DE
DE
EN

Robert Pfoser betreibt die Personalagentur PFOSER EXECUTIVE SEARCH in Salzburg. Der Headhunter hat u.a. das neue Management der Bergbahn AG Kitzbühel besetzt.

Zukunftsthema Personal

Headhunter Robert Pfoser: Wie ich Führungskräfte finde

Die neue Managementstruktur der Bergbahn AG Kitzbühel hat in der Branche viel Aufsehen erregt.

 

Der Generationenwechsel in der Vorstandsriege wurde von Headhunter Robert Pfoser begleitet.

 

Die SI sprach mit ihm über die komplexe Suche nach Führungskräften, deren Ansprüche und welche Rolle das Bauchgefühl in seiner Arbeit spielt.

 

SI: Alle Welt spricht vom Fachkräftemangel. Wie sieht die Situation beim Spitzenpersonal der Seilbahnbranche aus?

 

Robert Pfoser: Auch nicht anders. Den Menschen geht es gut, den Unternehmen geht es gut – da ist die Wechselfreude teilweise gering. In diesem Fall war Branchenerfahrung für die Vorstandsposition kein „must have“, zudem wollte die Bergbahn AG Kitzbühel keinen Mitarbeiter eines Mitbewerbers aktiv abwerben, um keine Unruhe in die Branche bringen.

Aber in Skigebieten sind doch Experten gefragt?

 

Für den Betrieb des Skigebiets brauche ich Spezialisten. Ist ein Technik-Vorstand gesucht, müssen wir meist in der Branche Kräfte abwerben. Doch bei strategischen Führungskräften tut frisches Blut von außen ganz gut!

 

In Kitzbühel konnten wir mit Anton Bodner einen Vorstand besetzen, der als Alleingeschäftsführer der Studia Studentenförderungs GmbH wertvolle Außensicht mitbringt. Zudem haben wir im Suchprozess auch einen neuen Marketingleiter mit spannendem Backround gefunden.

 

Prokurist Peter Schörghofer kommt vom wettbewerbsintensiven Motorracing und bringt mit branchenfremden Ansätzen neue Dynamik in das Marketing der Bergbahn AG Kitzbühel.

 

Zusätzlich zieht auch Prokurist Walter Astl als „altgedienter“ Kitzbühel-Bergbahner in den Vorstand, Bereich Finanzen, ein. Mit der neuen Managementstruktur haben sich die Bergbahnen für den weiteren Erfolgskurs optimal aufgestellt.

Die neue Managementstruktur der Bergbahn AG Kitzbühel – auch dank Robert Pfoser: Betriebsleiter Andreas Hochwimmer, Vorstand Anton Bodner, Vorstandsvorsitzender Josef Burger, Finanzvorstand/Prokurist Walter Astl, Marketingleiter/Prokurist Peter Schörghofer, Aufsichtsratsvorsitzender Klaus Winkler. Fotos: SI/Surrer (links), Bergbahn Kitzbühel AG (rechts)

Wie haben Sie diese Führungskräfte gefunden?

 

Das ist stets ein komplexer, am besten langfristiger Prozess. Die Bergbahn AG Kitzbühl, mit ihrem Vorstandsvorsitzenden Josef Burger, hat die personelle Umstrukturierung früh, professionell und mit großem Zeitbudget angepackt. Besser kann man es nicht machen.

 

Dem Aufsichtsrat der Bergbahn AG Kitzbühel war ein geordneter Managementübergang natürlich sehr wichtig. Zu allererst haben wir gemeinsam das Profil der Stelle definiert. Anschließend haben wir die Stelle ausgeschrieben und punktuell in anderen Branchen auch gezielt Personen angesprochen.

 

Wo schalten Sie Ihre Stellenanzeigen?

 

Ganz klar auf Onlineplattformen. Suchen wir Spezialisten, gehen wir auf Nischenseiten wie die SI Jobbörse, suchen wir Generalisten setzten wir auf die großen Portale.

 

In Kitzbühel bewarben sich 40 Kandidaten. Wie finden Sie in dieser Menge die richtige Person für den Vorstands-Job?

 

Ich treffe eine Vorauswahl, die zu einem ersten Hearing geladen wird. Im Hearing führe ich durch das Gespräch, während sich die Vorstände ein Bild von den Bewerbern machen.

In Kitzbühel war bereits zu Beginn der Aufsichtsratsvorsitzende Klaus Winkler dabei, was den Prozess erheblich verbesserte. In einem zweiten Hearing verkleinern wir die Zahl der Bewerber erneut, bevor sich der Aufsichtsrat für den besten Kandidaten entscheidet.

 

Welche Vorausetzungen muss der Sieger im Bewerbungsprozess vorweisen?

 

Er muss Managementerfahrung, wirtschaftlichen Erfolg, Standing und Persönlichkeit mitbringen. Ein Universitäts-Abschluss wird ebenfalls erwartet. Auch das Bauchgefühl spielt eine Rolle.

 

Nach zwanzig Jahren als Headhunter habe ich eine gewisse Erfahrung. Ich gebe sogar eine Garantie auf meine Empfehlungen. Denn der Bewerber muss zum Unternehmen passen, die Werte und die Kultur der Firma teilen. Außerdem muss er bereit sein, sich vor Ort niederzulassen.

 

In Kitzbühel ist der Vorstand der Bergbahn eine öffentliche Person. Der muss sich zum Ort bekennen, der kann nicht pendeln!

 

Was müssen Skigebiete im Gegenzug ihrem Führungspersonal bieten?

 

Ganz klar mehr als nur Geld. Natürlich ist das Gehalt ein ganz wichtiger Faktor, aber andere Benefits und Zusatzleistungen werden immer wichtiger. Zum Beispiel flexible Arbeitszeiten, Homeoffice, Möglichkeiten zur Weiterbildung, Familienfreundlichkeit und ein gutes Betriebsklima sind gefragt.

 

Spitzenkräfte wollen Entwicklungsmöglichkeiten und Herausforderungen. Die Aufgabe muss sie reizen. Zudem könnte man sie vor allem am Anfang unterstützen, zum Beispiel bei der Wohnungssuche.

 

Das Interview führte Thomas Surrer (ts)