Masterplan und Gesetzesnovelle

Die kreisfreie Großstadt Oberhausen im Ruhrgebiet denkt schon lange über verkehrsberuhigende Maßnahmen nach. Ministerpräsident Hendrik Wüst bringt nun das Transportsystem urbane Seilbahn ins Gespräch.

Eine der derzeit größten Herausforderungen für den urbanen Raum ist jene der Mobilitätswende. Immer mehr Menschen sollen in Zukunft möglichst klimafreundlich transportiert werden.

Dafür benötigt es zielgerichtete Planungsschritte sowie neue technisch erfolgreiche Systeme. Diese sollen bereits bestehende Verkehrssysteme unterstützen und so die Mobilität in Städten langfristig gewährleisten. Das Verkehrsministerium sieht genau hier großes Potenzial im Transportsystem Seilbahn. Aus diesem Grund soll nun in Nordrhein-Westfalen das Genehmigungsverfahren für dieses Transportsystem vereinfacht werden. Dafür wird das Seilbahngesetz erneuert.

Weltweit gibt es bereits einige erfolgreiche Beispiele für urbane Seilbahnen, welche nahtlos in das bestehende Verkehrskonzept integriert wurden. La Paz, Mexiko-Stadt und Tokio sind nur einige Beispiele. Auch in Deutschland wird das seilgezogene System vielerorts bereits diskutiert. So haben unter anderem Essen, Köln, Bonn und Oberhausen Interesse an dem System gezeigt.

Warum soll der Verkehr ans Seil?

Seilbahnen punkten im urbanen Raum vor allem durch ihre vibrationsarme, lärmreduzierte und kontinuierliche Förderung. So können große Menschengruppen nachhaltig befördert werden. Gerade die vieldiskutierte „letzte Meile“ könnte durch das System gut erschlossen werden. Bei einer durchdachten Streckenführung kann die Seilbahn unter anderem als Zubringer für bestehende S- und U-Bahn Systeme eingesetzt werden.

Das Seilbahngesetz regelt in Nordrhein-Westfalen sowohl Planung als auch Bau und Betrieb des Transportsystems. Mit der Novellierung wird dieses Gesetz an das geltende EU-Recht angepasst. So soll das gesamte Verfahren entbürokratisiert werden. Für Oberhausen könnte dies bereits für das Projekt „Neue Mitte 4.0“ von Vorteil sein. Im Zuge dieses Projektes soll ein einzigartiger Stadtteil entstehen.

Durch Hotels, Wohnungen, Gewerbeflächen und geschickte Planungsarbeit soll ein moderner Stadtteil geschaffen werden. Stadtplaner wollen hier einen gelebten Strukturwechsel schaffen. Straßen sollen entfernt und durch grüne Freiflächen ersetzt werden. Ein Schwerpunkt dieses Systems ist neben dem Wohnen natürlich auch die Mobilität. Derzeit ist das Areal noch schwer zugänglich, doch durch die effiziente Lenkung der Verkehrsströme hofft man dies auf nachhaltige Weise regeln zu können.

Doch der Masterplan „Neue Mitte 4.0“ braucht auch neue Angebote im öffentlichen Personennahverkehr und da denkt Planungsdezernent Ralf Güldenzopf an Anbindungen durch S- und Regionalbahn. Auch eine Verlängerung der Straßenbahnlinie 105 wäre für ihn denkbar. Es dürfen aber auch neue Systeme wie die urbane Seilbahn nicht kategorisch ausgeschlossen werden, so der Experte. Denn ein innovatives Quartier braucht auch eine innovative Anbindung. Da derzeit nur vereinzelt Seilbahnprojekte in Betrieb sind, will Oberhausen auf die „Cable Car World“, um hier den Austausch mit Fachexperten zu suchen.

Die Veranstaltung ist eine Mischung aus Kongress und Fachmesse und hat sich zum Ziel gesetzt, Kommunen und Planer alles Wissenswerte zum Thema urbane Seilbahnen zu vermitteln. Im Zentrum der Seilbahnmesse in Essen steht dabei der persönliche Austausch.