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Das Großprojekt Flying Mozart in Snow Space Salzburg musste verschoben werden.

Seilbahnen planen in der Krise

Seilbahningenieur Stephan Salzmann im SI Interview über Projekte, Strategien und Perspektiven der Seilbahnbranche.

SI: Wie sehr schadet Ihnen die Corona-Krise?

 

Stephan Salzmann: Es kam zu Verschiebungen von Projekten, z.B. beim Großprojekt Flying Mozart. Gerade die sehr großen Projekte können nur begonnen werden, wenn die Begleitumstände eine Fertigstellung erwarten lassen. Das ist dzt. definitiv nicht der Fall. Projekte mit Baustart im Juni/Juli sind dzt. noch auf Schiene.

 

Die Projekte, die wir letztes Jahr begonnen haben, werden wir heuer auch fertig stellen können, wobei sich der Termin der Wiederaufnahme der Bauarbeiten schon um bis zu 6 Wochen verzögert hat.

 

Bei einzelnen zukünftigen Projekten wurde auch die Planung vorübergehend gestoppt. Die Arbeit kann aber großteils nach einer kurzen Schockstarre Mitte März wieder weiterlaufen.

Was machen Sie mit Ihren Mitarbeitern?

 

Bei uns haben in der Vergangenheit schon einzelne Mitarbeiter tageweise im Home Office gearbeitet. Darauf haben wir unsere Infrastruktur ausgerichtet, alle Mitarbeiter arbeiten mit Laptop, auch am CAD. Dementsprechend einfach war es, am Freitag, dem 13.03. alle Mitarbeiter ins Home Office zu verlagern.

 

Mittlerweile haben wir individuell unterschiedliche Lösungen gefunden. Jene, die einfach ins Büro kommen können und keine besondere Vorsicht aufgrund von Kontakt zu Risikogruppen haben, sind wieder im Büro, wobei wir die gesetzlichen Vorgaben betreffend Abstand und Desinfektion einhalten. Der Rest arbeitet vom Home Office aus.

 

Wie gestaltet sich bei Ihnen der Betrieb?

 

Wir hatten durchgehend Vollbetrieb. Geschäftsreisen werden dzt. noch vollständig vermieden. Sowohl die Kommunikation untereinander als auch mit externen Projektpartnern erfolgt neben E-Mail momentan großteils über Video-Konferenz. Das funktioniert nach gewissen Anlaufschwierigkeiten bei manchen Projektpartnern überraschend gut und es stellt sich für mich die Frage, ob auch nach Überwindung der Krise die persönliche Präsenz bei jedem Gespräch wirklich nötig ist. Vielleicht gelingt es uns, hier langfristig einen gewissen Anteil der Termine mit Video-Konferenz abzuwickeln und so Zeit, Geld und Ressourcen zu sparen.

Seilbahnplaner Stephan Salzmann. Foto: SI/Surrer

Wie blicken Sie in die Zukunft?

 

Ehrlich gesagt, mit gemischten Gefühlen. Wenn wir laut IWF die schlimmste Wirtschaftskrise seit den 30ern erleben, kann das nicht spurlos an uns vorüber gehen. In den vergangenen Krisen – wie z.B. die Finanzkrise 2008 – hat sich der Tourismus als krisenfest erwiesen.

 

Mit den derzeitigen Reisebeschränkungen und den zu erwartenden Einkommensverlusten bei den Gästen wird sich der Tourismus wohl auf Umsatzrückgänge einstellen müssen. Der Sommer 2020 ist für die meisten Seilbahnbetreiber vom Ergebnis her nicht so relevant. Wenn die Reisefreiheit im Winter 2020/21 immer noch eingeschränkt ist, kann das dann für die Seilbahner schon kritisch werden.

 

Auch die öffentliche Wahrnehmung der Rolle diverser österreichischer Skidestinationen bei der Verbreitung des Covid-19 Virus kann eine Rolle spielen, muss aber nicht.

 

Andererseits kann auch gut sein, dass die Menschen in Mitteleuropa nach Ende der Reisebeschränkung unbedingt Urlaub machen wollen und dies vielleicht nur in der näheren Umgebung möglich sein wird. Dieser Umstand würde die alpinen Destinationen im Sommer und Winter durchaus stärken.

 

Ich denke, nach Überwindung der Krise wird vieles nicht mehr so sein wie es davor war. Ob es besser oder schlechter sein wird, hängt zum Teil von uns selber ab.

Welche Strategien verfolgen Sie?

 

Wir sind hier gut aufgestellt. Unsere Philosophie, mit gezielten und effizienten Maßnahmen ein Maximum an Wirkung zu erzeugen, passt natürlich sehr gut in eine Zeit, in der vieles sachlich notwendig, aber nicht mehr alles finanziell möglich ist. ·

 

Inwiefern muss die Politik Sie unterstützen?

 

Ob die Österreichische Bundesregierung mit den sehr harten Maßnahmen die richtige Strategie gewählt hat, wird sich nach der Krise zeigen. Was die Eindämmung der Infektionen betrifft, scheint es der richtige Weg gewesen zu sein.

 

Für den offensichtlichen Schaden an der Wirtschaft werden wir wohl alle gemeinsam aufkommen müssen. Mit einer gewissen Verzögerung haben die Regierungen unserer deutschsprachigen Nachbarländer ähnliche Strategien verfolgt, sodass hier die Situation vergleichbar sein wird. Jetzt ist jedenfalls wichtig, dass denen geholfen wird, denen durch die harten Maßnahmen die Geschäftsgrundlage entzogen wurde.

 

Wir selbst haben dzt. keinen Bedarf an Unterstützung durch Kurzarbeit oder ähnliches und wir hoffen, dass das auch so bleibt. Umso wichtiger ist für uns, dass unseren Kunden, die ja zu den Haupt-Leidtragenden gehören, umfassende Hilfe erhalten.

 

Hier gibt es betreffend Entschädigung nach dem Epidemiegesetz sicher noch harte Verhandlungen mit den staatlichen Institutionen und ich hoffe, dass der Verdienstentgang durch den Shutdown entsprechend entschädigt wird.