zeitfenster sind eng, um den Betrieb nicht länger als notwendig zu unterbrechen. Mit viel Knowhow und selbst entwickelten Hilfsmitteln hat der französische Hersteller POMA die Instandhaltung von Seilbahnen optimiert. Bestes aktuelles Beispiel ist die Tragseilverschiebung an der „Téléo“ in Toulouse.

Die französische Stadt Toulouse verfügt mit „Téléo“ seit 2022 über die erste urbane Dreiseilumlaufbahn Europas. Sie verbindet bei einer Fahrzeit von nur zehn Minuten gleich drei wichtige Verkehrsknotenpunkte in der Metropole im Südwesten Frankreichs: das Hochschulinstitut für Krebsforschung „Oncopole“, das Krankenhaus „Rangueil“ und die Universität „Paul Sabatier“ mit 30.000 Studierenden.

Ausgangslage: Wartungsvertrag

Das städtische Verkehrsunternehmen Tisseo Voyageurs ist für den Betrieb und die Sicherheit der Seilbahn verantwortlich. In den ersten drei Jahren stellte Altiservice – ein Betreiber von zwei Skigebieten in den Pyrenäen – das komplette Personal, um einen reibungslosen Start zu ermöglichen.

Für den Unterhalt ist Tisseo Voyageurs mit dem Seilbahnhersteller POMA und Altiservice einen pauschalen Wartungsvertrag für 20 Jahre eingegangen. POMA liefert Wartungstechnik und Ersatzteile für Bahn und Seile; Altiservice stellt Techniker und weitere Hilfsmittel bereit.

Strand Jack

Dank dieses neuen Werkzeugs konnten die spezialisierten Einsatzkräfte eine Kraft von 200 Tonnen auf die zwei Tragseile von „Téléo“ ausüben und sie so gleichzeitig über eine Länge von 30 Metern verschieben.

Verschieben in Rekordzeit

Dies betrifft auch die Tragseilverschiebung alle drei Jahre, um die punktuelle Belastung der Seile zu entschärfen. Dabei werden die Tragseile auf ihren Auflagern (Stützen) um mehrere Meter verkürzt. Beim Bau hat man dazu absichtlich 400 Meter Überlänge des jeweiligen Tragseils gelassen.

„Die Herausforderung liegt darin, die Arbeiten in einem engen Zeitfenster durchzuführen, um den Betrieb nicht länger als absolut notwendig zu unterbrechen“, berichtet Michael Fauche, Strategy and New Market Director bei POMA: „

Da wir Straßen und Flüsse überqueren und über Privatgrundstücke hinwegfahren, hat Sicherheit für uns höchste Priorität. Seilspannung und Position werden in Echtzeit überwacht; zudem planen wir alle Szenarien weit im Voraus und führen den Plan präzise aus.“

Seilspannung und Position überwacht:

Da  die Seilbahn Tolouse Straßen und Flüsse überquert und über Privatgrundstücke hinwegfährt, hat die Sicherheit bei der Wartung höchste Priorität.

Spezialwerkzeug Strand Jack

Ein wichtiger Bestandteil ist der Einsatz des Litzenspanners „Strand Jack“: Dieses innovative, zu hundert Prozent hausintern entwickelte Werkzeug wurde von den Teams von COMAG, POMA SAVOIE und POMA konstruiert und gefertigt, um komplexe Wartungsarbeiten an Mehrseilanlagen durchzuführen.

Dank dieses neuen Werkzeugs konnten die spezialisierten Einsatzkräfte eine Kraft von 200 Tonnen auf die zwei Tragseile von „Téléo“ ausüben und sie so gleichzeitig über eine Länge von 30 Metern verschieben. Diese Handhabung mit angepasstem Equipment minimierte die Auswirkungen auf den Betrieb und erreichte alle Ziele in der Rekordzeit von nur 4,5 Tagen.

„Zusammen mit Konzept und Verfahren schätze ich, dass wir damit dreifach so schnell sind, als wenn wir herkömmliche Methoden genutzt hätten“, sagt Cyprien Carroso, Wartungsingenieur bei POMA. Zudem wurde auf Kräne oder Gerüste verzichtet, was Kosten und Material einsparte. Nicht zuletzt verringerte das Verfahren die körperliche Arbeitsbelastung der Mitarbeiter deutlich.

Vorausschauende Wartung

Weniger Zeit-, Material- und Arbeitsaufwand: Die Tragseilverschiebung nach dem POMA-Konzept reiht sich ein in die LIFE R‘way Strategie, mit der Seilbahnen nachhaltig geplant, gebaut, betrieben und gewartet werden, wie POMA-Projektmanager David Blanchet mit einem weiteren Fakt belegen kann:

„Wir haben die Tragseilverschiebung, die eigentlich alle sechs Jahre vorgeschrieben ist, bereits drei Jahre früher durchgeführt, um Betriebsunterbrechungen zu begrenzen und die Verfügbarkeit der Seilbahn zu optimieren.“