DE
DE
EN

Management in Zeiten der Krise

Was Unternehmer im Tourismus jetzt tun können

Der Tourismus steht vor großen Herausforderungen, die er so nicht kennt. Absolute Flaute, sogar Stillstand über Wochen und möglicherweise Monate – wie können Touristiker damit umgehen? Welche Maßnahmen sind nun gefragt, um diese Zeit zu überbrücken und das Schiff seetüchtig und auf Kurs zu halten?

 

Die dunklen Wolken werden nicht so schnell vorüberziehen. Eine harte Zeit steht uns bevor! Als Führungskräfte sollten Sie nüchtern analysieren und zielstrebig handeln. Kohl & Partner sieht folgende Gefahren für UnternehmerInnen und Führungskräfte in der aktuellen Situation:

Foto: Bad Kleinkirchheim Arno Gruber

1. Schockstarre:

 

Aufgrund der fehlenden zeitlichen Perspektiven (Wann wird es wieder „los“ gehen?) und der täglich neuen Negativ-Meldungen, die auf Sie hereinprasseln, sind Sie nicht im Stande irgendetwas zu tun. Sie finden es ungeheuer belastend, an den Kosten zu arbeiten, scharf zu budgetieren und mit der Bank notwendige Gespräche zu führen.

 

2. Fehlender Mut und verantwortliches Handeln:

 

Sie denken zu defensiv und pessimistisch und übersehen, dass vor allem in dieser schwierigen Zeit Zuversicht und Leadership gebraucht werden.

 

3. Zweifel lähmen Entscheidungen:

 

Sie finden, man wisse noch nicht so genau, wie sich die Krise auswirken wird. Sie haben Sorge, dass sich das Unternehmenskonzept in der Krise nicht bewähren wird. Selbst wenn man nachts wach liegt und das „Kopfkino“ läuft – am nächsten Morgen muss man wieder an seinen Kurs glauben. Zweifel sind in Krisenzeiten ganz normal.

Foto: Adobe Stock

4. Schönwetterreden und Krankjammern:

 

Sie beschönigen oder dramatisieren die Lage – besonders Mitarbeitern gegenüber. Ob es einer Führungskraft gelingt, ihre Leute für die Krisenbewältigung zu gewinnen, hängt davon ab, wie glaubwürdig sie auftritt. Es können und sollen auch Gefühle gezeigt werden.

 

5. „Sonst gehen wir halt mit dem Preis herunter!“:

 

Als letzter Ausweg bleibt immer noch den Preis zu reduzieren. Das was über Jahre hart aufgebaut wurde, wird in wenigen Tagen zerstört!

 

6. Keine Kraftquelle im Umfeld:

 

In der Krise gibt ein funktionierendes privates Umfeld Kraft – und die braucht man! Vorsicht: Keine gegenseitigen Schuldzuweisungen in Familienbetrieben!

Kohl & Partner empfiehlt folgende Maßnahmen:

 

1. Solide Businesspläne 

 

Nach der Konsumpause wird wieder bewusst konsumiert, vielleicht auch bald Urlaub gemacht – wegen der Einkommenseinbußen und anhaltender Grenzschließungen aber in Nahdestinationen bzw. im Inland. Unter Berücksichtigung dieser Prämissen empfehlen wir jedem Unternehmer einen Stresstest für seinen Betrieb an Hand gut durchdachter Businesspläne (mit Detailplänen hinterlegt, wie z.B. Auslastungsentwicklung, Mitarbeiterbudget, Marketingplan) für die nächsten Monate auszuarbeiten und diese laufend zu kontrollieren.

 

Empfohlen werden dafür drei Szenarien aus heutiger Sicht und standortabhängig durchzudenken: 

Foto: Snow Space Salzburg

2. Offene und partnerschaftliche Gespräche mit Banken

Wichtig ist es, die Liquidität – abgestimmt auf die Szenarien und die dafür erstellten Businesspläne – in persönlichen Gesprächen (vorerst telefonisch und online) mit der Bank zu sichern.

  

3. Preissenkungen sind keine Lösung

Wer glaubt, über Preissenkungen seine Probleme in den Griff zu bekommen, täuscht sich. Aktive Preispolitik anstatt Preisdumping ist hier gefragt: Moderates Entgegenkommen mit preispsychologischen Maßnahmen (Preisreduktionen an Bedingungen knüpfen, kurzfristige flexible Stornobedingungen etc.) koppeln.

 

4. Die Motivation bei MitarbeiterInnen hochhalten

 

Auch wenn es schwerfällt und viele in Kurzarbeit sind, muss gerade jetzt mit den Mitarbeitern Kontakt gehalten werden. Es braucht Verständnis von beiden Seiten in dieser außergewöhnlichen Situation. Es ist wichtig, den Spirit aufrecht zu halten! Oft schweißen außergewöhnliche Momente und Erlebnisse Menschen und Teams zusammen – geschäftlich wie privat.

Foto: SI

5. Kein Jammern vor dem Gast

 

Jammern zerstört die Gastlichkeit. Wer vor Gästen jammert, hat schon verloren! Im Tourismus müssen wir weiter den Fokus auf die schönen Dinge im Leben haben. Die Perspektive eines Urlaubs im Sommer ist für viele Menschen, die derzeit in ihren „Vier Wänden“ eingeschlossen sind, wie ein Licht am Ende des Tunnels.

 

6. Die Kostenstruktur optimieren

 

Alle innerbetrieblichen Einsparungsreserven nutzen: was für den operativen Betrieb derzeit nicht notwendig ist, verschieben und/oder aussetzen und natürlich müssen alle Maßnahmen genutzt werden, die von der Politik und den Interessensverbänden geboten werden.

 

7. Marketing-Reserven aufspüren und aktive Krisenkommunikation

 

Das Marketing-Budget durchforsten und jetzt eine kreative Krisenkommunikation vorbereiten. Mit den Gästen in Kontakt bleiben. Schaffen Sie Erholungsinseln mit Nachrichten vom Urlaubsziel und bleiben Sie mit den Gästen im Gespräch – beim Neustart werden alle gleichzeitig massiv kommunizieren.

 

Auf den Neustart vorbereiten, mit einem gut durchdachten operativen Marketingplan. Stammgast-Marketing forcieren und die Beratungsqualität am Gast verbessern. Keinesfalls panikartig das Marketingbudget reduzieren oder erhöhen!

 

8. Selbst fit bleiben

 

Sich selbst durch Bewegung und gesunde Ernährung fit halten – aber auch durch Weiterbildung. Die Harmonie in der Familie bzw. Partnerschaft pflegen.

„Es ist wie es ist, aber es wird, was wir daraus machen!“

(Verfasser unbekannt)