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400 gemeldete Teilnehmer fanden sich in den Olma Messen ein. Fotos: SI/Surrer

VTK-Tagung in St. Gallen

Innovation ohne Grenzen

Ob biologisch abbaubare Öle, neuartige Seilstrukturen oder die Seilbahnprojekte Zugspitze und Klein Matterhorn – die Vorträge auf der VTK-Tagung in St. Gallen machten dem diesjährigen Motto „Innovation ohne Grenzen“ alle Ehre.

 

Exakt 400 gemeldete Teilnehmer besuchten unter dem Motto „Innovation ohne Grenzen“ die 61. VTK-Tagung in St. Gallen. Elf Vorträge aus den Bereichen Politik, Recht, Technik und Wissenschaft sowie vier Exkursionen prägten den zweitägigen Kongress in den Olma Messen im Zentrum der Stadt.

 

Durch die Tagung führte Moderator und VTK-Vorstand Christoph Meier, der neben den Vorträgen und der Generalversammlung auch das umfangreiche Rahmenprogramm mit Besichtigungen der Appenzeller Bahnen, der FATZER AG, der Stadler Rail AG, der Säntis-Schwebebahn und der Staubnerbahn ankündigen durfte.

Präsentieren stolz die Modul-H-Zertifizierung der JAKOB ROPE SYSTEMS AG (von links): Marcel Meier, Konstantin Kühner und Urs Schneider.

BAV: Herausforderung Winterstürme

Als erstes lud Meier Hanspeter Egli vom Bundesamt für Verkehr (BAV) auf die Bühne. Der sprach vor allem über den Umgang mit den Winterstürmen 2018. Während viele Unternehmen gut vorbereitet und sehr umsichtig gehandelt hätten, seien andere davon überrascht worden.

 

„Hier gibt es noch deutlich Verbesserungspotential, da schwere Stürme in Zukunft immer häufiger werden“, so Egli.

 

Er forderte die Skigebiete dazu auf, Handlungspläne zu erstellen und mit Wetterdiensten zusammenzuarbeiten. Zudem sprach Egli über die neue, geführte Online-Eingabe in die Datenbank des BAV. Seilbahner müssen ab sofort Infomationen nur noch einmal abgeben.

Werner Arnold (links) und Jean Daniel vertraten PISTENBULLY auf der VTK-Tagung.

Spleissanforderungen durchgesetzt

Ulrich Blessing vom Interkantonalen Konkordat für Seilbahnen und Skilifte (IKSS) informierte anschließend über die aufgeschobene Revision des IKKS-Reglements aufgrund von Uneinigkeiten, administrative Entlastungen für Seilbahnbetreiber, die neue Förderbandnorm und über die Anforderungen an Spleisser.

 

Bei Letzteren konnte das IKSS seine eigenen Vorstellungen durchsetzen. Beim Schadensbericht beklagte sich Blessing vor allem über den Missbrauch von Materialseilbahnen: „In den Medien wird bei Personenschäden oft nicht zwischen den Anlagetypen unterschieden, den Imageschaden haben dann alle Seilbahnbetreiber“.

 

Der IKKS-Vertreter forderte zudem die regelmäßige Baumprüfung mit einem Förster entlang der Lift-Trassen – denn Baumstürze seien trotz Winterstürme „nicht nur höhere Gewalt“.

Das Team von CALAG, Nachfolger des Kabinenherstellers GANGLO FF (v.l.): Domencio Condello, Michael Späti und Heinz Arn.

Fritz Jost von Seilbahnen Schweiz (SBS) beklagte in seinem Referat hingegen den Investitionsstau und das Preisdumping in der Schweiz. „Eigentlich müssten wir 20 bis 30 Anlagen pro Jahr bauen.

 

Davon sind wir aber weit entfernt“ Er sprach zudem die Flut an Einsprachen gegen Seilbahnprojekte an: „NGOs und Privatpersonen fahren sofort eine Anti-Medien- Kampagne ohne Details zu wissen.“ Zudem beschäftigte das neue Behindertengesetz die SBS, welches 2023 in Kraft trifft.

 

Dazu sei gemeinsam mit der Organisation „inclusion handicap“ eine Praxishilfe für Seilbahner geplant. Abschließend refererierte Jost noch über innovative Seilbahnen im französischen Cal Thorens. Dort werden seit 2017 zwei Anlagen ohne Stationspersonal betrieben.

 

Jost würde sich über ein ähnliches Pilotprojekt in der Schweiz freuen, welches BAV und SBS unterstützen würden. Den Vortragsblock am Vormittag schloss Martin Holzer vom Schmierstoffhersteller NILS. Er referierte über biologisch abbaubare Hydrauliköle – kurz HEPR.

„Schwere Winterstürme werden häufiger, Seilbahner müssen sich darauf einstellen“, forderte Hanspeter Egli vom BAV.

„Die Bäume an den Lift-Trassen müssen mit einem Förster regelmäßig überprüft werden“, mahnte Ulrich Blessing vom IKSS.

„Die Seilbahn La Moraine funktioniert ohne Stationspersonal – und hat nur zwei Stopps am Tag“, berichtet Fritz Jost von SBS.

„HEPR Öle sind ökonomische und ökologische Alternativen zu mineralischen Produkten“, sagte Martin Holzer von NILS.

Der Getriebespezialist IMHOF (SEW) war mit Markus Maurer (links), Rainer Trumpp (Mitte) und Peter Baumgartner vor Ort. Fotos: SI/Surrer

Herausforderungen bei Montage und Transport von Seilen“, ist Reto Zurbrügg überzeugt. In St. Gallen (v.l.): Andreas Schnidrig (Prinoth) Markus Sigrist (LEITNER), Rinaldo Kreuzer, Thomas Feustle (beide DEMACLENKO), Yves Hungerbühler (PRINOTH), und Steve Jost (LEICA). AXESS-Vertreter Mario Delac (Mitte) und Hans Peter Demling (rechts) erklären Markus Kellerberger (Firstbahn AG) ihr neues System.

Der Nachmittag der VTK-Tagung war von Referaten aus der Praxis geprägt. Den Anfang machte Peter Huber von der Seilbahn Zugspitze. Der Technische Direktor sprach über den Bau und die Inbetriebnahme der neuen Weltrekordbahn auf Deutschlands höchsten Berg.

 

Huber betonte vor allem die Ingenieurleistung bei der Statik der Bergstation. Er berichtete zudem über den Bau und Betrieb der Materialseilbahn: „Wir haben entschieden, welche Baufirma die Anlage wann nutzen durfte.“

 

Auch das Design von Stationen und Kabinen sei gelungen. „GARAVENTA hat uns über unsere Frauenseite gewonnen“, scherzte Huber. Anschließend stand eine weitere Weltrekordbahn auf dem Programm: Der Matterhorn Glacier Ride in Zermatt.

Christian Wyssen und Andre Wäfler lächeln für WYSSEN freundlich in die Kamera.

Patrick und Bruno Inauen waren für INAUEN-SCHÄTTI vor Ort.

Der Technische Leiter Anton Lauber berichtete über die überaus schwierige Baustelle auf fast 4.000 Metern Seehöhe. Neben Schnee, Wind und Kälte machte der Boden im Gletschergebiet nahe des Matterhorns Probleme.

 

„Bei der Stütze 2 fanden wir den Fels erst in 35 Metern Tiefe“, schildert Lauber. Vor allem die Logistik und der Materialtransport war eine Herausforderung.

Extremer Seiltransport

Auf diese Thematik ging Reto Zurbrügg noch detaillierter ein. Der Geschäftsführer der ZURBRÜGG Seilbahnen & Montage GmbH sprach über den aufwändigen Transport und den Seilzug der zwei Tragseile und des Zugseils über die italienische Seite des Gebirges.

 

„Wir waren mit Temperaturen von minus 25 Grad Celsius, Windgeschwindigkeiten von 40 km/h und schwer zugänglichem Gelände konfrontiert“, berichtete der Geschäftsführer der Firma. „Die 3S-Bahn in Zermatt zeigte uns neue Herausforderungen bei Montage und Transport von Seilen“.

MOTOREX wurde von Carlo Montani (links), Markus Damm (Mitte) und Carlo Dall‘Oglio auf der VTK-Tagung präsentiert. Fotos: SI/Surrer

Geballte KLÜBER Power (von links): Stefano Bortoletto, Jessica Heider, Thierry Bloch und Simon Stark.

Marius Bruggisser (links), Markus Menzi (Mitte) und Yves Müller vertraten den Seilbahnhersteller BARTOLET (BMF) auf der VTK-Tagung.

In St. Gallen (v.l.): Andreas Schnidrig (Prinoth) Markus Sigrist (LEITNER), Rinaldo Kreuzer, Thomas Feustle (beide DEMACLENKO), Yves Hungerbühler (PRINOTH), und Steve Jost (LEICA).

Seilstrukturen am Berg

Über eine komplett andere Verwendung von Seilen sprachen Konstantin Kühner und Fabian Graber von der JAKOB AG. Zusammen referierten sie über Seilnetze, die für Geländefüllungen, Absturzsicherungen, Rankstrukturen, Tiergehege und Erlebnis-Wege verwendet werden „Zudem können Seilnetze Sonderfunktionen erfüllen, etwa als Schwemmholzbarrieren, Fledermausüberflughilfen, Dekorationen oder Kunstwerke“, sagte Kühner.

 

Die Vortragenden gingen auch auf die Steinschlagbarriere Web- Tree ein, die als modulares Leichtbausystem konzipiert ist. „Seilnetze sind nicht zuletzt Erlebnisfaktoren, mit denen man unzugängliche Orte im Freien oder im Technikbereich für Gäste erschließen kann“, fügte Graber hinzu.

„GARAVENTA hat uns über unsere Frauenseite gewonnen“, scherzte Peter Huber von der Seilbahn Zugspitze.

„Bei der Stütze 2 fanden wir den Fels erst in 35 Metern Tiefe“, schildert Anton Lauber den schwierigen Bau der 3S-Bahn in Zermatt.

Zustandsorientiert statt Zeitorientiert

Über die Wartung von Seilbahnsteuerungen sprach anschließend Alessandro Beffa von der FREY AG STANS Er plädierte für „Predictive Maintenance“, also für die zustandsorientierte Wartung durch smarte Sensoren, anstatt für den zeitorientierten Service anhand von Wartungsintervallen.

 

„Zudem hat die Angriffssicherheit (Security) Priorität von der Betriebssicherheit (Safety),“ sagte Beffa. Seilbahner müssten sich zunehmend weniger über die funktionale Sicherheit der Anlagen Sorgen machen, als über Datenklau und Missbrauch durch Hacker.

 

Den inhaltlichen Abschluss der VTKTagung setzte dann Ueli Sutter von GARAVENTA. Er ist überzeugt, dass urbane Seilbahnen auch in der Schweiz eine Zukunft haben: „Urbane Seilbahnen sind laut einer Stellungnahme des Bundesrats technisch möglich und juristisch zulässig. Zudem sind die Vorschriften identisch mit den Regeln für alpine Anlagen.“ ts

„Die 3S-Bahn in Zermatt zeigte uns neue Herausforderungen bei Montage und Transport von Seilen“, ist Reto Zurbrügg überzeugt.

Über neuartige Seilstrukturen am Berg referierten Konstantin Kühner (oben) und Fabian Graber (unten) von der JAKOB AG.

„Zustandsorientierte Wartung und Cybersicherheit sind die Zukunft“, berichtete Alessandro Beffa von der FREY AG STANS.

„Urbane Seilbahnen sind in der Schweiz sowohl technisch als auch juristisch möglich“, ist Ueli Sutter von GARAVENTA überzeugt.