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Die Schneileistung der Bächler VSL entspricht der einer klassischen Lanze von 20 Kubikmetern in der Stunde. Fotos: SI/Surrer

Bächler VSL ,,Lance up"

Weltneuheit-versenkbare Schneilanze

Lawinen haben in Zermatt wiederholt Schneilanzen zerstört. Mit Blick auf eine neue Piste im gefährdetem Gebiet hat das Skigebiet bei BÄCHLER eine versenkbare Schneilanze in Auftrag gegeben. Der Prototyp zeigt einmal mehr, welch starker Innovationsgeist in der Firma herrscht.

 

Fünf bis zehn Schneilanzen muss die Zermatt Bergbahnen AG jährlich ersetzen. Wiederholt räumen Lawinen die Anlagen regelrecht ab – oft sogar mit Fundament. Zum Teil sind natürliche Abgänge Schuld – zum anderen aber auch „Friendly Fire“, also künstlich gesprengte Lawinen, die schneller abgehen müssen, als die Lanzen abgebaut werden können.

 

„Allein in der vergangenen Saison entstanden uns Schäden von 500.000 Franken. Mit Blick auf die 2020 geplante Piste Tuftenkumme, die sich im Lawinen- gefährdetem Gebiet befindet, mussten wir eine innovative Lösung finden“, sagt Bergbahnen CEO Markus Hasler. Insbesondere weil die Versicherungen der Lanzen bei häufigen Schäden immer teuerer bzw. gar nicht mehr gewährt werden.

 

Sein Schneimeister Daniel Imboden ergänzt: „Wir brauchen Lanzen, die nach der Schneiphase, also am Anfang der Saison, im Boden versinken!“

Daniel Imboden

Schneimeister der Zermatt Bergbahnen AG

„Die geplane Skipiste Tuftenkumme verläuft am Rothorn im Lawinengefährdetem Gebiet. Was machen wir also in einer Zone, wo wir die Lawinenzüge kennen und wis- sen, dass unsere Schneilanzen wahrscheinlich zerstört werden? Hier war eine innovative, ganz neue Speziallösung gefordert. Für uns war klar, dass hier nur der Innovationsführer BÄCHLER in Frage kommt. Und er hat geliefert!“

Deswegen ist Imboden 2017 an Toni Bächler herangetreten, dem Mastermind des Lanzenherstellers BÄCHLER. Dieser machte sich sofort an die Arbeit und kam ein Jahr später mit konkreten Plänen zurück – und mit der Bitte, einen Prototypen vor Ort aufstellen zu dürfen.

 

Die Probephase verlief dann derart positiv, dass die Zermatt Bergbahnen AG für den Bereich am Rothorn zehn versenkbare Lanzen anschaffen will.

Schritt 1: Der Muldendeckel öffnet sich.

Schritt 2: Die Lanze hebt sich in die Höhe.

Schritt 3: Die Lanze beginnt zu schneien.

Funktionsweise

Die Technik hinter der Lanze Bächler VSL ist innovativ und durchdacht. Im Schneimodus funktioniert sie wie die klassische Lanze Vanessa – mit Patent- Raster in Schneirichtung und verstellbarem Düsenkopf. Wird bei Lawinengefahr auf Hubhydraulik umgestellt, senkt sich die Lanze und verschwindet in einem Muldenkasten. Dabei öffnet und schließt sich ein Stahldeckel, der die Schneilanze vor Wetter und Temperaturen schützt.

 

„Die Lanze wird ebenerdig in 40 Zentimer Tiefe verstaut. Die geringe Tiefe ist wich- tig, da wir es hier mit schwierigem Felsgelände zu tun haben“, sagt Entwickler Toni Bächler. Der Muldenkasten ist aus verzinktem Stahl und wird beheizt, sodass die Lanze schnell wieder einsatzbereit ist.

 

Die Heizung im Deckel und in den Seitenwänden hält die Apparatur für rund 24 Stunden eisfrei. „Zudem wird die Mulde durch einen Schacht entleert, in dem auch die Luft- und Wasserzufuhr, sowie die Steuerung untergebracht sind“, sagt Bächler. Die Länge der Lanze beträgt sechs Meter, andere Maße seien aber möglich. Gesteuert wird die Hubhydraulik – wie auch die Beschneiung – per PC, Smartphone oder einem anderen Device.

 

 

Schichtleiter Kilian Schniedrig kann den Düsenkopf der Lanze um 60 Grad drehen.

„Die Lanze hebt oder senkt sich innerhalb von zwei Minuten, in weiteren 30 Sekunden ist sie einsatzbereit“, berichtet Schneimeister Imboden, der die Lanze seit Oktober 2018 testen durfte. Er und seine Kollegen sind von der Bächler VSL derart begeistert, dass sie mit ihr 2,8 der 3,8 Kilometer langen Skipiste Tuftenkumme beschneien möchten.

 

Insgesamt wollen die Zermatt Bergbahnen 2,5 Millionen Euro in die Beschneiung der neuen Abfahrt inverstieren, wie CEO Hasler berichtet. „Trotz Aufpreis ist die Speziallanze um die Hälfte günstiger als eine Propellermaschine“, gibt Toni Bächler dabei zu bedenken. Ihm und dem BÄCHLER-Team ist jedenfalls eine Weltneuheit gelungen, die nicht nur für Zermatt interessant sein dürfte! ts