
Seilbahn & Technik
Doppelmayr: Technische und digitale Neuheiten
TRI-Line
Mit der neuen Seilbahn Weglosen–Seebli startete Ende 2025 im Hoch-Ybrig (Schweiz) eine Weltpremiere: die erste Anlage mit dem innovativen Seilbahnsystem TRI-Line. Modernste Technik, ein neu entwickeltes Laufwerk, eine barrierefreie Kabine sowie die Möglichkeit für den autonomen Betrieb stechen als Merkmale heraus.
TRI-Line ist ein von Doppelmayr in Wolfurt entwickeltes neues Seilbahnsystem und eine Weiterentwicklung der Dreiseil-Technologie. Es kombiniert die Vorteile der leistungsstarken 3S-Technologie mit jenen der bewährten D-Line Generation und überzeugt durch kompakte Stationen und Stützen.
Auf autonomes Fahren ausgelegt
Die neue TRI-Line im Hoch-Ybrig ist AURO-fähig. AURO steht für Autonomous Ropeway Operation und ermöglicht den Betrieb ohne Bedienpersonal. Je nach Bedarf kann die Anlage in zwei Betriebsarten gefahren werden: Im konventionellen Betrieb überwachen Mitarbeitende die Tal- und Bergstation, was die volle Förderleistung ermöglicht – ideal für den Hauptverkehr im Skigebiet.
Im AURO-Betrieb erfolgt der Ein- und Ausstieg bei stehender Kabine über Portale. Der Betrieb wird dabei über das Ropeway Operation Center (ROC) in der Bergstation videoüberwacht und zentral gesteuert.
Das System erkennt Abweichungen automatisch, verlangsamt oder stoppt den Betrieb bei Bedarf: In einem solchen Fall nimmt das Personal nach Behebung der Ursache den Betrieb manuell am Berg wieder auf.
Der Betreiber kann flexibel zwischen den Betriebsarten wechseln und seine Ressourcen optimal einsetzen.
Das TRI-Line-Laufwerk
garantiert Laufruhe und Stabilität – auch bei starkem Wind.

Laufwerk der TRI-Line
Das Herzstück der TRI-Line ist ihr neu entwickeltes Laufwerk: Zwei D5000-Klemmen greifen von oben auf das Seil, acht Laufrollen – vier auf jedem Tragseil – garantieren Laufruhe und Stabilität, selbst bei starkem Wind.
Die Bahn nutzt zahlreiche bewährte Komponenten der D-Line und des 3S-Systems, was die Wartung und den Betrieb für das Seilbahnbetriebsteam vereinfacht.
Der Kabinentyp STELLA
wurde eigens für die TRI-Line entwickelt und fasst 18 Personen.

Kabine der TRI-Line
CWA entwickelte eine komplett neue Kabine, die auf Wunsch des Kunden in leuchtendem Rot gehaltene STELLA. Die Kabinen bieten Platz für 18 Personen (12 Sitz- und 6 Stehplätze) und verfügen über ein Ski Rack TWISTIN, bei dem die Skier im Kabinenboden eingestellt werden können. Große Panoramascheiben eröffnen eine freie Sicht, der ebenerdige Einstieg ermöglicht einen barrierefreien Zugang.
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AURO CLD
Mit AURO MGD, dem autonomen Betriebskonzept für Umlaufseilbahnen, hat der Hersteller Doppelmayr bereits 2020 einen Meilenstein in der Branche gesetzt. Nur drei Jahre nach der autonomen Lösung für Gondelbahnen wurde mit AURO CLD erstmals mithilfe von Künstlicher Intelligenz der autonome Betrieb der Bergstation von Sesselbahnen möglich.
Die Technologie legt seitdem einen wahren Erfolgslauf hin: mehr und mehr Betreiber entscheiden sich für AURO CLD, zuletzt etwa die österreichischen Skigebiete Sölden und Ischgl bei den 8er-Sesselbahnen Einzeiger, Silberbrünnl, Höllboden und Sassgalun.
In Ischgl und Sölden, Österreich, ist AURO Assist bereits Realität.

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AURO ASSIST
Während AURO CLD den autonomen Betrieb des Ausstiegsbereichs ermöglicht, nimmt AURO Assist den Einstiegsbereich in den Fokus. Der Blick auf die Ausfahrt in der Talstation ist für das Betriebsteam häufig eingeschränkt, Sicherheitsbügel bieten in dieser Situation nicht immer einen vollständigen Schutz vor Unfällen.
Um die Sicherheit für Fahrgäste jedoch konsequent weiter zu verbessern, ist die schnelle und zuverlässige Bewertung der Sitzposition des Fahrgastes beim bzw. nach dem Einstieg essenziell.
Die Aufgabe von AURO Assist ist also nicht, das Betriebspersonal beim Einstieg zu ersetzen, sondern in Hinblick auf die Sichtverhältnisse zu unterstützen und damit die Sicherheit der Fahrgäste zu erhöhen.
Wie funktioniert AURO Assist?
Für die notwendige KI-unterstützte Bilderkennung setzt Doppelmayr wie bei AURO CLD auf die Expertise des Technologiepartners Mantis Ropeway Technologies.
Meist zwei oder drei Kameras liefern den Videofeed, anhand dessen das System erkennen kann, ob ein Fahrgast eine falsche Sitzposition eingenommen hat. In einem solchen Fall stoppt AURO Assist die Anlage sofort.

Jede Zehntelsekunde kann entscheidend sein, deshalb ist die Integration in die Seilbahnsteuerung notwendig und ermöglicht eine unmittelbare Reaktion. Durch die Massenträgheit eines Seilbahnsystems ist es unmöglich, die Anlage ohne Verzögerung zum Stillstand zu bringen.
Das Ziel muss also lauten, die Anlage zu stoppen, bevor der Fahrgast eine potenziell kritische Absturzhöhe erreicht. Diese wurde in Anlehnung an die Stabilisierungszone laut EN12929-1 mit drei Metern definiert.
AURO Assist verhindert, dass im Fall der Fälle diese Marke überschritten wird.
Siegeszug autonomer Seilbahnen:
Mittlerweile gibt es 29 Anlagen aller Seilbahntypen, die mit AURO ohne Personal in einer oder mehrerer Stationen fahren. Acht Sesselbahnen setzen bereits auf die Unterstützung AURO Assist.

Individuelle Gegebenheiten
Das bedeutet im Umkehrschluss: Nicht jede Anlage ist aufgrund der Topografie automatisch für AURO Assist geeignet – zum Beispiel, wenn das Gelände nach der Station direkt steil abfällt oder an selber Stelle ein Fluss überquert wird.
Doch auch in diesen Fällen gibt es Lösungen. Das Anwendungsfeld ist jedenfalls breit und das Interesse am Markt groß: Insgesamt setzen acht Sesselbahnen bereits auf die Unterstützung AURO Assist.
Das System eignet sich für neue kuppelbare Sesselbahnen der Hersteller Doppelmayr und Garaventa mit und ohne Bubble, sowie Bestandsanlagen ab PSS3000-Steuerung.