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Die Linienführung der steilsten Standseilbahn der Welt zwischen Schlattli und Stoos forderte von den Ingenieuren völlig neue Lösungsansätze.

Garaventa

Die neue Stoosbahn

Die neue Standseilbahn auf den Stoos ist nicht nur ein Generationenbauwerk, sie ist auch ein Werk modernster Seilbahntechnik. Selbst bei der maximalen Steigung von 110 Prozent bleibt die Fahrgastebene horizontal ausgerichtet.

 

Der Blick in die Tiefe kurz vor der Einfahrt in den ersten von insgesamt drei Tunnels ist atemberaubend. Nur wenige Meter nach der Ausfahrt aus der Talstation beim Schlattli in Muotathal geht es steil bergauf und die Wagen erreichen nach kurzer Zeit die maximale Steigung von 110 Prozent.

 

Wenn heute die Rede von der weltweit steilsten Standseilbahn dieser Art oder gar von einem Wunderwerk der Technik ist – bewusst gesucht wurden diese Begriffe weder vom Kunden noch von den Seilbahningenieuren.

 

Im Vordergrund standen die Anforderungen an die hohe Verfügbarkeit der Anlage und die damit verbundene Reduktion von möglichen Betriebsunterbrüchen aufgrund von Naturereignissen.

Die vier mit einer Neigungskompensation ausgestatteten zylindrischen Personenabteile wurden in dieser Form noch nie gebaut.

 

Die sich daraus ergebende Linienführung zwischen der Talstation im Schlattli und der Bergstation auf dem Stoos forderte von den Ingenieuren völlig neue Lösungsansätze. Die vier mit einer Neigungskompensation ausgestatteten zylindrischen Personenabteile wurden in dieser Form noch nie gebaut.

 

Folgen die Fahrzeuge dem Trassee, dreht sich jedes Abteil und passt sich so automatisch der aktuellen Steigung an – dank diesem innovativen Fahrzeugkonzept kann der extreme Neigungsunterschied elegant kompensiert werden. Somit bleibt die Fahrgastebene immer horizontal und garantiert den Fahrgästen auf der ganzen Strecke eine komfortable Reise.

Technische Daten

Standseilbahn Stoosbahn

Aufgrund der Flachstrecken vor der Berg- und Talstation ist die Bahn mit einem Spanngewicht belasteten Gegenseil ausgestattet.

Fahrzeugkonzept für Gäste und Güter

Die Fahrgäste profitieren bei der neuen Standseilbahn auf den Stoos von einem großzügigen Fahrgastraum und einer freien Aussicht dank den großen Fensterflächen. Gebaut wurden die Kabinenabteile von der Firma CWA Constructions SA in Olten. Pro Fahrzeug können 136 Personen transportiert werden. Bei einer maximalen Fahrgeschwindigkeit von zehn Metern pro Sekunde ergibt sich daraus eine Förderleistung von 1.500 Personen pro Stunde und Richtung.

 

Die Fahrgäste können sowohl in der Tal- wie auch in der Bergstation ebenerdig, d. h. barrierefrei ein- und aussteigen. Der gleichzeitige Gütertransport ist mit einer bergseitig vorgelagerten Güterplattform gewährleistet. Diese nivelliert gleich wie die Fahrgastzellen den Neigungsunterschied automatisch aus. Um den Gästefluss optimal zu lenken, wurden der Personen- und der Güterbereich logistisch getrennt.

 

Neben dem weltweit erstmals eingesetzten innovativen Fahrzeugkonzept kommt bei der neuen Stoosbahn seit Jahren bewährte Technik zum Einsatz. Bereits 2015 wurde die komplette Antriebseinheit zur Bergstation transportiert. Auf der schmalen Bergstraße war Millimeterarbeit gefragt, um die bis zu 16,5 Tonnen schweren Einzelelemente wie die doppelrillige Antriebsscheibe sicher an ihren Bestimmungsort zu bringen.

Das System hat sich durchgesetzt

Die Kreuzungsstelle der beiden Fahrzeuge auf halber Strecke wurde mit einer Abt’schen Ausweiche ausgeführt. Das System wurde gegen Ende des vorletzten Jahrhunderts von dem damals in der Zentralschweiz lebenden Carl Roman Abt entwickelt und besteht aus einem dem doppelten Spurkranz bei den äußeren Rädern und einer flachen Walze bei den inneren Rädern.

 

Das System hat sich durchgesetzt und ist bei Standseilbahnen zum Standard geworden. Auf der Strecke verkehren zwei Wagen, die fest mit einem Drahtseil verbunden sind, das in der Bergstation über die Antriebsscheibe geführt wird. Dank der bodennahen Führung zeichnet sich die Standseilbahn auch bei widrigen Witterungsbedingungen durch eine hohe Verfügbarkeit aus.

 

Die neue Stoosbahn ist aufgrund der Flachstrecken vor der Berg- und Talstation mit einem Gegenseil ausgestattet, das in der Talstation mit einem Spanngewicht belastet wird. Dadurch wird die erforderliche Grundspannung erzielt, sodass der Wagen in die Talstation horizontal einfahren kann. ts