Projekt V-Bahn

Nach der Eröffnung der 10er-Gondelbahn letztes Jahr folgt diesen Dezember mit der Fertigstellung des 3S-Eiger Expresses auch der Abschluss des Großprojektes V-Bahn.

Am 14. Januar 2019 wurde der Startschuss für eines der derzeit größten Bauprojekte in den Alpen gestartet. Das Projekt V-Bahn. Von einem Terminal in Grindelwald (Schweiz) aus wird eine hochmoderne 3S-Bahn von DOPPELMAYR/GARAVENTA zum Eigergletscher gebaut.

Der Eiger Express wird außerdem eine direkte Umstiegsmöglichkeit auf das Junfraujoch bieten, wo-durch man 43 Minuten schneller zum Aussichtspunkt Top of Europe gelangen wird. Ebenfalls Teil des V-Bahn Projektes ist die 10er-Gondelbahn zum Männlichen, welche bereits am 13.Dezember 2019 eröffnet werden konnte.

Die großen Fenster der Atria Kabinen garantieren eine sensationelle Aussicht von jedem Sitzplatz. Fotos: Jungfraubahnen

Volle Leistung / Minimaler Eingriff

Für die Bergbahnen war es besonders wichtig, dass die Stützen der Seilbahn das Landschaftsbild nicht stören. Dabei kombiniert das 3S-Bahnsystem alle Vorteile der Gondelbahn und der Pendelbahn. Durch die doppelte Tragseilführung können große Spannfelder mit einer geringen Anzahl Stützen äußerst windstabil überfahren werden.

Beim Eiger Express müssen so über die gesamte Streckenlänge von 6.483 Metern lediglich sieben Stützen gebaut werden. Das Landschaftsbild bleibt erhalten und es sind keine Waldschneisen erforderlich.  „Die 3S-Technologie ist das einzige Seilbahnsystem, das die gewünschten Transportbedürfnisse mit der Anforderung an minimale Eingriffe in die Natur harmonisch miteinander verbindet.

In der Anschaffung ist sie zwar deutlich teurer als eine Pendelbahn, die Vorteile hinsichtlich Natur und Betrieb rechtfertigen jedoch diese höheren Kosten“, beichtet Kathrin Naegeli, Leiterin Corporate Communication bei den Jungfraubahnen.

Für ein Bauprojekt in dieser Größenordnung benötigten die Bergbahnen einen Partner auf der gleichen Wellenlänger. So fiel die Wahl auf den Weltmarktführer DOPPELMAYR/GARAVENTA. „Wir arbeiteten schon mehrmals mit DOPPELMAYR/GARAVENTA zusammen. Die Zusammenarbeit gestaltet sich mit ihnen immer sehr effizient und wir können uns auf sie verlassen.

Zudem zeigen sie sich immer offen für Neues – so bei der Kabine, die nach den Ideen von Jungfraubahnen-Direktor Urs Kessler überarbeitet wurde und vor kurzem einen Design-Preis gewann“, erzählt Naegeli.

Countdown

Die Jungfraubahnen installierten zusammen mit Tissot an verschiedenen Orten, u.a. in Interlaken, Grindelwald und auf der Kleinen Scheidegg, Count-down Clocks. Genau 700 Tage vor der geplanten Eröffnung, also am 14. Januar 2019 wurden diese in Betrieb genommen. Trotz der schwierigen Bedingungen im Frühjahr liegen alle Arbeiten im Zeit-plan.

„Wir konnten unsere Baustellen auch in den letzten Monaten und während des Lockdowns immer offen halten, unter Einhaltung aller in der Schweiz geltenden Hygiene- und Abstandsregeln wegen Covid-19. So war nicht nur das Einhalten des Zeitplans möglich. Die Eröffnung erfolgt nun sogar eine Woche früher als geplant, nämlich am 5. Dezember 2020, um gerade jetzt für den Schweizer Tourismus ein positives Signal zu geben“, freut sich Naegeli.

Die V-Bahn sichert die Konkurrenzfähigkeit des Jungfraujochs und damit die Zukunft eines touristischen Leuchtturms. Die neuen Anlagen sind sowohl für den Sommer als auch den Wintereinsatz konzipiert, wodurch sich die Region weiter als ganzjährige Destination etablieren kann. tm

Technische Daten:

Eiger Express

Förderleistung: 2.200 P/h
Sitzplätze pro Kabine: 26
Kabinenanzahl: 44 Kabinen + 1 VIP Kabine
Höhe Talstation: 943 m
Höhe Bergstation:  2.328 m
Streckenlänge:  6.483 m
Fahrzeit:  15 min

Technische Daten:

Grindelwald-Männlichen

Förderleistung:  1.800 P/h
Sitzplätze pro Gondel: 10
Anzahl der Gondeln:  111
Höhe Talstation: 943 m
Höhe Bergstation:  2.225 m
Streckenlänge:  6.119m
Fahrzeit:  19 min

Fahrerlebnis in der modernsten Seilbahnkabine der Welt

Ein besonderes Highlight der neuen CWA-Kabine ist die Panorama-Verglasung: Die Scheiben gehen in das Kabinendach über und geben dadurch einen unvergleichlichen Ausblick auf die Eigernordwand und die umliegende Landschaft frei. Die integrierte Scheibenheizung verhindert ein Beschlagen oder Vereisen, sodass die Sicht aus der Kabine stets ungestört ist. Die Energieversorgung für die beiden Heizsysteme wird während der Fahrt im neuentwickelten Laufrollengenerator des 3S-Laufwerks erzeugt. Die Seilbahnfahrt ist somit für alle Gäste sehr komfortabel. Auch mit Kinderwagen, Rollstuhl und Sportgeräten – Barrierefreiheit wurde beim Eiger Express und dem gesamten Terminal kompromisslos umgesetzt.

VIPs ganz im Glück

Die VIP-Kabine des Eiger Express trägt die Glückszahl 888. Die goldene Kabine mit exklusiver Ausstattung lässt keine Wünsche offen. Der rote Teppich vermittelt bereits beim Einstieg ein VIP-Gefühl, die indirekte Bodenbeleuchtung sorgt für eine gemütliche Atmosphäre. Ein Sternenhimmel mit hunderten Lichtpunkten, drehbare Ledersessel – ebenfalls in Rot – und eine Champagnerbar vollenden die Luxus-Fahrt für bis zu acht VIP-Gäste.

Verbindung zweier Welten

Doppelmayr/Garaventa lieferte für den kombinierten Transport von Personen und Gütern eine einzigartige Neuheit. Erstmals bei einer Seilbahnanlage findet der gesamte Materialtransport während des Publikumsbetriebs und für den Besucher sichtbar statt. Dieses neuartige System erfüllt höchste Sicherheitsstandards und Effizienz auf einem neuen Niveau. Der Materialfluss ist hochgradig automatisiert und weltweit bisher einzigartig. Die Güter – z.B. Lebensmittel für die Gastronomie, Waren für die Souvenir-Shops etc. – werden von der Fördertechnik auf einen Vertikalförderer transportiert, welcher die Waren an einen neu-entwickelten Verladeroboter übergibt, der dann die Kabine belädt. Doppelmayr/Garaventa hat diese Lösung gemeinsam mit LTW Intralogistics, einem weiteren Unternehmen der Gruppe entwickelt. LTW ist Spezialist für Intralogistik-Lösungen mit Erfahrung in den verschiedensten Bereichen, von Hochregallagern in Holzbautechnik bis zu Tiefkühl-Lagern für Lebensmittel. Diese Kompetenz wurde mit der Seilbahn-Expertise kombiniert, um den Gütertransport während dem normalen Fahrgastbetrieb des Eiger Express zu kombinieren.