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Andreas Brandner befasst sich seit der Gründung des Ingenierbüros 1986 mit allen Projekten des Ingenieurbaues speziell jedoch mit Geotechnik, dem Seilbahnbau und dem Konstruktiven Ingenieurbau. Foto: BRANDNER

Brandner

Kühler Kopf bei heissen Themen

Im Februar dieses Jahres wurde von Austrian Standards die neue Brandschutznorm für Seilbahnen veröffentlicht. DI Andreas Brandner hat sich die gesetzliche Erweiterung genauer angesehen und erklärt die Neuerungen der Brandschutznorm.

 

Seilbahnen bringen mehrere tausend Personen pro Stunde auf den Berg und das fast ohne Unterbrechungen. Trotzdem bleiben die Schlagzeilen meist frei von Zwischenfällen oder Störungen der leistungsstarken Anlagen. Zusätzlich haben sich immer wieder Studien mit diesem Thema beschäftigt und deren Ergebnisse belegen die Vorreiterrolle der Anlagen.

 

Wenn man von der Sicherheit pro transportierter Person und nicht wie häufig von der Entfernung spricht, führen die Seilbahnen das Feld der sichersten Verkehrsmittel überhaupt sogar an.

 

Damit dies auch so bleibt werden immer wieder die Sicherheitsanforderungen an Seilbahnen evaluiert und wenn nötig adaptiert. So wurde in den vergangenen vier Jahren die europäische Norm „Sicherheitsanforderungen an Seilbahnen für die Personenbeförderung – Brandverhütung und -bekämpfung“ erarbeitet und am 15.02.2019 in Österreich veröffentlicht.

Allgemeines

Die neue Norm sieht vor, dass im Zuge der Erstellung des Brandschutzgutachtens zuerst geklärt wird, ob die „Betriebsart Brand“ erforderlich ist oder nicht. „Eventuell auf diese Betriebsart verzichten können Schlepplifte, da hier jederzeit ein gefahrloses Aussteigen während der Fahrt möglich ist.

 

Auch bei einer Wintersportbahn am Gletscher wird man möglicherweise nicht eine solche Betriebsart nicht vorsehen müssen,“ erklärt Andreas Brandner vom Ingenieurbüro BRANDER.

 

Das Brandschutzgut- achten dient dazu, dass Betreiber und Hersteller gemeinsam für jede Anlage überlegen was getan werden, kann um das maximale Maß an Sicherheit zu garantieren.

Brandfahrt

Eine zentrale Rolle, welche im Zuge der neuen Norm geschaffen wurde betrifft die Brandfahrt. Moderne Seilbahnsteuerungen werden meist bereits für die „Brandfahrt“ ausgestattet und verfügen über eine einfache Aktivierungsmöglichkeit, welche die für eine Brandfahrt nötigen Systeme freigibt und außerdem dafür sorgt, dass die Anlage mit der technisch maximalen Geschwindigkeit betrieben wird.

 

So kann die Fahrt der Seilbahn fortgesetzt und alle Personen sicher in die Station gebracht werden. Da die wichtigen Seilverbindungen bei einem Brand großer Hitze ausgesetzt sein können wird durch den Betrieb auch sichergestellt, dass sich die Hitze nicht auf einen Punkt konzentriert und das Seil dadurch reißt.

 

„Die Fahrt im Brandfall bietet aber nicht nur Vorteile, sondern auch Risiken, denn durch die Aktivierung werden andere Sicherheitssysteme außer Kraft gesetzt. Etwa solche die bei zu starkem Wind aus Sicherheitsgründen die Anlagen blockieren.

 

Einige Vertreter haben sich aus Angst vor Missbrauch der Brandfahrtfunktion anfangs gegen diese ausgesprochen“, erklärt Brandner. Durch eine entsprechende automatische Speicherung der Aktivierung einer Brandfahrt in einem Meldespeicher konnten jedoch diese Bedenken ausgeräumt werden.

Urbane Anlagen

„Bei urbanen Anlagen und besonders bei Tunnelbahnen oder Anlagen die durch einen überdachten Bereich fahren wird man nicht auf die „Betriebsart Brand“ verzichten können. Darüber hinaus wird dem vorbeugenden Brandschutz in Österreich schon seit langer Zeit sehr großes Augenmerk gewidmet und damit das Risiko der Entstehung eines Vollbrandes gering gehalten“, ist sich Andreas Brandner sicher. tm

Vorbeugender Brandschutz

Unter vorbeugendem Brandschutz versteht man per Definition alle Maßnahmen die dazu dienen den Ausbruch eines Schadensfeuers zu verhindern und gegebenenfalls die Gefahren und Folgen eines Brandes wirksam einzugrenzen. Bei Seilbahnanlagen wird vor allem auf die eingesetzten Werkstoffe geachtet.

 

Diese unterscheiden sich je Seilbahntyp voneinander. Auch die Umgebung wird beim vorbeugenden Brandschutz genau analysiert. Im Brandfall muss eine einfache Bergung möglich sein und die Chance einer Ausbreitung sollte durch die Lage möglichst gering gehalten werden.