GEO: Was mögen KI-Suchmaschinen?

Wer seine digitalen Auftritte nicht für ChatGPT, Gemini und Co. anpasst, wird von ihnen entweder falsch oder gar nicht zitiert. Daher müssen auch Skigebiete Generative Engine Optimization (GEO) betreiben. Wie sie genau funktioniert, erläutert GEO-Experte Stefan von Gagern im SI Interview.

SI Magazin: Herr von Gagern – warum müssen sich Skigebiete mit der Optimierung ihrer Inhalte für Künstliche Intelligenz beschäftigen?

Stefan von Gagern: Bereits jetzt verzeichnen viele Webseiten und Onlineshops von Bergbahnen einen Einbruch ihrer Zugriffszahlen. Die Customer Journey endet zunehmend bei der KI-Suchmaschine und dringt gar nicht mehr zum Skigebiet durch.

Diese Entwicklung lässt sich nicht verhindern. Umso wichtiger ist es, dass Inhalte und Angebote von Bergbahnen direkt in ChatGPT und Co. angezeigt werden – und das korrekt.

Woher kommt die neue Situation?

Der Gast hat mit der KI-Suchmaschine einen genialen Reiseberater: Sie arbeitet rund um die Uhr, beantwortet geduldig komplexe Urlaubsanfragen und verkauft kostenlos für Skigebiete.

Es gibt nur einen Haken: Wenn eine Bergbahn die KI-Suchmaschine nicht richtig „ausbildet“, kennt sie das Unternehmen nicht bzw. schlecht und empfiehlt den Mitbewerber.

Deshalb müssen Skigebiete ihre digitalen Auftritte für Gemini und Co. aufbereiten – womit wir bei Generative Engine Optimization wären – kurz GEO.

Stefan von Gagern

GEO-Experte
stefanvongagern.com

Was ist GEO genau – und inwiefern unterscheidet es sich von der bekannten Suchmaschinenoptimierung SEO?

Bei SEO versuchen Skigebiete seit Jahren über Keywords, Rankings und technische Stellschrauben in den Linklisten bei Google und Co. möglichst weit vorne zu landen. Diese Trickserei funktioniert bei Künstlicher Intelligenz nicht mehr – sie ist wortwörtlich intelligent und lässt sich nicht täuschen.

Es geht nicht mehr darum, gefunden zu werden, sondern darum, dass die KI einen versteht. GEO ist daher viel mehr als technisches Rumtüfteln an der Webseite – es ist eine strategische Contentstrategie über alle digitalen Kanäle hinweg.

Die KI sucht sich die Antwort aus allen digitalen Auftritten zusammen. Deswegen ist eine klare Positionierung und eine Konsistenz über alle Kanäle so wichtig. Stimmen etwa die Öffnungszeiten des Skigebiets bei Google und auf der Webseite nicht überein, wird die Bergbahn von der KI aussortiert.

Was mögen KI-Maschinen noch?

Dasselbe wie der Mensch: Klarheit, Struktur und Belege für Aussagen. Webseiten sollten in stimmige Absätze gegliedert, Aussagen durch Fakten oder Statements unterfüttert werden. Auch gut gemachte Frage-Antwort-Elemente (FAQs) haben sich bewährt.

Drittquellen – etwa Social-Media-Kommentare von Gästen – liebt die KI besonders. GEO ist eigentlich klassisches Content- und Reputationsmanagement, kombiniert mit technischen Verbesserungen.

GEO bedeutet das Comeback von journalistischer Qualität und klassischen PR-Tugenden – weg von der Aufmerksamkeitsökonomie hin zur Kontextwirtschaft.

Typische GEO-Fehler

  • Redaktionelles Denken fehlt: Inhalt wird von KIs nicht als vertrauenswürdig erkannt.
  • Viel hilft viel: Ausschließlich KI-generierte Inhalte werden oft abgewertet.
  • Inkonsistenz: Widersprechende Inhalte von verschiedenen Quellen werden aussortiert.
  • Marketingsprech: Vage Aussagen/schöne Bilder ohne Belege werden ignoriert.
  • Mangelnde KI-Kompetenz: Ohne Verständnis der KI keine optimale Aufbereitung.
  • Technische Hürden: KI-Crawler können Bilder und PDFs schlecht verarbeiten.
  • SEO Denken in GEO: Tool-Fokus, statt Keyword-Stuffing nun irrelevantes Zitat-Stuffing.
  • Einmalige Aktion: GEO-Optimierung wird nicht als ganzheitliche Strategie betrachtet.
  • Als reine Tool-Lösung verstehen: Letztlich geht es um Qualitätscontent und Strategie.

Was mögen KI-Maschinen dagegen nicht?

Heiße Luft, Marketingsprech, austauschbare KI-Texte, schöne Fotos und Aussagen ohne Belege. Generell sind Bilder oder PDFs schlecht, diese können die KI-Crawler schwer erfassen. Zudem sind inhaltliche Lücken gefährlich, denn dann fängt die KI an zu halluzinieren.

Fakten gehören nach oben und nicht versteckt. Dünne, schwache, irrelevante FAQs werden abgestraft, ebenso flacher, austauschbarer KI-Content. Viel hilft viel ist ein Irrglaube: Inhaltliche Qualität geht vor Quantität.

Trotzdem ist GEO keine einmalige Sache?

Die KI mag frische Inhalte, deswegen ist GEO eine kontinuierliche, strategische Aufgabe, die zentral gemanagt werden muss. Idealerweise wird dafür eine extra Stelle im Unternehmen geschaffen oder ein externer Berater damit beauftragt.

Zugleich bleibt GEO stets ein Thema für die Geschäftsführung, da GEO Positionierung, Markenbildung, PR und Vertrieb entscheidend prägt. GEO darf nicht im Tagesgeschäft untergehen!

Richtige GEO-Vorgehensweise

  • Strukturen schaffen: GEO personell abbilden und auch als CEO-Aufgabe verstehen.
  • Integrierte Content-Strategie: Webseite/Blog, Social Media, PR/Medien, Podcast/Event.
  • Kundenfokus: User-Probleme verstehen/Lösungen anbieten statt Selbstinszenierung.
  • Expertise/Relevanz: Direkte, präzise Antworten und konkrete Beispiele/Zahlen.
  • Originalität: Positionierung/eigene Daten – KI zitiert, was sich abhebt.
  • Show, don‘t tell: Konkrete Beispiele, Zahlen und Fallstudien statt leerer Versprechen.
  • Technik GEO-ready: Strukturierte Daten, sauberes Markup und schnelle Ladezeiten.
  • Aktualität: Inhalte regelmäßig aktualisieren, KI bevorzugt frische, relevante Quellen.
  • GEO messen: Stichproben nutzen, Kundensicht einnehmen, Tools einsetzen, Test Setup.

Wie läuft GEO daher organisatorisch ab?

Wie der Mensch auch, baut sich die KI einen Gesamteindruck vom Unternehmen zusammen. Im Idealfall ordnet sie ein Skigebiet als Lösung ein für die Anfragen vieler Gäste. Daher muss am Anfang eine Bestandsaufnahme stehen: Stärken, Schwächen und die Positionierung müssen sichtbar werden.

Dann gilt es, die digitalen Inhalte generell zu optimieren, zu testen und nachzujustieren. Der Erfolg lässt sich sowohl manuell messen, indem man gängige Fragen in die KI-Suchmaschinen eintippt, als auch mit automatisierten Tools, welche die Ergebnisse in ein Dashboard aufbereiten.

Nach der Grundoptimierung folgt noch Feintuning für einzelne KI-Suchmaschinen.

Ist GEO nur was für größere Skigebiete?

Nein, denn die KI ist nicht bestechlich. Im Gegensatz zu SEO können bei GEO auch kleine Unternehmen ohne großes Budget in den generischen Antworten ganz oben landen.

Zwar wird man sich künftig bezahlte Anzeigen und Folgefragen kaufen können, doch die organische Antwort bleibt zentral, sonst verliert die KI-Suchmaschine an Glaubwürdigkeit und Relevanz beim Nutzer und wird nicht mehr konsultiert.

Interview: Thomas Surrer