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Hans Hall (links) zieht mit Abe Sun vom chinesischen Pistenraupenhersteller Slope Tech seit 2018 in Asien an einer Kette. Foto: SI/Surrer

Hans Hall im Interview:

„Wir machen beim Preiskampf nicht mit!“

Hans Hall spricht im SI-Interview über die neuen Besitzverhältnisse im Unternehmen, die globale Strategie des Herstellers für Ketten- & Ersatzteile sowie die Resonanz der Produkte am Markt.

 

Groß präsentiert sich der Stand des chinesischen Pistenraupenherstellers Slope Tech auf der Messe Alpitec in Peking. Der starke Partner des jungen Unternehmens ist die Hans Hall GmbH. Die SI traf dort Geschäftsführer Hans Hall zum Interview.

 

SI: Herr Hall, welche Strategie verfolgen Sie hier in Asien?


Hans Hall: Japan und China sind aktuell die zwei letzten Märkte, die von uns erschlossen werden. Beide Länder haben großes Potential – vergleichbar mit dem deutschsprachigen Alpenraum. Da die chinesischen Skigebiete noch klein und die Saisonen kurz sind und in Japan die Marktöffnung gerade erfolgt, ist der Bedarf an qualtitativ hochwertigen, aber preiswerten Ersatzteilen für Pistenfahrzeuge hoch.

 

Deswegen haben wir in beiden Ländern Lager errichtet und sind mit den Pistenraupenhersteller Slope Tech in China sowie Händlern in Japan Kooperationen eingegangen, welche nicht nur den Vertrieb umfassen.

Was meinen Sie damit?


Alle Pistenraupen von Slope Tech sind ab Werk mit unseren Ketten ausgerüstet. In Japan arbeiten wir mit Serviceunternehmen zusammen. Die Asiaten stehen auf gutes Schuhwerk (lacht).

 

Trotzdem befindet sich der Markt in Asien noch in den Kinderschuhen.


Russland, Asien und Ozeanien liegen bei uns noch an dritter Stelle, das ist richtig. Die Kernmärkte bleiben Europa und Amerika, wo wir Vertrieb und Service selbst übernehmen. In den übrigen Regionen haben wir verlässliche Händler, sowie kleinere Pistenraupenhersteller als Partner.

 

Apropos Partner, Sie sind seit kurzem Alleineigentümer der HANS HALL GmbH. Warum?


Mein Bruder hat aus privaten Gründen seine Anteile an mich veräußert und will nun einen neuen Lebenslauf einschlagen. Die Entscheidunsgwege sind jetzt deutlich kürzer! (lacht)

 

Gibt es in dem Zuge weitere personelle Veränderungen?


Ja, wir haben unsere Mannschaft neu organisiert und werden sie von zehn auf 15 Mitarbeiter ausbauen. Besonders das Team in den USA wird aufgestockt. Zudem haben wir mit Alfred Bauke einen neuen kaufmännischen Geschäftsführer an Bord. So kann ich mich selbst voll auf den Vertrieb und die Entwicklung konzentrieren.

 

Bei HANS HALL weht also ein frischer Wind. Wohin bläst er?


Wir machen beim Preiskampf der Branche nicht mit. Billig kann nicht haltbar sein, sonst wäre es nicht billig. Wir setzen auf langlebige, hochwertige Produkte. Auf das Premium-Segment. Der Fokus liegt dabei auf unserer eigenen Kettenproduktion, die permanent an die Bedürfnisse der Kunden angepasst wird. Unser Anspruch: Jede Kette soll 4.000 Betriebstunden ohne Probleme überstehen. Darauf geben wir eine Garantie. Der branchenübliche Wert liegt weit darunter.

Warum?

 

Die gesteigerte Motorleistung der modernen Pistenraupen verringert zunehmend die Lebensdauer von Schrauben, Stegen, Spurbügeln und Gummibändern. Mit unseren neuen Gecko-Stegen und der Bänderkralle haben wir weitere patentierte Lösungen für dieses Problem gefunden.

 

Welche Resonanz haben die beiden Produkte am Markt ausgelöst?

 

Die Geckokette wurde in drei Jahren mit unseren Kunden entwickelt und erweckt großes Interesse. Die laufruhige Stahlkette fährt besonders gut auf technisch erzeugtem Schnee. Die Entwicklung steht aber noch nicht still, es werden permanent kleine Anpassungen getätigt. Die Bänderkralle wird ab kommender Saison in Serie produziert. Die Skigebiete der Compagnie des Alpes und Alpe d‘Huez durften die Kralle testen und sind begeistert. Wir haben für sie mehr Exemplare produziert, als wir wollten.

 

Lässt sich dieser Erfolg auch in Zahlen ausdrücken?

 

Die Bänder mit der Bänderkralle haben bereits 1.500 Betriebsstunden hinter sich. Das ist jetzt schon besser, als bei den meisten Gummibändern am Markt. Bis zur Interalpin werden wir 3.500 Betriebsstunden erreichen. Das Ziel sind die für uns üblichen 4.000 Betriebsstunden. Es geht um die Lebensdauer – nicht um den Preis!

 

Betrifft diese Philosophie auch ihr Hauptprodukt, die Kette Excalibur?

 

Selbstverständlich. Die Sechs-Band-Kette aus Aluminium hat seine lange Lebensdauer schon seit 20 Jahren bewiesen. Mit rund 40 Exemplaren im Jahr bleibt sie unser Verkaufsschlager. Wohl auch dank Ihres Baukastenprinzips? Unser breites Portfolio an Umrüstpaketen spielt hier sicherlich eine entscheidende Rolle. Wir können alle Pistenraupen am Markt umrüsten – egal welche Marke, welches Modell oder welches Baujahr. Wir sind seit 1978 in der Branche tätig, selbst alte Fahrzeuge sind für uns kein Problem. Die Hans Hall GmbH ist also schon mehr als 40 Jahre im Geschäft.

 

Welche Ziele sind gleichgeblieben?

 

Der Pistenraupenfahrer soll mit seiner Kette Spaß haben und mit Leichtigkeit seine Arbeit verrichten können. Der Skigebietsbetreiber soll seine Kosten und Service-Zeiten senken können. Und wir selbst müssen unsere Produkte permanent an die Probleme der Anwender anpassen. Der Kunde sagt uns, was er braucht – nicht andersrum. Eines soll jedem in der Branche klar werden, wenn er an die Produkte der Firma HANS HALL denkt: Wahre Größe zeigt sich erst am Berg!

 

Das Interview führte Thomas Surrer.