Salzmann – Nachhaltig sein – in Gastein

Ökonomisch und ökologisch nachhaltig wirtschaften: Das wollen die Gasteiner Bergbahnen. Sie setzen daher auf Variantenstudien und Risikoanalysen der SALZMANN Ingenieure.

Welche Variante, welche Investition stärkt die Marktattraktivität und ist ökonomisch, ökologisch und sozial nachhaltig? – Diese Frage stellen sich die Gasteiner Bergbahnen vor jeder strategischen Entscheidung. Um hier stets die richtige Wahl zu treffen, brauchen die Verantwortlichen Informationen. Diese erhalten sie durch Variantenstudien, Analysen und Masterpläne des Bregenzer Planungsbüros SALZMANN. Hier zwei Beispiele:

Retrofit-Untersuchung

Die bestehende kuppelbare Vierersesselbahn Sendleiten in Gastein ist in einigen Baugruppen technisch am Ende der Lebensdauer angelangt (Baujahr 1992). Hin- zu kommt, dass viele Ersatzteile nicht mehr verfügbar sind, da bspw. der Seilbahnhersteller Girak und der Steuerungshersteller STG schon lange nicht mehr am Markt tätig sind.

„Es fehlt sowohl das Know-how, da dessen Träger in Pension gegangen sind, als auch Teile für Steuerung, Lager, Scheiben oder Hydraulik“, sagt Christian Hochreiter, Technischer Leiter bei den Gasteiner Bergbahnen.

Die Folge ist eine nicht mehr so hohe Verfügbarkeit der Anlagen, obwohl die Gasteiner ein großes Lager unterhalten und Ersatzteile zwischen den Anlagen hin und her tauschen.

„Die Bergbahnen standen also vor der Frage, wie der Betrieb zumindest kurz- bis mittelfristig verlängert werden kann“, berichtet Stephan Salzmann, Geschäftsführer des Ingenieurbüros SALZMANN, das vor gut zwanzig Jahren diese Anlage geplant hat. Konkret wurden mehrere Varianten untersucht:

  • Variante 0: Weiterbetrieb für rund vier Jahre ohne große Investitionen
  • Variante 1: Erneuerung jener Baugruppen, für die keine Ersatzteile verfügbar sind oder die an der Verschleißgrenze sind, zur Verlängerung der Restlebensdauer bis zur Generalrevision (13 Jahre).
  • Variante 2a: Ersatz durch baugleiche Anlage unter Nutzung der Bauwerke
  • Variante 2b: Ersatz durch 6SB auf identer Trasse
  • Variante 3: Ersatz durch moderne 8er-Sesselbahn mit adaptierten Stationsstandorten, die eine höhere Frequenz versprechen.

CHRISTIAN HOCHREITER

Technische Leitung Gebiet Schlossalm, Angertal, Gasteiner Bergbahnen AG

„Mit der Retrofit-Untersuchung haben wir das beste aus der Situation gemacht. SALZMANN lieferte das Grundkonzept und erörterte mit uns das Für und Wider der fünf Varianten. Nun haben wir mit der Sanierung für 1,4 Millionen Euro eine günstige, mittelfristige Lösung für die Sendleitenbahn gefunden, für die SALZMANN auch die Ausschreibung übernimmt. Der Neubau wird langfristig wohl folgen, die Genehmigungen liegen bereits vor!“

Corona und der Cashflow

„Die erste Entscheidung fiel auf die langfristig sinnvolle Neubauvariante 3. Baugenehmigt war eine Erneuerung auf der alten Trasse“, sagt Salzmann. Da aber die Fahrgastzahlen einen Neubau derzeit nicht erfordern, wurde letztlich die Variante 1 ausgeführt.

„Mit dem Bau der Schlossalmbahn und den neuen Pisten fahren die Gäste lieber direkt ins Tal anstatt in der Mitte zur Sendleitenbahn abzufahren. Die Frequenz ist gesunken, wobei wir sie durch den Pistenneubau der Zufahrt wieder erhöhen werden,“ erklärt Hochreiter.

Ein weiterer Grund für Variante 1: Der durch die Corona-Pandemie belastete Cashflow soll geschont werden, um nicht andere, mittelfristig unaufschiebbare Investitionen zu gefährden.

„Das Ausfallrisiko schlug auch Variante 0 aus dem Rennen – also den Weiterbetrieb ohne große Sanierung für vier Jahre“, so Hochreiter. Die Varianten 2a und 2b, folglich der Ersatz durch eine 4er bzw. 6er Sesselbahn, schieden ebenfalls aus, da sie bei hohen Kosten kaum Verbesserungen gebracht hätten. „Die Position der Bergstation war und ist nicht ideal“, fügt Hochreiter hier hinzu.

Variante 1 mache nun das Beste aus der Situation. Für 1,4 Millionen Euro werden nicht nur Elektrotechnik, Kabel, Lager, Getriebe, Hydraulik, Klemmen, Ketten und die komplette Technik (Hydraulik und Steuerung) des Senkrechtförderes im Gondelbahnhof getauscht.

Die Bahn wird auch einem Facelifting unterzogen, die Diensträume wurden bereits saniert. „Variante 3, ein Neubau als 8er-Sesselbahn mit längerer Trasse, wird wohl in 13 Jahren folgen“, zeigt sich Hochreiter zuversichtlich.

WOLFGANG EGGER

Vorstand, Gasteiner Bergbahnen AG

„Die Tendenz geht dazu, Seilbahnen länger zu betreiben. Jede Investition, die zu viel ist oder zu früh kommt, drückt die Bilanz – besonders in Zeiten von Corona. Auch mit Blick auf die Nachhaltigkeit sind Großreparaturen oft sinnvoller als Neubauten. Wir haben daher mit SALZMANN eine Risiko-Analyse der gesamten Elektrotechnik durchgeführt. Der Planer agiert dabei sehr sachlich und analytisch, unsere Entscheidungen bauen auf seinen Argumenten auf!“

Risikoanalyse Elektrotechnik

Ein weiteres Beispiel für nachhaltige Beratung durch SALZMANN in Gastein ist die Risikoanalyse der Elektrotechnik von Bahnen, Pumpstationen und Beschneiungsanlagen. „Die in den 80er und 90er- Jahren gebauten Anlagen wurden von einem Elektrotechnik-Lieferanten ausgerüstet, der nicht mehr existiert und keinen Support mehr liefern kann.

Es ist daher eine Erneuerung der Elektrotechnik notwendig“, schildert Salzmann die Ausgangslage. Da es kaufmännisch nicht möglich war, alle fraglichen Anlagen in einem Aufwischen zu erneuern, stellte sich die Frage, wo die Erneuerung die größte Dringlichkeit hat.

„Wir haben für diese Fragestellung eine FMEA-Risikoanalyse durchgeführt, die jede Anlage nach folgenden Kriterien bewertet hat: Ausfallswahrscheinlichkeit, Ersatzteilverfügbarkeit, Ausfallauswirkung“, so Salzmann.

Ein Defekt bei einer Wiederholerbahn am Rande des Skigebiets ist weniger dramatisch, als ein Stillstand einer Zubringeranlage. Und die „analogen“ Steuerungen aus den 80er-Jahren sind meist weniger störanfällig als die Anlagen der 90er. Nach einer mit den Vertretern der Bergbahn gemeinsam durchgeführten Bewertung der Faktoren ergab sich eine klare Reihung der Investitionen.

„Diese werden wir als Gesamtpaket ausschreiben und in den nächsten fünf Jahren abarbeiten“, sagt Wolfgang Egger, Vorstand der Gasteiner Bergbahnen. Ziel ist eine durch Mengenrabatt günstige Steuerung für alle betroffenen Anlagen in einem Zeitfenster, das finanziell realistisch darstellbar ist.

Egger betont dabei die Relevanz der Risikoanalyse abseits der akuten Lage: „Bisher hatte jeder Betriebsleiter für sich eine To-Do-Liste. Nun haben wir eine klare, einstimmige Beurteilung und Priorisierung der geplanten Investitionen, in denen Abhängigkeiten und Wechselwirkungen zwischen den Anlagen abgebildet sind!“. Die Priorität der einzelnen Investitionen wird nach einiger Zeit erneut evaluiert. Warum? Um weiter nachhaltig zu sein – in Gastein!