
Beschneiung & Pistenpflege, SI 3/2026
Snowpro: Schnee, wenn man ihn braucht
Mit bis zu 155 Betriebstagen öffnet das westdeutsche Skigebiet Winterberg teils länger als manch alpine Destination – obwohl die Berge im Sauerland extrem niedrig liegen und von Naturschnee meist nur träumen können. Dies liegt nicht nur an den 550 klassischen Schneeerzeugern, sondern vor allem an den 18 All-Wetter-Anlagen SnowPRO der KTIPlersch Kältetechnik GmbH.

Florian Leber
Geschäftsführer Skilifte Poppenberg
Kunde und Entwickler in einem
Winterberg ist Anwender der ersten Stunde, namentlich Florian Leber von den Skiliften Poppenberg. Der Betreiber von sechs Hängen der Destination beschäftigt sich seit 2008 mit den Grenzen der technischen Beschneiung bei wärmeren Temperaturen.
„Ich war damals auf der Suche nach einer Möglichkeit, unsere Pisten schneesicherer zu machen. Manchmal fehlten uns nur wenige Zentimeter, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.“ 2013 stieß der Bergbahner schließlich auf das Unternehmen KTI, das unter anderem für Betonkühlsysteme bekannt ist.
„2014 errichteten wir die erste Eisanlage nahe der Ruhrquelle – und sammelten vier Jahre lang wertvolle Erfahrung“, berichtet KTI-Ingenieur Tobias Heier.
Besonders viel Erfindergeist floß in den Transport des Eises aus der Anlage auf die Piste. Leber investierte 2018 in zwei weitere Anlagen, 2024 noch einmal in vier. Insgesamt stehen jetzt 18 davon im Bereich des Skiliftkarussells Winterberg.

Tobias Heier
Entwicklungsingenieur KTI
Schnee bei jeder Temperatur
Die snowPRO-Anlagen erzeugen dank des geschlossenen Kältekreislaufs bei nahezu jeder Außentemperatur (auch bei über 20 Grad) Schnee, sowohl im Freien als auch in Hallen.
Dabei verwandeln sie Wasser zu Schnee, ohne Zusatz von Chemikalien. Sechs davon sind als doppelstöckige Seecontainer am Gipfel des Poppenbergs positioniert.
„Dort wird das Wasser in riesigen Kübeln bei Tiefkühltemperaturen von minus 12 bis minus 26 Grad zu Eis gemacht, von den Innenwänden abgelöst und als Scherben- oder Platteneis in unterirdischen Leitungen an den Hang transportiert, wo es klassische KG-Rohre auswerfen“, erläutert Heier die Funktionsweise.
Die Gebläse können das Eis bis zu 150 Meter weit bewegen, talwärts sogar bis zu 400 Meter.

Nutzung von bestehender Infrastruktur
Die All-Wetter-Schneeanlagen nutzen die bestehende Infrastruktur der Beschneiung – wie Speicherteiche, Stromversorgung und Schneischächte – um ihre Aufgabe zu erledigen. snowPRO eignet sich also ideal dazu, die klassische technische Beschneiung zu ergänzen.
Bestes Beispiel Winterberg: 90 Prozent der Hänge im Skiliftkarussell werden herkömmlich beschneit. Die All-Wetter-Anlagen bringen jedoch die entscheidenden Zentimeter an neuralgischen Punkten wie am Ein- und Ausstieg der Seilbahnen. Diese erkennt der Betreiber mittels Schneehöhen- bzw. -tiefenmessung an den Pistenraupen.
Von der Punkt- zur Vollbeschneiung
Zudem sichert snowPRO Saisonstart und -ende ab. „Wenn nötig, könnten wir mit den sechs Anlagen in zehn Tagen sogar grundbeschneien“, betont Leber die Leistungsfähigkeit der snowPROs. Diese Zuverlässigkeit ist vor allem für die Events wichtig: „Dank snowPRO können wir jedes Jahr den Saisonabschluss des Snowboard-Worldcups garantieren“, so der Bergbahner.
Vorteile snowPRO
- Plug-& Play: Alle Anlagen sind in Containern verbaut, für einfachen Transport und Aufbau, sowie eine schnelle Inbetriebnahme.
- Service-Verfügbarkeit: Mit sieben Ersatzteillagern und über 60 Service-Technikern bietet KTI weltweit Erreichbarkeit und Verfügbarkeit.
- Erfahrung: Mehr als 100 snowPRO Schneeanlagen wurden bereits installiert. KTI sieht sich als Weltmarktführer in der Beschneiung bei Plusgraden.
- Fernzugriff: Dank intuitiver Steuerung und Fernüberwachung haben Betreiber immer alles im Blick – und KTI greift für den First-Level-Support ein.
- Energieeffizienz: Um Betriebskosten zu senken, weisen die snowPRO-Systeme den branchenweit niedrigsten Energieverbrauch auf: 17 kWh/m³ Schnee.
- Langlebigkeit: KTI setzt ausschließlich auf Komponenten europäischer Hersteller von höchster Qualität für maximale Lebensdauer.
Variante 1: Scherben-Eis
Je nach Modell produziert snowPRO Scherben- oder Platteneis. „Scherbeneisergibt feine, trockene Flocken. Diese werden aus reinem Wasser an der Oberfläche einer zylindrischen Eismaschine gebildet und mittels unserer speziellen Fördertechnik mechanisch abtransportiert“, erläutert Heier.
Mit einer Tagesleistung von 60 bis 210 Kubikmetern pro Anlage (je nach Größe) eignen sich diese Maschinen für den Außen- oder Innenbereich, als mobile oder stationäre Installation. „Sie sind quasi der technologische Ursprung unserer All-Wetter-Schneeanlagen“, betont der Ingenieur.
Variante 2: Platteneis
Als „Rising Star“ bezeichnet er dagegen die Platten-Schneeanlage. Aus reinem Wasser gebildete Schneeflocken entstehen auf Edelstahlplatten und werden thermisch abgetragen. Mithilfe spezieller Zerkleinerungs- und Fördertechnik wird der Schnee auf die Pisten geblasen.
„Da das System keine beweglichen Teile enthält, ist es langlebig und wartungsarm, selbst bei schlechterer Wasserqualität“, so der Ingenieur. Dank der höheren Verdampfungstemperatur ist es die energieeffizienteste verfügbare Option. Mit einer täglichen Schneeproduktion von bis zu 400 Kubikmetern sind diese Anlagen ideal für stationäre Außeninstallationen.
Die All-Wetter-Schneeanlage snowPRO 60
Das neue Modell wurde auf der Messe Mountain Planet vorgestellt und tourt derzeit mit Demaclenko durch Europa.

snowPRO 60 mit Demaclenko auf der Mountain Planet
Skigebiete, die bisher wenig oder keine Erfahrung mit All-Wetter-Schneeanlagen haben, empfiehlt der Sauerländer die neue snowPRO 60. Diese wurde auf der Messe Mountain Planet zusammen mit Demaclenko vorgestellt und macht den Einstieg in das Thema leicht.
Die kompakte, mobil einsetzbare Anlage ergänzt die konventionelle Beschneiung an neuralgischen Punkten, etwa Talabfahrten, Kinderländern oder Pistenstellen, an denen der Wind den Schnee verbläst, wie Sebastian Lott, Global Sales Manager All-Weather Snow System bei KTI, bestätigt:
„Die snowPRO 60 ist ein echter Gamechanger.“
snowPRO 60
ist kompakt sowie wartungsfreundlich konzipiert – und mobil einsetzbar.

Aus der Praxis: Die Mischung macht’s
Worauf setzt nun der Pilotkunde Winterberg? „Als Pionier haben wir nahezu alle Modelle von snowPRO im Einsatz. Scherbeneis eignet sich besonders für warme Temperaturen und regnerische Tage, da Platteneis Umgebungskälte benötigt – also etwa klare Nächte“, berichtet Leber.
Scherbeneis ist jedoch wartungsintensiverwartungsintensiver – da die Mechanik nach 42 Stunden abgetaut werden muss – und erfordert etwas Übung seitens des Betreibers. Platteneisanlagen laufen dagegen durch, ohne viel Know-how vorauszusetzen.
„Die Schneequalität ist bei beiden Technologien sehr gut, sodass ich die Mischung bevorzuge“, sagt der Bergbahner.

Sebastian Lott
Global Sales Manager bei KTI