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„Vielen PSA-Anwendern ist es nicht klar, wie sie ihre Kollegen mithilfe von Kameraden-Rettungs-Sets bergen können“, so Florian Immoos.

Florian Immoos

,,Wir sind mehr als nur Händler!"

IMMOOS-Geschäftsführer Florian Immoos spricht über optimierte Bergekonzepte, vernachlässigte Kameradensicherung und was seine Firma von der Konkurrenz trennt.

 

SI: Herr Immoos, ihr Unternehmen, die IMMOOS GmbH, hat allein 2017 in mehr als 30 Ländern Bergesysteme, persönliche Schutzausrüstungen und Steigschutzeinrichtungen verkauft. Fühlen Sie sich als erfolgreicher Händler? Florian Immoos: Jein, denn wir sind nicht nur Händler, sondern auch Dienstleister. Im Gegensatz zur – sehr zahlreichen – Konkurrenz bieten wir unseren Kunden Schulung, Beratung und Betreuung über den gesamten Prozess von der Ausarbeitung bis zur jährlichen Überprüfung.

 

Inwiefern? Indem wir beispielsweise unverbindlich vor Ort eine Begehung machen, bevor wir Material verkaufen. Zusammen mit den Seilbahnbetreibern untersuchen wir die Anlage und erarbeiten einen darauf abgestimmten Lösungsvorschlag. Dieses umfasst Parameter, wie den Ort des Materiallagers, miteinbezogene Rettungsorganisationen, Zugangspunkte für Rettungskräfte oder Stellen, an denen eine vertikale Bergung nicht möglich ist.

 

 

Darauf aufbauend formulieren wir ein Konzept und schauen uns das Potential für eine Bergungsoptimierung an. Was bedeutet das für die Seilbahngesellschaft? Bei der Bergungsoptimierung finden wir für jedes Skigebiet den perfekten Lagerort und die ideale Anzahl des Bergematerials. Bis zu acht Seilbahnanlagen können mit einem gut situierten Lager betreut werden. Früher brauchte man für jede Anlage eigene Ausrüstungen. Dies ist ein unschätzbarer Kostenvorteil für Bahnbetreiber.

 

Es bedeutet für uns aber auch, dass wir sämtliche Nutzungsgrenzen der einzelnen Anlagen aufeinander abstimmen müssen. Mit all diesen Informationen können wir nun dem Kunden eine Offerte machen, mit der er schlussendlich sogar Geld einsparen kann. Welche Schritte folgen, wenn Sie den Zuschlag erhalten? Zunächst präzisieren wir die Bergepläne und -konzepte und machen sie reif für die Behörden.

 

Dank unserer Expertise müssen die Seilbahnbetreiber die Dokumente nur noch unterschreiben. Unsere Formulare sind den Beamten geläufig und werden daher in der Regel rasch anerkannt. Wenn Kunden die Dokumente dagegen auf eigene Faust zusammenstellen, blicken die Behörden meist ganz genau darauf und finden oft Punkte, die sie beanstanden. Die Seilbahnbetreiber müssen dementsprechend mehr Zeit, Kraft und Geduld aufbringen.

„Ausführliche Schulungen des Bergepersonals sind extrem wichtig.“, betont Florian Immoos.

„Durch Speziallösungen ersparen wir den Skigebieten die Errichtung teurer Bergebahnen“, berichtet Florian Immoos.

Nach der Genehmigung folgt nur noch die Lieferung – oder? Das kommt auf den Einzelfall an. Wenn wir Produkte zum ersten Mal in ein Skigebiet liefern, bieten wir zusätzlich eine Schulung des Personals an. Bei unserem selbstfahrenden Seilbahngerät SS1 ist das sogar vorgeschrieben. Wir bieten die Ausbildung an unseren Produkten weltweit an – standardmäßig in Deutsch, Englisch und Französisch.

 

In exotischen Märkten, wie Indien, Vietnam oder Südkorea, vermitteln wir das Wissen durch Dolmetscher in der jeweiligen Landessprache. Die Schulungen dauern zwischen einem Tag bei Standard- und bis zu fünf Tagen bei Speziallösungen. Sie liefern demnach nicht nur Produkte von der Stange? Nein, da dies bei vielen Anlagen gar keinen Sinn machen würde. Sobald an einer Stelle ein vertikales Abseilen der Fahrgäste unmöglich ist, muss die Bergung entlang des Seils erfolgen – mithilfe von Systemen, die wir zusammen mit den Kunden individuell entwickeln.

 

Dadurch sparen sich die Skigebiete teure Bergebahnen, die sie ansonsten errichten müssten. Bis zum Ersteinsatz betreuen Sie Kunden also sehr umfassend. Und auch danach, da wir oft auch die jährlichen Sachkundeprüfungen (SKP) an den Produkten und Systemen durchführen und beschädigte Produkte revidieren oder ersetzen. Somit betreuen Sie die Kunden sogar über die gesamte Lebensdauer der Produkte? Ja genau.

 

Und mit unserem „Immoos Safety Management“ fassen wir alle diese Leistungen in einem kompletten Dienstleistungs- Abo zusammen. Anstatt das Material zu kaufen, mietet der Kunde die Produkte, bekommt sie bei Abnutzungsschäden oder Erreichen der maximalen Lebensdauer ersetzt und genießt Kostensicherheit. Beziehen sich diese Lösungen und Dienstleistungen nur auf die Bergung? Nein.

 

Sehr ähnlich ist unser Angebot auch im Zusammenhang mit Persönlicher Schutzausrüstung gegen Absturz und Steigschutzeinrichtungen. Auch da sind die Punkte Beratung und Schulung enorm wichtig!

„Wir finden für jedes Skigebiet den perfekten Lagerort und die ideale Anzahl des Bergematerials. Wir präzisieren die Bergepläne und machen sie reif für die Behörden“, verspricht Florian Immoos.

Florian Immoos empfiehlt auch Schulungen für die PSA und den Steigschutz. Denn nur optimal geschulte Seilbahner sind auch Bergeprofis. Fotos: IMMOOS

Warum? Zwar tragen mittlerweile fast alle Seilbahner ihre persönliche Schutzausrüstung (PSA), doch diese muss auch unbedingt richtig angewendet werden. Außerdem ist es wichtig zu wissen, dass die PSA zwar vor tödlichen Stürzen schützt – nicht aber vor Verletzungen und Bewegungsunfähigkeit. Es gibt auch noch einige PSA-Anwender, die nicht wissen, wie sie ihre Kollegen mithilfe von Kameraden-Rettungs-Sets bergen können. Deshalb empfehle ich auch all unsere Schulungen rund um die PSA und den Steigschutz. Denn nur optimal geschulte Seilbahner sind auch Bergeprofis! Interview: Thomas Surrer