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Jakob Rope Systems

Zweitsicherungen für Bergwagen

Der Absturz eines Bergewagens erschütterte 2018 die Seilbahnbranche. Die Firma JAKOB ROPE SYSTEMS hat daraufhin einen neuen Seilriss-Falldämpfer entwickelt.

 

Die Seilbahnbranche wurde im Herbst 2018 durch den völlig überraschenden Absturz eines Bergewagens während des Aufsetzens erschüttert. Zum Glück kamen keine Personen zu Schaden.

 

Damit derartige Ereignisse in Zukunft ausgeschlossen werden können, hat nun vielerorts die Suche nach Lösungen begonnen, um Bergewagen während des Transports redundant zu sichern. Abbildung (1) zeigt als Beispiel einen selbstfahrenden Bergewagen während einer regelmäßigen Erprobung.

 

Um einen abstürzenden Bergewagen sicher zu fangen, genügt es nicht, parallel zum Hebezeug ein ausreichend starkes Seil schlaff mitzuführen, denn die Masse des Fahrzeugs baut mit der Fallhöhe kinetische Energie auf.

 

Damit das Stationstragwerk die Stoßkraft beim Einschlag in die Sicherung ertragen kann, muss das Ereignis gedämpft und somit die Kraft zuverlässig begrenzt werden.

(2) Schematischer Aufbau des Seilriss-Falldämpfers und beispielhafte Installation

Neuer Seilriss-Falldämpfer

Durch ihre Erfahrungen in der Seil- und Hebetechnik und deren Einsatz im Bergbahnbereich sowie dem Steinschlagschutz konnte JAKOB rOPE SYSTEMS nun in Abstimmung mit einem Bergbahnbetrieb einen neuen Seilriss-Falldämpfer entwickeln.

 

Dieser besteht aus einer Vielzahl von Drahtseilschlaufen in gestaffelter Länge, die unter Stoßbelastung in Abhängigkeit der Sturzenergie nacheinander reißen. Ein Drahtseil wandelt, bei einer Belastung bis zum Bruch, Energie durch Verformung um.

 

Diesen Effekt kann man zum Abbremsen einer großen bewegten Masse nutzen. Ganz ähnlich funktionieren auch textile Bandfalldämpfer im Bergsport und der persönlichen Schutzausrüstung oder sogenannte Seilrissbremsen in Steinschlagbarrieren wie dem Webtree von JAKOB rOPE SYSTEMS (siehe SI 1/2018).

Da sich die Bruchenergie für nahezu jede Seilkonstruktion rechnerisch vorbestimmen lässt, können Seillriss-Falldämpfer mit definierten Maximalkräften und Energieaufnahmevermögen in einem gewissen rahmen beliebig zusammengestellt werden.

 

Dabei darf der Dämpfer den Seilbahnbetrieb nicht beeinträchtigen und muss in allen betrieblichen Situationen wie z.B. bei Tieftemperaturen oder unter Schrägzug funktionieren. Die mechanischen Eigenschaften von Drahtseilen helfen dabei, diese Anforderungen mit einer hohen Sicherheit und Zuverlässigkeit zu erfüllen.

 

Die rechte Abbildung (2) zeigt den prinzipiellen Aufbau des Seilriss-Falldämpfers und einen beispielhaften Einsatz beim Umsetzen des Bergewagens auf die Fahrbahn. Eine reserve an zusätzlichen Dämpferseilen und ein Sicherungsseil mit größerem Durchmesser erhöhen nochmals die Zuverlässigkeit des Systems.

 

Nach der rechnerischen Auslegung wurden in der Konfektionierung in Trubschachen im Emmental Prototypen gefertigt.

(3) Bildsequenz aus dem Fallversuch – das Prüfgewicht kommt sicher zum Stehen. Fotos: JAKOB AG

Mit diesen konnte durch Fallversuche bei der HABEGGEr Maschinenfabrik AG in Thun die Funktion des neuen Dämpfers erfolgreich experimentell nachgewiesen werden. Die Bildreihe (3) zeigt Ausschnitte der Videodokumentation des Versuchs: Das Prüfgewicht von knapp 1,4 Tonnen kommt nach dem Sturz sicher zum Stehen.

 

Dabei wurden sogar noch etwas weniger Seile zerrissen, als mit Hilfe der Berechnung vorgegeben wurde. Der konservative Ansatz der Auslegung konnte damit bestätigt werden. Das Sicherungssystem wurde somit erfolgreich unter den Qualitätsanforderungen von JAKOB ROPE SYSTEMS getestet und erfüllt die grundsätzlichen Anforderungen für eine CE-Konformitätsbescheinigung nach Maschinenrichtlinie.

 

Zudem wird Anfang des Jahres 2019 ein weiterer Fallversuch unter Teilnahme der Seilbahn-Sachverständigenstelle rOTEC GmbH durchgeführt, um den Einsatz des Dämpfers nach BOSeil in einer bayerischen Pendelbahn zu begleiten.

 

Grundsätzlich kann der Seilriss-Falldämpfer zum Erscheinungstermin dieser Ausgabe des SI Magazins für verschiedenste Umgebungsbedingungen, Fallhöhen und Fahrzeugmassen ausgelegt werden. Aufgrund der Aktualität und Neuheit der Problemstellung muss für eine behördliche Abnahme noch der Einzelfall mit der jeweiligen zuständigen Aufsicht abgestimmt werden. ts

Kontakt

Bei Interesse an einer Beratung stehen die Mitarbeiter der Seil- & Hebetechnik bei JAKOB rOPE SYSTEMS gerne zur Verfügung. Kontakt: seil@jakob.com