
SI 4/2026
Stimmt die Regel „Bier auf Wein – das lass sein“?
Man könnte der Frage leicht zustimmen, denn aus evolutionärem Selbstschutz erinnern wir uns meist besser an die schlechten Erlebnisse als an die Guten (vgl. Erfahrungen mit Seilschmiermitteln: es muss längst nicht so schlecht laufen, wie es häufig überliefert wird).
Britische Forscher haben es vor einigen Jahren genau wissen wollen und eine Gruppe freiwilliger (!) Probanden verschiedene Abfolgen trinken lassen. Das Ergebnis: kein signifikanter Unterschied. Es ging allen Teilnehmern nach ihren Maßstäben gleich gut bzw. schlecht. Woher kommt also der Spruch?

Historiker vermuten, dass es ein Wunsch beim gemeinsamen Anstoßen gewesen ist. Es mag regional unterschiedlich gewesen sein, aber Bier war während Jahrhunderten das Getränk der einfachen Leute.
Wein wurde eher in höheren Kreisen konsumiert. „Wein auf Bier – das wünsch ich Dir“ sollte somit bedeuten, dass man seinem Gegenüber eine Zukunft in Wohlstand wünscht, nicht den vermeintlichen Abstieg „Bier auf Wein“.
Sollte man sich also beim nächsten „Über-die-Strenge-Schlagen“ fragen, wie das wohl passieren konnte, kann man sich mit gutem Gewissen sagen: an der Reihenfolge lag es – wissenschaftlich erwiesen – nicht!